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Die Erzieherin: „Wir wussten freitags nicht, wie es am Montag weitergeht“

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Erzieherin Anne Ziegler.
Erzieherin Anne Ziegler. © Michelle Spillner

Erzieherin Anne Ziegler beklagt, dass vom pädagogischen Konzept während Corona nichts übriggeblieben ist. Viele fragten sich auch: „Warum kann ich nicht zu Hause bleiben?“

Unbeschwert hinauslaufen auf die Außenfläche, das ist für die 104 Kinder in Kita und Hort von Eddy’s Burg im Stadtteil Frankfurter Berg nicht mehr möglich. Anne Ziegler, stellvertretende Leiterin der Kita der BVZ GmbH, freier Träger von 150 Kitas in Frankfurt, verweist auf die Absperrketten, die den Spielplatz zerteilen. Für jede Gruppe gab es von April/Mai 2020 an einen eigenen Bereich. „Die Kinder haben sich daran gewöhnt“, sagt Ziegler – fast zu gut: Selbst wenn die Ketten fallen, bleiben manche an der unsichtbare Grenzen stehen und fragen, ob sie darüber gehen dürfen.“ Das schmerzt Ziegler. Dass die Kinder nur in festen Gruppen betreut werden dürfen, musste auch im Außenbereich umgesetzt werden.

Während der Pandemie bleibt von dem 36-seitigen pädagogischen Konzept nicht mehr viel übrig. Seien es die Bezugspersonen, die Selbstständigkeit und das Miteinander beim Mittagessen, die Projektarbeit, Ausflüge… Vielen sei das Ausmaß der Defizite nicht bewusst, die die Kinder erlitten, auch nicht, dass Eddy’s Burg während der Pandemie nie wirklich geschlossen war: Die Notbetreuung für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen musste ja laufen. „Wir wussten freitags nicht, wie es am Montag weitergeht“, weil die Politik kurzfristig entschied.

Homeoffice, um andere und vor allem auch sich selbst zu schützen, gibt es für Erzieher:innen quasi nicht: „Es wurde erwartet, dass wir einfach weitermachen. Es gab Angst: Da kommt eine unbekannte Krankheit. Warum kann ich nicht zu Hause bleiben?“, schildert Ziegler. Den Hortkindern haben sie Bastelangebote per E-Mail geschickt. Fotoaufnahmen von den Bastelarbeiten gingen hin und her. Elterngespräche fanden über den Zaun hinweg statt. Am eingerichteten Sorgentelefon lagen bisweilen die Nerven blank. Päckchen haben sie gepackt und als kleinen Lichtblick zu den Familien gefahren. Teamsitzungen fanden via Onlinekonferenzen statt, „obwohl die Gesprächsteilnehmer:innen teils in nebeneinander liegenden Räumen saßen“. Ein Übergabebuch wurde etabliert, um der „nächsten Schicht“ mitteilen zu können, was man sonst schnell erzählt hätte. Immer, wenn die Hygieneauflagen wieder verschärft worden seien, seien die Kinder traurig gewesen – damit musste man umgehen. Planungsunsicherheit, Bürokratie oder auch, dass es eine Teststrategie für die Schulen gibt, aber nicht für die Kitas. „Es ist ja nicht so, dass die Kinder das Virus erst ab dem schulfähigen Alter weitergeben.“ Als Erzieher oder Erzieherin habe man sich von der Politik und von den Ämtern im Stich gelassen gefühlt. Corona-Bonus von Bund oder Land? Pustekuchen! Im Gegenteil: Man habe um Tests kämpfen müssen. Manche erwägten, den Beruf an den Nagel zu hängen. Es sei der Idealismus, der sie dranbleiben lasse. Darauf ruhe sich die Politik aus.

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