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Die Gebietsreform der 1970er Jahre war in Hessen eine wilde Zeit

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Von: Peter Hanack

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Dass Ortsbeiräte – wie hier in Frankfurt – gewählt werden können, ist auch eine Folge der Gebietsreform vor 50 Jahren. Damals wurde die Zahl der hessischen Städte und Gemeinde stark verringert.
Dass Ortsbeiräte – wie hier in Frankfurt – gewählt werden können, ist auch eine Folge der Gebietsreform vor 50 Jahren. Damals wurde die Zahl der hessischen Städte und Gemeinde stark verringert. © Renate Hoyer

Aus 2642 selbstständigen Gemeinden wurden innerhalb weniger Jahre nur noch 1233. Heute hat Hessen gar nur noch 416 eigenständige Kommunen. Ein eigenes Kapitel ist die Stadt Lahn.

Die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren eine wilde Zeit. In bis dahin nicht gekannter Weise wurden die Grenzen und Zugehörigkeiten von Städten und Dörfern in Hessen durcheinander gewirbelt.

Die Gebietsreform in Hessen verlief in zwei Phasen. Zunächst förderte das Land von 1969 an den freiwilligen Zusammenschluss von Kommunen. Aus 2642 Gemeinden wurden 1233. Die zweite Phase regelte die Neugliederung zwangsweise. Danach gab es in Hessen noch sechs kreisfreie Städte und 416 kreisangehörige Gemeinden in 20 Landkreisen.

Ziele waren eine Vereinfachung der Verwaltung, Personaleinsparungen und eine höhere Effizienz. Die neuen Kommunen sollten leistungsfähiger sein und wirtschaftlicher arbeiten. Anreize waren höhere finanzielle Zuweisungen des Landes.

Die Stadt Lahn war der Versuch, in Mittelhessen durch den zwangsweisen Zusammenschluss von Gießen und Wetzlar eine Großstadt mit etwas mehr als 150 000 Einwohner:innen zu bilden – obwohl beide Städte immerhin 15 Kilometer auseinanderlagen. Das Ansinnen stieß auf massiven Widerstand in der Bevölkerung. Auf vielen Autos klebte der Spruch „Wenn ich Lahn seh, krieg ich Zahnweh“. Das Autokennzeichen „L“, eigentlich im Falle eines Zusammenschlusses der Bundesrepublik Deutschland mit der DDR reserviert, war das vielleicht unbeliebteste aller Zeiten. Bereits 1979 wurde der Zusammenschluss rückgängig gemacht.

Der erste Zusammenschluss von Gemeinden nach der Gebietsreform war die Fusion Oberzent im Odenwaldkreis, die am 1. Januar 2018 aus Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal entstanden ist.

Heute gibt es in Hessen 422 politisch selbstständige Gemeinden: 191 Städte – darunter fünf kreisfreie und sieben kreisangehörige Städte mit Sonderstatus – sowie 231 weitere selbstständige Gemeinden.

Zusammengestellt von Peter Hanack

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