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„Die Botschaft zur Abwahl darf nicht negativ sein“

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Marcus Maurer, 52, ist Professor für Politische Kommunikation an der Johannes-Gutenberg-Uni in Mainz.
Marcus Maurer, 52, ist Professor für Politische Kommunikation an der Johannes-Gutenberg-Uni in Mainz. © privat

Der Mainzer Kommunikationsprofessor Marcus Maurer über die Kampagne in Frankfurt

Was taugen die Slogans auf den Plakaten zur Abwahl von Peter Feldmann, was müssen die Parteien vermitteln? Marcus Maurer ist Professor für Kommunikation an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und kennt sich mit politischen Kampagnen aus.

In Frankfurt haben wir aktuell eine besondere Situation für die Parteien: Sie müssen einen Wahlkampf führen, in dem es nicht um ihre eigenen Programme geht, sondern darum, einen umstrittenen Oberbürgermeister loszuwerden.

Da haben Sie recht. Das ist eine sehr komische Situation für alle.

Und diese komische Situation muss den Frankfurtern vermittelt werden, damit sie sich am 6. November auch am Bürgerentscheid beteiligen, um über die Zukunft von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) abzustimmen. Wie kann das den Bürger:innen am besten vermittelt werden?

Das Wichtigste ist: Die Botschaft darf nicht negativ sein. Menschen mögen es nicht, wenn Politik sich auf einem niedrigen Niveau verbal bekämpft. Das wirkt abstoßend.

Warum mögen Menschen keine Schmutzkampagnen?

In normalen Wahlkämpfen haben die Menschen meist schon eine Vorstellung davon, wen sie wählen wollen. Wenn dieser Kandidat dann vom politischen Gegner beschimpft wird, fühlt man sich selbst auch angegriffen.

Dann machen Grüne, SPD, FDP, Volt und CDU in Frankfurt ja alles richtig: Sie wollen keine Schmutzkampagne führen. In der vergangenen Woche haben sie ihre Kampagne präsentiert. Auf den Plakaten und Flugblättern steht „Abwahl von OB Feldmann! Neustart für Frankfurt“, „Aus Respekt vor unserer Stadt. Ja! Für Frankfurt“ und „Für ein Kreuz vergessen wir mal alle Farben“. Was halten Sie denn davon?

Ich finde die Kampagne tatsächlich ganz gut. Wobei man zwischen den Plakaten auch unterscheiden muss.

Wie meinen Sie das?

Das bunte Plakat mit dem Slogan „Abwahl von OB Feldmann! Neustart für Frankfurt“ ist gelungen. Da stehen die wichtigsten Informationen drauf. Im Vordergrund steht, dass Frankfurt einen Neuanfang braucht. Es ist immer sinnvoll, das Positive herauszustellen.

Was ist mit dem schwarz-weißen Plakat und dem Slogan „Für ein Kreuz vergessen wir mal alle Farben“?

Ich bin mir nicht sicher, ob jemand, der sich nicht so intensiv mit dem Thema auseinandersetzt, die Botschaft versteht. Das Plakat hätte ich mir geschenkt und hätte mir lieber etwas anderes überlegt.

Halten Sie es denn für einen cleveren Schachzug, dass der OB offensichtlich keine Plakatkampagne startet?

Das ist sogar ziemlich clever. Je mehr Plakate hängen würden, desto mehr würden die Bürger natürlich auf das Thema aufmerksam werden. Zudem nimmt er dem Ganzen auch die Brisanz, wenn er nicht auch noch Plakate aufhängt. Für Grüne, SPD, FDP, Volt und CDU hingegen ist das wirklich ein Problem.

Warum?

Wenn nur die Plakate des Fünfer-Bündnisses an den Gehwegen hängen, wird den Bürgern das Gefühl vermittelt, fast alle Parteien sind sich einig. Damit fehlt aber die klassische Wählermobilisierung, nämlich das „Wir müssen für etwas kämpfen“-Gefühl. Die Wahlbeteiligung ist immer am höchsten, wenn es sehr unterschiedliche Positionen zu verschiedenen Themen gibt, die die Menschen bewegen. Das ist jetzt natürlich ein Dilemma.

Interview: Julia Lorenz

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