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Hier wird einem aufrechten Frankfurter gehuldigt.

Stoltze-Museum

Dichter, Satiriker und viel mehr …

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Das neue  Stoltze-Museum in der Altstadt öffnet und zeigt alles vom Hauptwerk bis zu interessantem Nippes.

Diese Stadt hat sonst keine Helden wie ihn“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zur Eröffnung des Stoltze-Museums in der neuen Altstadt, und auf einer Infotafel im Hintergrund guckt ein gewisser Geheimrat etwas indigniert. Aber recht hat er, der OB, nach dessen Definition ein Held jemand ist, „der sich in voller Rüstung von der Brüstung stürzt“. Und nichts anderes hat Stoltze Zeit seines Lebens (1816–1891) getan, wenn auch nur verbal. Und auch wenn Goethe dichterisch ein größeres Kaliber gewesen sein mag, so war er doch auch stets ein Fürstenstiefellecker und Vaterstadtsverräter (Weimar!).

Stoltze hingegen war glühender Demokrat, leidenschaftlicher Bismarckkritiker, und sein erzwungenes Exil am Genfer See empfand er als deutliche Wohnortverschlechterung. „Es gibt nur ein Frankfurt“, hatte Stoltze in einer Geschichte seinem Großvater in den Mund gelegt, um dann zu präzisieren: na schön, es gebe noch eins, „aber des gilt net, weil da is e ,oder‘ dabei“. Eine Weisheit, an die der Schauspieler Michael Quast zur Museumseröffnung noch einmal mundartig erinnerte.

Diese Stadt hat jedenfalls sonst kein Museum wie das am Markt 7, direkt neben der Goldenen Waage, unmittelbar am alten Krönungsweg. Fast schon labyrinthisch verschlungen kann man hier auf mehreren Etagen alles über den Dichter, Satiriker und streitbaren Demokraten erfahren – und über sein Hauptwerk, die satirische Wochenzeitschrift „Frankfurter Latern“. Es weiß aber auch mit interessantem Nippes zu unterhalten, wie etwa einem Bollerofen mit Frankfurt- und Stoltze-Motiven, den das Museum einem privaten Sammler abgekauft hat. Stoltze hat hier zwar nie gewohnt, hätte aber sicher Spaß daran gehabt, seinen Nachttopf über einem frisch gekrönten Haupt zu leeren.

Ein bisschen geöffnet hatte das Museum schon in den vergangenen Wochen, und das „Interesse war riesig“, wie die Museums-Chefin und frankfurtweit (also weltweit) führende Stoltze-Expertin Petra Breitkreuz sagt. Freilich nur für angemeldete Gruppen und „nicht für Individualverkehr“. Jetzt aber ist auch Individualverkehr erlaubt, und das ist gewiss auch im Sinn des zwölffachen Vaters Stoltze. Lediglich das Kleinod auf dem Dach bleibt unangemeldetem Individualverkehr verschlossen: Das „Belvedersche“, der Dachgarten der Goldenen Waage, von dem aus der stinkreiche Bauherr Abraham von Hameln damals auf die Stadt hinabschauen konnte. Um das zu sehen, muss man sich zuvor anmelden. Es lohnt sich aber.

„Stoltze ist heute noch eine hoch aktuelle Persönlichkeit“, sagt OB Feldmann und hat damit schon wieder recht. Allerdings nicht, weil der „die Demokratie mundartfähig“ gemacht habe – beides steckt ja heute eher in einer Krise. Aber Stoltze lieferte weiland schon Antworten auf Fragen, die damals noch gar keiner stellte. Sollte Ihnen etwa jemand mal wieder auf den Kümmel gehen, weil er sich damit dicke tut, eine zurzeit beinahe unvermeidliche Fernsehserie im Bezahlfernsehen schauen zu können, dann antworten Sie doch einfach mit Stoltze: „Euch neid’ ich nicht, ihr armen Thoren, Die Ihr vor einem Throne kreucht, Ich bin ein freier Mann geboren Und habe nie mein Haupt gebeugt.“

Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse, Markt 7, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei. Kontakt und Führungen (etwa fürs Belvedersche): Telefon 264 140 06 oder E-Mail petra.breitkreuz@frankfurter-sparkasse-de.

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