1. Startseite
  2. Frankfurt

Die Krankenschwester: „Was? So schlimm ist es?“

Erstellt:

Kommentare

Krankenschwester Eva-Maria Hofmann.
Krankenschwester Eva-Maria Hofmann. © Michelle Spillner

Die Corona-Pandemie bedeutete für Krankenschwester Eva-Maria Hofmann: Mehr Intensivpatienten, ständig wechselnde Arbeitspläne- und OP-Pläne.

Seit 20 Jahren ist Eva-Maria Hofmannm, Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin, im Beruf, „aber dieser Krankheitsverlauf, die extrem schnelle Verschlechterung, dass Patienten innerhalb von 24, 48 Stunden intubationspflichtig werden, das hat selbst uns überrascht“. Und die 42-Jährige hat schon vieles gesehen und erlebt. Aufgrund ihrer Erfahrung kam sie bei den ersten Informationen über Corona zu einer schnellen Einschätzung: „Ich habe direkt in unsere Familien-Whatsapp-Gruppe geschrieben, dass sich alle Medikamente gegen grippalen Infekt besorgen sollen, weil ich mir dachte, dass es knapp werden könnte.“ Bei der Familie stieß sie auf eine gewisse Ungläubigkeit: „Was? So schlimm ist es?“

Im Krankenhaus wurden Isolationszimmer eingerichtet. Der erste Covid-Patient im Krankenhaus Sachsenhausen kam Ende März direkt vom Frankfurter Flughafen an. Eva-Maria Hofmann erinnert sich auch an einen etwa 40-Jährigen, dessen Zustand sich binnen Stunden so sehr verschlechterte, dass er in die Uniklinik verlegt werden musste. „Zwei Wochen später starb er, ganz allein. Seine Angehörigen durften nicht zu ihm.“ Das belaste sie sehr.

Und dann fehlten auch noch die Gespräche mit den Kolleg:innen aus dem Team, abends bei einem Getränk, in denen man sich Trost spenden und Schlimmes verarbeiten kann.

Als der erste Lockdown beendet wurde, hatte sie Zweifel ob der Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung: „Wir waren doch ohnehin schon überlastet.“ Mehr Intensivpatient:innen, ständig wechselten Arbeits- und OP-Pläne. Ein Höchstmaß an Flexibilität wurde erwartet. Dann kam der zweite Lockdown, „und es wurde wenigstens ein bisschen ruhiger“. Ein Lächeln, wenn die Geschäftsleitung Obst oder Schokolade geschickt habe, „da geht es nicht nur ums Geld, es geht um die Wertschätzung“, sagt Hofmann.

Immerhin seien die Pflegeberufe nun ein wenig mehr in die Wahrnehmung gerückt, ist sie froh. Jetzt seien die Verläufe bei Covid-Erkrankten zum Glück nicht mehr so heftig. Die Abschwächung des Virus in der Omikron-Variante berge aber auch das Risiko, dass eine möglicherweise kommende neue Variante, die vielleicht schwerwiegender sei, dann womöglich auf die leichte Schulter genommen werde.

„Ich würde mir wünschen, das Corona irgendwann nur noch so etwas wie eine Influenza ist, das ist der Traum jeder Krankenschwester“, sagt Eva-Maria Hofmann. „Und ich wünsche mir, dass ich endlich wieder die Krankenschwester sein darf, die ich einmal war.“

Auch interessant

Kommentare