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Hans Konanz lebte in Frankfurt, später in Oberstedten. Er liebte die Sprache, und die Sprache liebte ihn.
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Hans Konanz lebte in Frankfurt, später in Oberstedten. Er liebte die Sprache, und die Sprache liebte ihn.

Nachruf

Die ganze Welt war sein Revier

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Hans Konanz, FR-Lokalredakteur und grenzenloser Menschenfreund, ist 78-jährig gestorben. Er war mit den meisten Staatspräsidenten in Kontakt.

Wer das Glück hatte, mit Hans Konanz zusammenzuarbeiten, der kannte ihn am Fenster stehend in seinem Büro, Zigarette in der einen, Kaffeetasse in der anderen Hand, den Blick auf den Oberurseler Epinayplatz gerichtet und über den Platz hinaus in die Welt, weit in die Welt. Den Blick auf das Kuriose, auf das Gute, oft auch auf das Ungerechte. Und immer ein gutmütiges Lächeln, wenn er sich umdrehte, vom Fenster weg, zurück zum Alltäglichen.

Als er 1992 zur FR kam, lag schon ein respektables Berufsleben hinter ihm. Seit 1967 hatte der in Österreich geborene Sohn eines Polizisten fürs Höchster Kreisblatt gearbeitet und davor schon für Zeitungen in Ulm, Ehingen und Heidenheim. Ein Buch über Bad Soden hatte er auch geschrieben. Bei der FR wollte er noch einmal etwas Neues machen.

Es wurde etwas Wunderbares daraus. Wer sich ein wenig Zeit nimmt, im Archiv nach Beiträgen von hko zu suchen, das war sein Autorenkürzel, der stößt ununterbrochen auf Perlen. Eine Reportage der Reihe „Gestern zwischen 10 und 12“ etwa: Der Mann setzte sich tatsächlich zwei Stunden in „Karins Schönheitsstübchen“ und belauschte, natürlich liebevoll, die Damen: „Es gibt Sekt für die Kundschaft. ,Na, dann wollen wir mal prosten‘, sagt Frau B. unter Haube eins, und Frau V., inzwischen fast fertig gewickelt, stimmt fröhlich zu: ,Ja, das bringt den Kreislauf in Schwung!‘ Von zehn bis gegen elf wird geplaudert, ohne Unterlass. Über das Wetter, ,so feucht, so fies, so nass‘. Über die Schwester von Herrn B.: ,Die geht mehr nach ihrer Mutter, die ist ein bisschen kompakter‘. Über die Tochter von Frau S., ,so ein zierliches Püppchen‘. Über die Konditorei Kies: ‚Da kommt ein Biobäcker rein, wissen Sie schon?‘ Und natürlich über Haare.“

Auf der anderen Seite konnte er auch austeilen – etwa gegen den Oberurseler Bürgermeister, der einst den Bau einer Moschee verhinderte, und mit dem er sich später wieder versöhnte. Das Schönste wäre, hier einfach Texte von Hans Konanz für sich sprechen zu lassen, aber dann wäre die Zeitung voll, und es wüsste noch niemand, was es für ein großes Glück war, auch privat mit ihm zu tun zu haben, dem Vater einer Tochter und eines Sohns, dem Opa zweier Enkelkinder. Dem vergnügten Fan stundenlanger nächtlicher Snooker-Billard-Übertragungen im Fernsehen.

Mit 58 sagte er der Arbeit ade und erfüllte sich den Kindheitstraum: eine Reise quer durch Afrika, ein Jahr lang, von Ost nach West, von Sansibar bis Senegal. Die Ferne war seine Leidenschaft – und das Sammeln. Es begann einst mit Bildern aus Rama-Margarinepackungen, die der Bub ins Länderalbum klebte, und es entwickelte sich später zu etwas sehr Persönlichem: Es ging um Unterschriften, aber nicht von irgendwem. Es ging um Autographen von Staatspräsidenten, denen er mitunter hinterherreiste in gefährliche Weltgegenden, denen er Briefe schrieb, und mit denen er im regen Austausch stand.

Als er erfuhr, dass eine Kollegin nach Moskau reiste, musste sie in seinem Auftrag einen Brief bei Michail Gorbatschow einwerfen. Zu Zeiten brachte der Postbote mehrmals pro Woche neue Fotos mit persönlichen Widmungen der Mächtigen von einst und jetzt, und Hans Konanz erzählte glücklich von der Beute, während er die layouteten Zeitungsseiten in der Mitte auseinanderschnitt, um sie zum Druck nach Frankfurt ins Rundschau-Haus zu faxen.

Es gäbe noch so viel zu erzählen über den Meister der Wörter, herzlichen Freund, der schließlich zurückkehrte ins Elternhaus in Schwaben. In den Garten, den er gemeinsam mit seiner Ehefrau Petra Mies zum Paradies machte, von Spaziergängern bewundert, mit den Katzen, die sein Leben begleiteten, mit den Marienkäfern, die er im Warmen überwintern ließ, um sie im Frühjahr persönlich und feierlich ins Freie zu tragen.

Am vergangenen Wochenende ist Hans Konanz nach langer, mit Würde und Trotz weit über die veranschlagte Zeit hinaus befehdeter Krankheit 78-jährig gestorben. Die Weltkarte, die er stets im Blick hatte, trug Nadeln und Wimpel in all den Ländern, die er bereist hat. „Die hundert habe ich nicht mehr geschafft“, sagte er. Aber fast. Seine Frau brachte am 9. Dezember den letzten Umschlag mit einem Autographen, es war handgeschriebene Post des estnischen Präsidenten Alar Karis. Die nächste Post wird Götterbote Hermes auf einer Wolke zustellen, der Schutzgott der Reisenden, mit Grüßen aus aller Welt: bon voyage.

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