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Anne Bohnenkamp-Renken und ABG Chef Junker.
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Anne Bohnenkamp-Renken und ABG Chef Junker.

Romantikmuseum

"Dialog zwischen Goethe und der Romantik"

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, Anne Bohnenkamp, und der Chef der ABG-Holding, Frank Junker, zu Architektur und inhaltlicher Ausrichtung des neuen Museums.

Frau Bohnenkamp, das Romantikmuseum war über Jahre hinweg ihr großer Traum. Jetzt wird er Wirklichkeit. Wie fühlt sich das an?
Bohnenkamp: Wenn Träume Wirklichkeit werden, gibt es viele drängende Fragen. Es gibt viel zu tun. Ich bin dankbar dafür, dass die Stadt die Idee so unterstützt hat. Sonst hätten wir gar nicht beginnen können. So konnten dann auch Land und Bund für eine Unterstützung gewonnen werden. Leider ist dann die Stadt zwischendurch ausgestiegen und hat gesagt, sie kann die Finanzierung nicht leisten. Ich bin froh, dass die Stadt seit Ende 2013 auch finanziell wieder an Bord ist.

Herr Junker, Sie sind jetzt Bauherr eines Museums. Das ist für Sie neu, oder?
Junker: Dass wir unmittelbar Bauherr eines Museums sind, ja. Es gibt aber eine Reihe von Museumsbauten, an denen wir beteiligt waren. Im Falle des Romantikmuseums werden wir das Bauwerk später an das Freie Deutsche Hochstift übertragen. Wir gehen das Projekt wie stets sehr ambitioniert an. Wir haben einen sehr engen Zeitplan. Am 29. Mai ist der Bauantrag für das Museum eingereicht worden, außerdem für die Erneuerung des Cantatesaals und die Wohnungen. Das war nicht ganz einfach, zwei Architekturbüros zu koordinieren. Aber das ist uns gelungen. Im September beginnen wir mit dem Abbruch der alten Gebäude am Großen Hirschgraben.

Es hieß, die beiden Architekten Christoph Mäckler und Michael Landes hätten sich nicht so gut vertragen.
Junker: Das haben wir ganz gut hinbekommen, dass die beiden sich als Team verstehen. Mäckler ist zuständig für das Museum, Landes ist zuständig für den Cantatesaal, das Wohnen und den städtebaulichen Entwurf. Das war nicht ganz einfach.
Bohnenkamp: Das war auch deshalb nicht ganz einfach, weil Mäckler seinen Entwurf völlig umarbeiten musste. Es brauchte auch einen neuen Grundriss. So hat alles länger gedauert, als wir gedacht haben. Das Gute daran ist: Wir konnten unsere Vorstellungen schon in einem frühen Planungsstand mit einbringen.

Wie sieht jetzt der Zeitplan für das Museum aus?
Junker: Baubeginn ist im Frühjahr 2016 und wir gehen davon aus, dass die Eröffnung dann im Frühjahr 2018 stattfindet.
Bohnenkamp: Die Eröffnung wird später sein. Im Frühjahr 2018 ist der Bau fertig, dann können wir mit der Einrichtung, mit der Museografie, beginnen. Wir müssen zum Beispiel wissen, ob die Klimaanlage richtig funktioniert, bevor wir mit den Exponaten reingehen. Für die museografische Einrichtung brauchen wir mit Sicherheit mehrere Monate. Und da ich nicht gerne im Winter eröffnen möchte, sehe ich jetzt die Eröffnung im Frühjahr 2019.

Das Museum wird durch eine Wohnbebauung ergänzt, Herr Junker...
Junker: ...das sind keine ganz einfachen Wohnungen. Wir sind an den Baukörper des Cantatesaals gebunden. Darüber entstehen jetzt 28 Wohnungen. Das Grundstück ist nur etwa 2000 Quadratmeter groß. Wir bauen sehr verdichtet. Es entsteht ein Innenhof, an dem ein Café liegen wird.

Man wird in das Café gehen können, ohne das Museum zu besuchen?
Bohnenkamp: Ja. Es ist ein Museums-Café und ein öffentliches Café.

Es gab einen Konflikt um die Frage, an welchen Seiten des Hofes Arkaden entstehen.
Bohnenkamp: Das gehört nicht zum Bereich des Museums, das ist daher nicht mein Thema.

Es hieß aber, sie hätten interveniert, um den Hof des Goethehauses als Ruhezone zu bewahren.
Bohnenkamp: Richtig ist, dass ich nicht möchte, dass die Gärten des Goethehauses verschattet werden durch Arkaden.

So dass es die Arkaden jetzt nur noch auf zwei Seiten des Innenhofes gibt.
Junker: Auf der Seite des Cantatesaals bis zum Hirschgraben.

Die Kosten spielten da keine Rolle?
Junker: Die Kosten spielen immer eine Rolle.

Ist denn Architekt Landes jetzt überzeugt von dieser Lösung?
Junker: Der Architekt ist ein Dienstleister des Auftraggebers. Und der Auftraggeber entscheidet.
Bohnenkamp: Worüber wir mit dem Architekten ausführlich diskutiert haben, ist die Frage, wie wir mit unserem Rosengarten umgehen. Herr Landes hat sich gewünscht, den Garten zum Innenhof hin zu öffnen. Das funktioniert jedoch nicht, weil der Rosengarten Teil des musealen Bereichs ist und bleiben soll.

Von außen wirkt das neue Museum jetzt wie eine Abfolge von Stadthäusern, wie sie historisch am Großen Hirschgraben gestanden haben.
Bohnenkamp: Ja, Mäckler ist hier wirklich die Quadratur des Kreises gelungen. Wir haben gesagt: Bauen Sie uns ein langes Haus, das aber nicht so wirkt. Das ist durch die Gliederung in drei Baukörper geglückt. So wird das Goethe-Haus künftig städtebaulich nicht dominiert.

Wie wird das Haus heißen, Deutsches Romantikmuseum?
Bohnenkamp: Da haben Sie ein ganz wichtiges Thema angesprochen. Das Romantikmuseum wird ja eine Erweiterung sein von Goethe-Haus und Goethe-Museum. Wir suchen jetzt nach einem Auftritt, der genau das deutlich macht, dass es hier künftig drei Teileinheiten unter dem Dach des Freien Deutschen Hochstifts gibt. Wir denken an ein Logo, das sich am Farbenkreis von Goethe orientiert. Wir können sicher nicht den Anspruch erheben, die europäische Romantik abzubilden. Dazu würde auch die Ausstellungsfläche nicht ausreichen. Aber wir werden, basierend auf der Sammlung unserer Handschriften, die deutsche Romantik darstellen, daher wird es Deutsches Romantikmuseum heißen.

Was wird in der Dauerausstellung zu sehen sein?
Bohnenkamp: Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir werden noch in diesem Jahr wissen, welches Büro uns bei der Museographie zur Hand geht. In dem neuen Museum wird der Dialog zwischen Goethe und der Romantik eine wichtige Rolle spielen. Wir haben drei Stockwerke für die Dauerausstellung: Sie werden den Themen Goethe, Romantik sowie Goethe und Romantik gewidmet sein. Von unten nach oben. Goethe ist historisch der Anfang, sein Werk beginnt vor der Romantik.

Sie werden klären müssen: Was ist eigentlich Romantik?
Bohnenkamp: Genau so ist es. Wir müssen deutlich machen, dass die europäische Epoche des „romanticism“ vor der Bewegung der deutschen Romantik beginnt, da gehört dann schon der junge Goethe zeitlich dazu. Mir liegt der europäische Blick nahe: Für mich ist die Romantik in jedem Fall auch eine europäische Angelegenheit.

Es ist ja schwierig, das nur anhand von Schriften zu tun. Sie brauchen andere Vermittlungs-Medien.
Bohnenkamp: Sie haben völlig recht. Unsere Grundidee ist es, dass die Goethe-Etage auch unsere Gemäldegalerie aufnimmt, also mit einem klassischen Medium arbeitet. Auf der nächsten Etage, die der Romantik gewidmet ist, wird es ein Konzert von unterschiedlichen Medien geben: Handschriften und Bücher, aber auch Bilder und Töne, bis hin zum Film.

Das Neue darf das Alte aber auch nicht ausstechen.
Bohnenkamp: Da habe ich keine Sorge. Wir werden im Gegenteil erreichen, dass in Zukunft ein größerer Teil der rund hunderttausend jährlichen Besucher des Goethe-Hauses auch die Gemäldegalerie erlebt. Es gibt dort wunderbare Stücke, etwa von Johann Heinrich Füssli oder von Caspar David Friedrich. Wir stellen sie neu ins Licht und akzentuieren auch die Bezüge zu Goethes literarischem Werk. Im obersten Stockwerk geht es dann auch darum, wie Goethe und die Romantiker sich aneinander abgearbeitet haben.

Für das Programm des neuen Museums, für die Sonderausstellungen, brauchen Sie weiteres Geld.
Bohnenkamp: Genau so ist es: Das Sammeln geht weiter.
Junker: Aktionen im Zusammenhang mit dem Baubeginn unterstützen wir nach Kräften.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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