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Die Klimakrise als ungebetener Gast der Frankfurter Grünen

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Von: Thomas Stillbauer

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Ein schöner Ort übrigens, der Garten der Alten Seilerei in Oberrad, wo die Grünen feiern.
Ein schöner Ort übrigens, der Garten der Alten Seilerei in Oberrad, wo die Grünen feiern. © ROLF OESER

Bei der Grünen-Mitgliederversammlung inklusive Sommerfest geht es diesmal draußen deutlich heißer her als drinnen.

In Frankfurt gibt es 70 Rechenzentren. Eins davon ist wassergekühlt. Welches? Man kann was lernen bei den Frankfurter Grünen, besonders beim Quiz der Arbeitsgruppen zum Grünen-Sommerfest am Samstag in Oberrad.

Man kann aber auch lernen, wie sich eine Kreismitgliederversammlung zieht. In der Alten Seilerei gilt es, zehn Bundesdelegierte zu wählen. Und zehn Ersatzdelegierte. Das kann dauern, vor allem, wenn man darauf wartet, dass draußen das Sommerfest beginnt, damit man alle ausquetschen kann, wer von den Grünen neue Oberbürgermeisterin werden will.

Papageien im Saal?

Um 16 Uhr wird drinnen immer noch gewählt. Das ist teilweise ganz interessant, weil sich offenbar zahlreiche Vögel ins luftige Plenum gemischt haben und das Geschehen aktiv kommentieren. Darunter zwei Graupapageien, gibt die Versammlungsleitung launig bekannt. Was die Vogelart angeht, gibt es Zweifel im Saal. Einigkeit herrscht darüber, dass sie nicht abstimmen und auch nicht Oberbürgermeisterinnen werden dürfen. Da könnte ja jeder Vogel kommen.

Draußen haben zwei Kreisverbandsmitglieder, während die Tagung noch läuft, schon ihren Posten am Stand der AG „Planen, Bauen, Wohnen“ bezogen. Wobei es weniger ein Stand als vielmehr ein Sitz ist. Heiß draußen. AG-Mitglied Carola Scholz informiert freundlich über die Lage im nachhaltigen Gewerbegebiet Fechenheim, wo dank einiger Anstrengungen Bewusstsein und Vernetzung entstünden. „Es muss aber noch viel mehr passieren“, sagt Carola Scholz, nicht nur dort: „Wir müssen das Planen und Bauen komplett umkrempeln“, Stichwort: vom Grün her denken.

Klingt plausibel. Aber wenn wir schon so vertraut zusammensitzen: Wer wird für die Grünen bei der OB-Wahl antreten? Soziologin Scholz lacht, das sei noch nicht raus. Erst mal gelte es, den amtierenden OB loszuwerden.

Darum geht es auch im Saal, wie versprochen. „Außerdem werden wir über den aktuellen Stand des Oberbürgermeisters und das Vorgehen hin zu einem/einer grünen OB-Kandidat/in sprechen“, hieß es in der Einladung. Neues kommt aber nicht heraus. Der Fahrplan sieht weiter eine Abwahl Peter Feldmanns im November vor. Ob da genug Stimmen zusammenkommen, wird auch beim Sommerfest bang beurteilt. Selbst die Graupapageien wollen sich nicht festlegen.

Apropos: Um den Tierschutz stehe es nicht gut in Frankfurt, sagt Manuel Denkwitz in einem Redebeitrag und fordert die Partei auf, einen Themenabend dazu zu gestalten. Antrag einstimmig angenommen von Menschen und Papageien. Der letzte Redebeitrag gehört Petra Carmen. Sie hat sich darüber geärgert, dass die grüne Kulturstaatsministerin Claudia Roth nicht von Anfang an eine eindeutige Haltung gegen antisemitische Kunst auf der Kasseler Documenta eingenommen habe. „Faschismus und Antisemitismus klopfen wieder an die Tür“, warnt Carmen eindringlich. Sie fordert eine Arbeitsgruppe, die das Thema aufarbeitet. „Wir müssen kämpfen – salonfähiger Antisemitismus ist ein ganz, ganz großes Problem.“ Allgemeine Zustimmung. Und endlich auf zu den kalten Getränken und selbst mitgebrachten Speisen, Sparsamkeit ist das Gebot der Stunde. Es gibt Kinderspiele, eine Säulen-Umfrage mit bunten Bällen zum Einwerfen (von „Ich bin kürzer als ein Jahr bei den Grünen“ bis „… länger als zehn Jahre …“), es gibt einen Brunnenwasserzerstäuber, es ist trotzdem barbarisch heiß.

Die Klimakrise, ungebetener Gast, schämt sich nicht einmal, bei den Grünen aufzutauchen. Die Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner sagt, als sie den Versammlungssaal verlässt, es seien überhaupt keine Graupapageien drinnen, das sei ein Scherz gewesen. Aber bei der Gelegenheit: Wer wird eigentlich grüne OB-Kandidatin? Hilime Arslaner lacht. Das werde man dann sehen, sagt sie.

Ach so, das wassergekühlte Rechenzentrum. Wir tippen mal auf Cloud & Heat.

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