Thorsten Lieb bleibt Vorsitzender des Frankfurter Kreisverbands der FDP.
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Thorsten Lieb bleibt Vorsitzender des Frankfurter Kreisverbands der FDP.

Kommunalpolitik

Die Frankfurter FDP stellt sich neu auf

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Monatelang hatte es im Vorstand Querelen gegeben. Nun werden die stellvertretenden Vorsitzenden ausgetauscht. Beim Parteitag tritt auch ein alter Bekannter auf.

Thorsten Lieb sieht müde aus, als er beim Parteitag der Frankfurter FDP ans Rednerpult tritt. Er ist es auch. Die vielen Querelen in den vergangenen Monaten hätten ihn erschöpft, sagt er freimütig. Und dann setzt der Vorsitzende des Kreisverbands der Frankfurter Freidemokraten zu einer besonderen Rede an.

Nein, einen gewöhnlichen Rechenschaftsbericht könne er nicht ablegen, sagt Lieb. Einfach nur dem Rest des Vorstands zu danken und über politische Erfolge zu reden, das sei ihm diesmal nicht möglich. Dafür habe es in den vergangenen Monaten zu große Zerwürfnisse in der Führungsetage der FDP gegeben. Und dann berichtet Lieb von Streit, Neid, Missgunst und schier endlosen Diskussionen. Doch konkret wird er nicht. Allerdings wird klar, dass die Probleme nicht die politische Linie der FDP betreffen, sondern eher mit persönlichen Animositäten zusammenhängen.

Lieb nennt an diesem Samstag in der Stadthalle Zeilsheim auch keine Namen, aber es wird schnell deutlich, gegen wen sich sein Ärger richtet: gegen die stellvertretenden Vorsitzenden Maria-Christina Nimmerfroh, Ortsbeirätin in Bockenheim, und Katharina Schreiner. Die 33-Jährige trat 2017 für die FDP bei der Bundestagswahl an und galt seinerzeit als die große Hoffnungsträgerin der Partei.

Nimmerfroh hält ihre Rede wenige Minuten, nachdem Lieb seine Ansprache beendet hat. Doch wer damit gerechnet hat, dass nun richtig schmutzige Wäsche gewaschen wird, der wird enttäuscht. „Ich möchte über Politik sprechen“, sagt Nimmerfroh und schießt sich auf CDU und SPD ein. Ihrer eigenen Partei bescheinigt sie ein „Imageproblem“. Auf den Streit im Vorstand geht sie hingegen nicht ein.

Nach rund acht Stunden Parteitag darf sich Lieb als Sieger fühlen. Zum einen wird er – ohne Gegenkandidaten – als Vorsitzender bestätigt. Die 79 Prozent, mit denen er gewählt wird, sind zwar nicht berauschend, schließlich bekam er bei den Vorstandswahlen 2016 und 2018 jeweils mehr Stimmen. Über seine Stellvertreterinnen und Stellvertreter dürfte er sich um so mehr freuen. Nimmerfroh tritt erst gar nicht mehr an. Schreiner unterliegt in einer Kampfabstimmung gegen die Stadtverordnete Stephanie Wüst. Den Vorstand komplettieren die Fraktionschefin im Römer, Annette Rinn, Sebastian Papke und Schatzmeister Frank Maiwald. Sie alle sind dafür bekannt, sich gut mit Lieb zu verstehen. Zu Direktkandidaten für den Bundestag wählen die etwa 130 Mitglieder Lieb (Wahlkreis 182) und Maiwald (Wahlkreis 183).

Auch über Politik wird gesprochen. Der Stadtverordnete Uwe Schulz bescheinigt so gut wie jedem Dezernenten der Römer-Koalition Überforderung, und Rinn betont, das Bündnis und Oberbürgermeister Peter Feldmann seien nicht erst seit kurzem zerstritten. Auch Volker Stein, der 2018 spektakulär bei der OB-Wahl gescheitert war, tritt wieder ans Mikrofon. Die FDP möge doch nicht so sehr mit der Radfahrerlobby kuscheln, die sei eh bei den Grünen beheimatet, sagt der Haudegen, um den es zuletzt ruhig geworden war. Die klassische Klientel für die FDP seien nun mal die Autofahrer. Viele begeisterte Radfahrerinnen und Radfahrer im Saal finden diesen Beitrag dämlich. Aber das hat Stein noch nie gestört.

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