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So sieht es aus, wenn vielen Menschen der Weg zum nächsten Müllkorb zu weit erscheint. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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So sieht es aus, wenn vielen Menschen der Weg zum nächsten Müllkorb zu weit erscheint.

Frankfurt

„Die Leute vergessen die guten Sitten“

  • Thomas Schmidtutz
    VonThomas Schmidtutz
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Frankfurter Entsorger FES kommt an Wochenenden mit dem Müllwegräumen kaum hinterher. Besonders betroffen ist die Konstablerwache, wo an sieben Tagen die Woche morgens gereinigt wird.

Die Zeil wird zur Dreckzeil. Seit Wochen schon stellt die FES mehr Müll fest. „Besonders betroffen ist die Konstablerwache“, sagt Stefan Röttele, Sprecher der FES. „Aber es gibt noch mehr Dreckecken. Jüngst auch der Merianplatz.“ Was die Zeil betrifft, habe die FES bereits vor einigen Wochen ihren Fahrplan umgestellt: „Morgens, auch sonntags, reinigen wir zuerst nicht mehr an der Hauptwache, sondern an der Konstablerwache. Dort ist der Bedarf am höchsten. Spätestens um neun Uhr morgens soll die Konstabler sauber sein“, erläutert Röttele. Dies schließe eine Flächenreinigung des Podestes ein, mit Kehrmaschinen und Besen. Die rund 25 Mülleimer rund um die Zeil werden geleert. Einige davon fassen bis zu 120 Liter - die maximale Größe. Doch sie alle quellen morgens über. Besonders an den Wochenenden.

Einer der Gründe dafür ist - das zeigt sich auch am Unrat, der auf dem Boden liegt, – der dortige McDonalds. Bedingt auch durch Corona habe der Außer-Haus-Verzehr zugenommen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. „Um das Problem vor Ort in den Griff zu bekommen, tut das Restaurant sein Möglichstes, um die Gäste anzuhalten, die bereitgestellten Abfallbehälter rund um das Restaurant zu benutzen und im anderen Fall, den Müll im Umfeld zu beseitigen.“ Die Mitarbeiter sammelten die Verpackungen im Restaurantumfeld ein, um diese dem Wertstoffkreislauf zuzuführen. „Die Durchführung bedarfsgerechter Abfallsammelrundgänge ist in unseren Standards für alle Restaurants fest vorgeschrieben. Mehrmals täglich (im Grunde zu jedem Schichtwechsel) säubern die Mitarbeiter den Außenbereich des Restaurants und leeren die Behälter“, versichert der Sprecher der Fast-Food-Kette.

Der Erfolg bleibt jedoch überschaubar, das Resultat des Misserfolgs zeigt sich an jedem Wochenende rund um die Konstablerwache. „Die Leute vergessen die guten Sitten. Die Situation auf den Plätzen ist aus dem Ruder gelaufen“, sagt Stefan Röttele. „Unserer Beobachtung zufolge hat eine funktionierende Außengastronomie eine disziplinierende Wirkung auf die Leute. Man fühlt sich beobachtet, wenn man Dreck wegwirft.“ Allerdings sei in diesem Jahr das Wetter bislang nicht das Sommerwetter für Außengastronomie gewesen. „Gut ist auch, wenn es wieder Veranstaltungen gibt und die Leute dort hingehen“, sagt Röttele und hofft, dass sich die Situation bald entspannt: „Dann gibt es an anderen Stellen weniger Abfall.“

Die Reinigung durch die FES erfordert Sonderschichten. Kontrollgänge zuletzt abends um 19 Uhr kosten Geld. Das Umweltamt habe eine Million Euro mehr investiert, alleine 2020, berichtet Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“.

In diesem Jahr werde die gleiche Summe erforderlich sein, mindestens. „Die Müllmengen im Innenstadtbereich haben sich seit Corona um ein Vielfaches gesteigert. Es macht wirklich fassungslos, was wir da zu sehen bekommen“, sagt sie. „Wir reagieren darauf mit mehr Straßenreinigung, mit häufigeren Leerungen der Papierkörbe, wir haben zusätzliche Präsenzreinigungen – auch an den Wochenenden und in den Abendstunden.“ Leider scheint es nicht auszureichen für eine nachhaltige Verbesserung.

Im vergangenen Jahr gab es wilde Partys und Randale auf dem Opernplatz. Bislang hat sich dies nicht wiederholt, vielleicht auch wetterbedingt. Besser geworden ist die Abfallsituation in der Innenstadt deshalb jedoch nicht. Claudia Gabriel beschreibt: „Wir reinigen dreckige Ecken, entfernen menschliche Fäkalien und reinigen Pinkelecken mit Wasserwageneinsatz; auch an der Konstablerwache kämpfen wir mit dieser Gemengelage, schlimm ist auch der Verpackungsmüll“, berichtet sie.

Mit größeren oder noch mehr Müllkörben darauf zu reagieren, sei jedoch nur eine Teillösung. „Sie müssen ja auch genutzt werden und das fällt offenbar vielen Menschen schwer.“

Ein wenig Erleichterung könnte das EU-weite Verbot von Plastikbesteck etc. bringen. „Noch ist ein Abverkauf bereits in Verkehr gebrachter Produkte möglich. Aber ab nächstem Jahr müssen Anbieter von Außer-Haus-Verkauf auch Mehrwegverpackungen anbieten. Das wird hoffentlich den Müll im öffentlichen Raum verringern“, sagt Gabriel.

McDonalds hat dem Sprecher zufolge schon vor einem Jahr begonnen, Plastik auszusortieren. Papiertrinkhalme werden nur noch auf Wunsch der Gäste ausgegeben, der Plastikdeckel auf den Papierbechern wird ebenfalls Ausnahme.

Bislang haben all diese Maßnahmen jedoch noch nicht ausgereicht, um an der Konstablerwache eine Entlastung zu verzeichnen.

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