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Ein Himmel ohne Flugzeuge: Ursula Fechter, Leiterin der Stabsstelle Fluglärmschutz, und Wolfgang Heubner von der BI Sachsenhausen genießen die letzten ruhigen Tage im Garten. Faust
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Ein Himmel ohne Flugzeuge: Ursula Fechter, Leiterin der Stabsstelle Fluglärmschutz, und Wolfgang Heubner von der BI Sachsenhausen genießen die letzten ruhigen Tage im Garten. Faust

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Die letzten stillen Tage

Mit der Wiedereröffnung der Nordwestlandebahn kehrt am Sachsenhäuser Berg der Lärm zurück

Das Gartenidyll bei den Heubners im Anton-Burger-Weg sucht seinesgleichen. Die beiden Hauskatzen huschen übers Gras, üppige Blumen blühen – wenn nur die dunklen Wolken nicht wären, die einen Regenschauer nach dem anderem herablassen.

Aber nicht die dunklen Wolken bedrohen das Idyll, viel schlimmeres Unheil droht ab kommender Woche. Dann, befürchten die Heubners und ihre Nachbarn, werden wieder Flugzeuge direkt über Haus und Garten hinwegrasen, im Landeanflug auf die Nordwestlandebahn des Flughafens. Denn diese geht am kommenden Dienstag, 1. Juni, wieder in Betrieb.

Wolfgang Heubner ist Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenhausen, die seit Jahren gegen Fluglärm und schädliche Emissionen aus Triebwerken kämpft. Heubner und seine Frau haben an diesem Nachmittag Besuch aus der Nachbarschaft. Ursula Fechter, die Leiterin der Stabsstelle Fluglärmschutz der Stadt Frankfurt, ist zum Kaffee gekommen, um einen letzten Blick in den flugzeugfreien Himmel zu werfen. „Mit der ruhigen Zeit ist es jetzt vorbei“, bedauert sie.

„Nimmt man die verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Gesundheit und Gesellschaft weg, kann man sagen: Zurzeit geht es uns hier hervorragend“, sagt Wolfgang Heubner. „Wir schlafen viel besser als früher.“ Das bestätigt Ursula Fechter: „Das morgendliche Aus-dem-Bett-fallen gibt es nicht mehr, das ist sehr angenehm.“ Die Anwohner:innen hätten sich an diesen „Idealzustand“ schon längst gewöhnt – so sehr, dass manch einer den Gedanken an wieder ansteigenden Lärm am liebsten verdränge.

Sechs Monate am Stück war die Nordwestlandebahn geschlossen, weil sie wegen geringen Flugaufkommens nicht benötigt wurde. Schon im ersten Lockdown war die Betonpiste Ende März bis Anfang Juli dicht und wurde als Flugzeugabstellplatz genutzt. Im Sommer und Herbst steuerten Flugzeuge die Landebahn wieder an, ab dem 14. Dezember 2020 war sie erneut gesperrt.

Und jetzt, am Dienstag, öffnen Nordwestlandebahn und Terminal 2 gleichzeitig. Das Datum ist in den Augen der Bürgerinitiative kein Zufall: Am 1. Juni ist auch die Aktionärsversammlung der Fraport. „Die Wiedereröffnung soll Aufbruchstimmung schüren und signalisieren, dass bald wieder Normalität einkehrt“, vermuten Heubner und Fechter.

„Denn die Misere für Fraport ist groß“, sagt Heubner, „und die Fluggastzahlen werden auch in den nächsten Monaten weiter auf niedrigem Niveau stagnieren.“ Deshalb sei die Öffnung von Landebahn und Terminal 2 purer Aktionismus und gemessen an den zu erwartenden Flugbewegungen nicht notwendig.

Fraport indes erhoffe einen baldigen Wiederanstieg des Flugverkehrs und berufe sich auf Wachstumsprognosen aus einem geheimen Gutachten der Consultingfirma Intraplan, das die Wiedereröffnung der Landebahn empfiehlt. Intraplan sei allerdings dafür bekannt, falsche, überbordende Zahlen zu präsentieren. „Bislang erwiesen sich sämtliche Gutachten von Intraplan im Nachhinein als unbrauchbar“, erläutert Fechter.

Klar sei: Der Frankfurter Flughafen sei überdimensioniert und schere sich nicht um Klimafragen. Die Billigairlines hätten die Fluggastzahlen in die Höhe getrieben, seien Klimakiller und sollten genauso wie die unnötigen Kurzstreckenflüge – Bahnfahren sei günstiger und umweltfreundlicher – abgeschafft werden. Zu befürchten sei aber das Gegenteil: „Die Billigflieger werden noch niedrigere Dumpingpreise anbieten, um den Flugverkehr wieder anzukurbeln“, so Heubner.

Wenn die Landebahn wieder in Betrieb genommen werde, befürchtet Heubner, werde es vor allem frühmorgens sehr laut. Das Nachtflugverbot gilt von 23 Uhr bis 5 Uhr morgens, erfahrungsgemäß sei danach am meisten Betrieb. „Den größten Teil machen die lauten Frachtflüge aus, die während der Pandemie ohnehin mehr geworden sind.“ Die Landebahn solle nur als Überlaufbahn genutzt werden, fordert das Bündnis der Bürgerinitiativen.

Aus Protest laden die Frankfurter Bürgerinitiativen für Sonntag, 30. Mai, um 14 Uhr zu einem symbolischen Spaziergang zur Aussichtsplattform an der Nordwestlandebahn ein. Geparkt werden kann auf einem Parkplatz in der Okrifteler Straße, nahe der Feuerwache. Es gilt Abstands- und Maskenpflicht.

Aufbruchsstimmung solle geschürt werden

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