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Die Gründerväter der Frankfurter Eintracht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

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Die Gründerelf der Victoria, Vorläufer von Eintracht Frankfurt.
Die Gründerelf der Victoria, Vorläufer von Eintracht Frankfurt. © Archiv Eintracht Frankfurt

Ein kleines, feines Büchlein trägt Fakten zusammen und ruft nach mehr Informationen – denn die Nachfahren der Gründer sind verschollen.

Am 8. März war der Geburtstag der Eintracht. Spät dran, zugegeben. Aber am Donnerstag ist Europapokal, bis dahin müssen Fans Zeit überbrücken, da passt dieses frische Büchlein dazwischen. Es heißt: „Wer war am 8. März 1899 im Friedrichshof?“

Was da war, wissen wir. Die Gründungsversammlung. Nicht direkt der Eintracht, sondern die Gründung der Victoria. Die wurde später zur Eintracht. Aber wer waren die Leute, die da in der Gaststätte „Zum Friedrichshof“ tagten, dem Hauptbahnhof gegenüber? Ein Team des Eintracht-Museums hat recherchiert und „eine eintrachtinterne Folge ‚Aktenzeichen XY ungelöst‘“ gestartet.

Beschrieben ist etwa, wie es in der Hauptversammlung des Fußballvereins Germania 1894 zu Differenzen kommt und fünf Mitglieder „im gerechten Zorn“ den Saal verlassen. So geht die Geschichte weiter, die Michael Pickel 1924 niederschrieb: „Darauf zogen diese Mannen in die Wirtschaft des Vaters von Emil Müller, Hohenzollernstraße 14, wo sie sich, ermutigt durch einige Stammtischgäste, über die Gründung des neuen Vereins unter dem Namen Frankfurter Fußballklub ,Victoria‘ einig wurden.“

Akribisch hat das Museums-team Details gesammelt, allen voran Andreas Eder und Museumschef Matthias Thoma. So legen die Gründer an jenem 8. März rund 1200 Meter (in ihrem gerechten Zorn) vom Vereinslokal der Germania („Café zur Oper“) bis zum Friedrichshof zurück. Unter ihnen ein gewisser Ludwig (oder Louis?) Heil, der entweder 15 oder 17 Jahre alt ist, drei verschiedene Positionen in der Mannschaft spielt und mehrere Funktionen im Vorstand ausfüllt. Dann ist da Albert Pohlenk, der „wohl bis zum heutigen Tag populärste und bestgelittene Frankfurter Fußballer“, jedenfalls laut Ludwig Isenburgers Publikation „Aus der Steinzeit des Frankfurter Fußballs“ von 1929. Pohlenks Urenkel Sebastian ist heute ständiger Gast bei den Spielen der Eintracht, Fanclubmitglied – und der einzige Nachfahre der 15 Gründer, den die Rechercheure in der Stadt finden konnten. Folgerichtig gibt es bei den unterhaltsamen Geschichten über die weiteren Urmitglieder immer wieder Aufrufe: „Wenn Sie jemanden kennen, der diesen Namen trägt, informieren Sie ihn! Vielleicht hat sein Opa die Eintracht gegründet.“ Man erfährt, dass Heinrich Schmidt schon bei der ersten Zusammenkunft der Mannschaft zehn Pfennig Strafgeld blechen muss und dem Ballstifter Friedrich Carl Müller „ein Salamander gerieben“ wird. Ein kleines Krokodil kommt auch drin vor. Zwei Führungen hat das Museum schon zum prima Büchlein gemacht. Und erhofft sich weiteren Aufschluss über die Gründer, je mehr Fans das Werk lesen. Zu haben ist es auch per Mail an: museum@eintrachtfrankfurt.de

Eintracht-Museum:
Eintracht-Museum: © Eintracht-Museum

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