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Lotta und Lucas Herzog in einem ruhigen Moment vor dem kleinen Pool im Garten. Ein bisschen wie in Hollywood.
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Lotta und Lucas Herzog in einem ruhigen Moment vor dem kleinen Pool im Garten. Ein bisschen wie in Hollywood.

PORTRÄT DER WOCHE

Die Frankfurter Geschwister Lotta (9) und Lucas Herzog (10) drehen düstere Serien an der Seite von Schauspielgrößen

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Die Frankfurter Grundschülerin Lotta Herzog ist ab diesem Donnerstag in der Thriller-Serie „Blackout“ neben Moritz Bleibtreu, Jessica Schwarz und Heiner Lauterbach zu sehen. Ihr Bruder Lucas, der 13 Monate älter ist, steht derweil für einen Lena-Odenthal-Tatort mit Ulrike Folkerts im Schwarzwald vor der Kamera.

„Ich will eine Leiche spielen. Das ist einfach cool“, sagt die neunjährige Lotta Herzog, während sie am Küchen-Tresen steht und fröhlich von ihrem Handgelenk eine Naschgummi-Schnurr knabbert. Lotta hat eine Stupsnase, wellige Haare sowie große Augen. Die Viertklässlerin tanzt Ballett, reitet und spielt Cello. Sie wäre die perfekte Besetzung für eine Disney-Familienserie. Ab diesem Donnerstag (14. Oktober) ist die Frankfurterin, die in einem dörflichen Stadtteil in einem Reihenhaus lebt, aber in einer ganz anderen Rolle zu sehen.

Sie spielt in der Thriller-Serie „Blackout“, die auf dem Bestsellerbuch von Marc Elsberg basiert, neben Moritz Bleibtreu, Jessica Schwarz und Heiner Lauterbach. Die Serie läuft zunächst auf dem Streamingdienst Joyn Plus+. 2022 soll sie auf Sat1 ausgestrahlt werden. In „Blackout“ geht es darum, wie in ganz Europa der Strom wochenlang ausfällt. Lotta bleibt in der ersten Folge allein mit ihrer Filmschwester im dunklen Zug zurück, und ein fremder, unheimlicher Mann nimmt sie mit. Der Dreh selbst sei aber gar nicht unheimlich, sondern eher lustig gewesen. „Das war auch kein echter Zug, nur so ein halber. Und ich saß im Studio vor einer grünen Wand hinter einer Fensterscheibe. Die erwachsenen Schauspieler waren alle sehr nett“, erzählt Lotta.

Seit eineinhalb Jahren steht Lotta vor der Kamera: Sie war zunächst als Double in Rolf Silbers Film „Die Weihnachtstöchter“ im Einsatz, drehte Werbespots wie für Ebay und sie war die erste, in der Familie, die eine Serienrolle hatte. Bis jetzt. Denn ihr Bruder Lucas, der 13 Monate älter ist als sie, hat gerade sein „Leichentraining“ hinter sich, erzählt er stolz. Der Zehnjährige dreht momentan für den Lena-Odenthal-Tatort mit Ulrike Folkerts im Schwarzwald. Er spielt Marlon in der Folge „Und raus bist du“. Ein Junge, der nirgendswo reinpasst, ähnlich wie beim Film „Systemsprenger“: Familie, Schule und Sozialarbeiter:innen sind mit seinem auffälligen Verhalten überfordert. Die Kommissarinnen müssen seinen Tod aufklären. In der Obduktionsszene steht Ulrike Folkerts über ihm.

Eine Leiche zu spielen, sei gar nicht so einfach. „Ich soll nicht zu aufgeregt sein, flach atmen, der Bauch darf sich nicht bewegen. Die Augen dürfen nicht flimmern“, erzählt Lucas. Auch ein Kampfchoreographie-Training hat der Fünftklässler, der ein Gymnasium besucht, bekommen. „Lucas hat dieses Ding, dass er auf Knopfdruck weinen kann. Er hatte schon mehrere Castings für jemanden, der komplett ausrastet“, erzählt Daniela Herzog. Die Mutter von Lotta und Lucas. Zwischendrin spielen die Geschwister mit den Familienhunden Bohdi und Pommes und posieren fürs Zeitungsfoto am kleinen Pool im Garten.

Konkurrenz zwischen den Geschwistern gäbe es nicht. „Lotta hat sich für ihren Bruder sehr gefreut, als er die ‚Tatort‘-Rolle bekommen hat“, sagt Herzog. Sie hat Lucas seine hellblonden Haare braun getönt, weil dies die Rolle verlangt. Früher war sie gelegentlich als Stylistin an Filmsets tätig. Nun hat Herzog ihr Referendariat als Lehrerin pausiert, weil sie es ist, die die Kinder eben meist zu Drehs und Castings begleitet. Auch der Vater begleite die Kinder, aber sei weniger flexibel als Grafikdesigner.

Wie jedoch sind die beiden Kinder überhaupt vor der Kamera gelandet? Lucas habe als erster mit dem Schauspielunterricht mit vier Jahren begonnen. „Nicht weil er Schauspieler werden wollte, sondern weil er so einen Bewegungsdrang hatte. Er hat immer gesungen, getanzt und ist rumgehopst. Ich dachte, da kann er sich ausleben“, erzählt Herzog. Der Unterricht bei „Stage Coach“ sei ganz spielerisch mit Gesangs-, Tanz- und Schauspielstunden. „Lucas fand es gleich super auf der Bühne.“

Lotta fängt auch im Kindergartenalter an. Aber aus einem ganz anderem Grund. Sie war extrem schüchtern. „Ich habe meine Zähne nicht auseinander bekommen“, sagt Lotta. „Meine erste Rolle war ein Stuhl.“ Sie lacht, und Lucas, der Horn und Fußball spielt, sagt: „Ich war ein Tisch.“ Er fasst seine bisherige Karriere so zusammen: „Mein Lebenslauf: Vom Tisch zur Leiche.“ Die Mutter betont, sie habe da gemerkt, dass das Spielen den Kindern Spaß mache. Die Idee sie bei einer Kinderschauspiel-Agentur anzumelden, kam aber von der Oma. „Meine Mutter schaut so Serien wie Rote Rosen. Sie sagte: ‚Da sind immer Kinder und unsere sind auch süß. Und was die Kinder im Fernsehen können, können sie doch auch.‘“ Daniela Herzog war da erstmal kritisch. „Wie sollen denn Kinder aus Frankfurt da überhaupt stattfinden?“ Dann habe sie angefangen zu googeln, was es für Agenturen gibt. Ein Jahr hätten die Kinder bei einer Nebendarsteller-Agentur in Frankfurt als Karteileiche gelegen. Bis sie zu einer Berliner Agentur wechselten. „Dort haben sie Dreherfahrung bei Studentenfilmen gesammelt.“ Mittlerweile sind sie bei einer Berliner Kinderschauspiel-Agentur, seitdem würden sie viele Casting-Angebote für Filme und Serien bekommen. Lotta hat fürs ZDF einen Erzgebirgskrimi abgedreht.

Und wie geht das mit der Schule?„Sie sind beide sehr gute Schüler. Die Schule fällt ihnen noch leicht“, sagt Herzog. Und Kinder dürfen auch nur 30 Tage im Jahr drehen. Vor dem Dreh, müssten nicht nur die Eltern die Einverständniserklärung unterzeichnen. Auch das Jugendamt, der Kinderarzt und die Schule müssen zustimmen. Bei größeren Produktionen sei ein Kinder-Coach vor Ort, der sie auf beispielsweise Entführungsszenen vorbereite.

Erwarten die Eltern nun eine Hollywood-Karriere? „Um Gottes Willen, nein. Es wäre total okay, wenn sie was ganz anderes machen“, sagt Herzog. Lucas sagt: „Ich würde gerne in einem ‚Marvel‘-Film mitspielen.“ In welchem der Superhelden-Streifen, da ist er offen. Lotta bekommt nach dem Interview zwei Zusagen: Sie spielt im Bremer Tatort, die junge Jasna Fritzi Bauer. Und für den ZDF-Krimi „Unter anderen Umständen – Dämonen“ darf sie endlich eine Leiche spielen.

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