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Erika „Ricky“ Wild steht seit 50 Jahren hinter der Theke ihrer Lesbenbar „La Gata“ in Sachsenhausen.
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Erika „Ricky“ Wild steht seit 50 Jahren hinter der Theke ihrer Lesbenbar „La Gata“ in Sachsenhausen.

Queeres Frankfurt

La Gata: Die einzige Lesbenbar in Frankfurt feiert 50. Geburtstag

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Erika „Ricky“ Wild eröffnete im Jahr 1971 das La Gata in Sachsenhausen. Bis heute steht sie hinter dem Tresen. Am 4. September wird der Geburtstag als Straßenfest zelebriert.

Frankfurt - Bei der Eröffnung sind die Nachbarn skeptisch, als sie das Schild mit zwei Frauen, die eng wie ein Liebespaar zusammensitzen, sehen. Ein Club nur für Frauen, eine Lesbenbar, klingt doch im September 1971 sehr wild für die Seehofstraße 3 in Sachsenhausen. Damals sei dies nicht wie heute eine vielbefahrende Straße gewesen. Sondern hier hätten Bäume gestanden und vorwiegend ältere, konservative Menschen gelebt. „Die Nachbarn dachten, dass die Frauen hinter der geschlossenen Tür zusammen nackisch in einem Becken sitzen“, erzählt Erika Wild, die hier alle Ricky nennen. Die Wirtin lacht los.

Überhaupt, das macht sie gleich klar, werden hier alle geduzt. „Bei mir gibt es kein ‚Sie‘. Egal, wer hier reinkommt, ob die Promis oder die Normalen“. „Die Alice“ (Alice Schwarzer) sei früher regelmäßig mit ihrer Emma-Redaktion hier gewesen. Aber auch „die Steffi“ (Ex-Fußballnationalspielerin Steffi Jones). „Das La Gata ist die weltweit älteste noch existierende Lesbenbar“, sagt Wild. Auf jeden Fall ist es die einzige Lesbenbar in Frankfurt. An diesem Samstag (04.09.2021) feiern sie und ihre „Mädscher“ wie sie sie nennt, nun den 50. Geburtstag der „La Gata“ – das spanische Wort für „die Katze“. Der Name habe einfach gepasst.

Queeres Frankfurt: La Gata in Frankfurt feiert Geburtstag

Als echte Seckbacherin („Ich war eine Hausgeburt“) sehe sie gar nicht ein, etwas anders als Hessisch zu babbeln. Wild steht hinter der Theke und raucht Kette. „Rauchen ist mein einziges Laster“, sagt sie. Der Grund, damit anzufangen war eher außergewöhnlich. „Meine Mutter war Sportlehrerin, und ich gewann als Jugendliche sehr viele Preise in Leichtathletik. Ich sollte auch im Leistungszentrum ausgebildet werden. Olympia war das Ziel. Das wollte ich aber nicht. Also fing ich mit dem Rauchen an.“ Sie lacht. Ihr Alter? „Nachdem ich 50 wurde, habe ich mein Alter vergessen.“

Spätestens nach dreiminütigem Gespräch ist Rickys Herzlichkeit übersprungen. „Ich stelle immer Knabberzeug auf den Tresen für meine Mädscher. Süßigkeiten habe ich auch da.“

An der Decke über dem Tresen hängen Kuscheltiere. „Alles Geschenke von Gästen.“ In der Kneipe gibt es zudem die beliebte Dartscheibe und eine Musikbox. Die war früher mit Schallplatten bestückt, heute sind es CDs – alles von Pop bis Schlager. „Die Mädels dürfen drücken, was sie wollen, ohne Geld reinzuwerfen.“ Sonst habe sich nicht viel verändert. „Das wollen die Gäste auch nicht, denn wenn Frauen reinkommen, die schon lange nicht da waren, sagen sie: ‚Ricky, unser Wohnzimmer wie es war. Wir fühlen uns wohl.“

La Gata in Frankfurt ist Erika Wilds „Kind“

Gegenüber der Bar hängt ein altes Foto von Wild als junger blonder Frau mit ihrer damaligen Freundin Ellen. Ellen habe sie überhaupt erst überredet, eine Lesbenbar zu eröffnen. Denn Wild hatte schon ihr BWL-Studium abgeschlossen und einen gut bezahlten Job. „Aber zu dem Zeitpunkt gab es seit zwei Jahren kein Lokal mehr für Frauen in Frankfurt. Da mussten die Mädels, wenn sie ausgehen wollten, in die Schwulenbars. Aber anders als heute wollten die schwulen Jungs in den 1970ern lieber unter sich bleiben.“

Für Frauen sei es aber extrem wichtig gewesen, einen Ort zu haben, an dem sie andere Frauen kennenlernen konnten. „Hier konnten sie sich Kussis geben, miteinander tanzen, ohne dass jemand blöd guckte.“ Sechs Jahre später eröffnete Wild an der Konstablerwache das „Bravour“. Eine Bar für„schwule Buben. Das war auch toll. Aber beides zusammen war nach ein paar Jahren zu viel“. Wild entschied sich für das La Gata. „Mein Kind“. Aber bis heute dürften dort eben auch „ihre Jungs“ rein. Bis heute kämen neben ihren „Stammis“, auch neue Gäste. „Letzten Samstag kamen viele junge Mädels, die waren alle zum ersten Mal hier.“

Und klar, erzählten ihr die Frauen auch von ihren Problemen, fragten sie um Rat. Sie höre ihnen vor allem zu. „Manchmal kommen Frauen rein, die waren 30 Jahre nicht mehr hier, und ich kann ihnen genau erzählen, was sie damals erzählt haben. Ich höre immer so genau zu, weil es mir nicht egal ist, was sie mir erzählen.“ 70 Prozent der Paare, die ins La Gata kämen, hätten sich dort auch kennengelernt. Angebote als Trauzeugin oder Patentante habe sie aber stets abgelehnt, sagt Wild. „Das mache ich nicht.“

La Gata in Frankfurt: Eltern wussten lange nichts

Sie selbst habe nie einen Hehl daraus gemacht, wer sie sei und wen sie liebe. „Ich habe nie Ärger bekommen, nur weil ich mit Frauen zusammen bin.“ Mit 16 Jahren hatte sie ihre erste Freundin kennengelernt. „Das war eine Friseurin in Seckbach. Als ich mich verliebte, verdiente ich noch kein Geld, also steckte ich ihr statt Trinkgeld kleine Haarspangen zu. Meine Mutti sagte zu meinem Vater: ‚Mit unserem Kind stimmt was nicht. Das will jeden Tag zum Friseur gehen.‘“ Ihre damalige Freundin war 20 Jahre älter, stand kurz vor der Hochzeit mit einem Mann, aber habe ihn für sie verlassen.

Zehn Jahre waren sie ein Paar. Nur ihren Eltern erzählte Ricky lange nichts. Erst als sie die Konzession für die Bar beantragte, kam es raus. Denn: „Mein Vater war der oberste Chef beim Finanzamt und ein Kollege zeigte ihm den Antrag für die Konzession. Mein Vater sagte zu mir: ‚Du musst wissen, was du machst.‘ Meine Mutti hätte gerne Enkelkinder gehabt. Aber beide haben sich schnell damit abgefunden und kamen dann auch zu Besuch in die Kneipe.“ Seit 25 Jahren sei sie nun mit Carolina zusammen. Gemeinsam haben sie einen Papageien namens Jimmy Knopf.

Repro eines Fotos aus den 1970er Jahren, Wirtin Erika „Ricky“ Wild (li.) Und ihre damalige Freundin,die sie überredet hatte, eine Lesbenbar zu eröffnen.

Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt finanziert Benefizveranstaltung für La Gata

Die Tickets für die Geburtstagsfeier am Samstag, die pandemiebedingt auf der Straße vor der Bar stattfinden wird, sind bereits ausverkauft. Es soll nicht nur Livemusik und Reden geben, sondern auch eine Podiumsdiskussion. Thema: „Was ist lesbisches Leben heute?“ Die Benefizveranstaltung für das La Gata hat das Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt geplant und finanziert.

Das Bündnis hatte auch vor Monaten eine Spendenaktion organisiert. „Ohne diese Aktion würde es das La Gata nicht mehr geben. Acht Monate war die Bar wegen Corona geschlossen“, sagt Wild. Sie selbst sei doppelt geimpft und hoffe, dass sie bald auch wieder unter der Woche öffnen könne. „Momentan rentiert sich das nicht, es kommen noch zu wenige Leute. Deshalb ist nur freitags und samstags auf.“

Für Wild ist es ganz wichtig, dass es in der Bar keinen Ärger gibt. Wenn sie merke, dass sich Frauen streiten, rede sie ruhig mit ihnen und sage: „Wenn ihr Krach habt, macht das bitte vor der Tür aus.“ Denn im La Gata gebe es eine goldene Regel: „Es ist lustig, es ist fröhlich und immer eine gute Stimmung.“

Lesen Sie hier, wie die Jubiläumsfeier des La Gata ablief.

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