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Unterricht im Amphitheater der Kirchnerschule. Beim Deutschsommer soll möglichst wenig ans Pauken erinnern.
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Unterricht im Amphitheater der Kirchnerschule. Beim Deutschsommer soll möglichst wenig ans Pauken erinnern.

Deutschsommer

Deutschsommer: Theater spielen statt Karteikarten schreiben

Beim Deutschsommer verbessern Kinder aus Intensivklassen spielerisch ihre Sprachkenntnisse. Am 19. Juli geht es los.

Das Verb ist der Chef im Satz!“, ruft der Drittklässler Ahmed aufgeregt in die Runde. Während die meisten seiner Freunde gerade die Sommerferien genießen, beschäftigt er sich nämlich mit den verschiedenen Wortarten – Nomen, Adjektive und Verben.

Ahmed ist eines von rund 150 Kindern, die dieses Jahr am Deutschsommer teilnehmen, einem Projekt für Sprachförderung von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Über drei Wochen hinweg sollen Drittklässler, die Unsicherheiten im Sprachgebrauch haben, spielerisch ihr Deutsch verbessern. Die Kinder haben unterschiedliche Hintergründe. Manche leben erst seit kurzer Zeit in Deutschland, andere wurden hier geboren. Häufig leben sie jedoch in Haushalten, in denen nicht viel Deutsch gesprochen wird. Durch die Sommerferien entstehe deshalb häufig eine Art Loch, in dem die Kinder ihre Sprachkenntnisse verlernen, erläutert Christopher Textor, leitender Ministerialrat im Hessischen Kultusministerium.

Das Projekt

Das Sprachförderprojekt findet dieses Jahr vom 19. Juli bis 6. August statt. Es nehmen rund 150 Frankfurter Schülerinnen und Schüler aus über 40 verschiedenen Herkunftsnationen teil. Hessenweit konnten dieses Jahr insgesamt 570 Deutschsommerplätze geschaffen werden. Seit dem Beginn vor 15 Jahren haben 2500 Kinder an dem Projekt teilgenommen. Da auch die Eltern immer aktiv mit eingebunden werden, hat das Projekt insgesamt über 7000 Personen erreicht.

Die Kosten für die Rundumversorgung während der drei Wochen werden vom Hessischen Kultusministerium getragen. Lediglich eine Selbstbeteiligung von 50 Euro wird für die Eltern der Kinder fällig.

Eine Befragung ehemaliger Deutschsommerkinder ergab, dass das Projekt 88 Prozent dabei geholfen hat, sich sprachlich zu verbessern. 81 Prozent der Befragten fühlten sich danach motiviert, sich in der Schule mehr anzustrengen. Bei 75 Prozent haben sich auch die Schulnoten verbessert. prfb

Das Lernmodell beruht auf den drei Komponenten Deutschunterricht, Theater und Freizeit, schließlich sollen die Sommerferien nicht auf der Schulbank verbracht werden. Ein normaler Tag beginnt um 8.15 Uhr mit einer 90-minütigen Einheit Unterricht. Dabei werden vor allem Grundlagen wiederholt und vertieft. Außerdem gehört zu jedem Deutschsommer die Lektüre eines Buches. Dieses Jahr ist das „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren. Das Buch sei einerseits sprachlich anspruchsvoll und behandle andererseits auch wichtige Themen wie Freundschaft oder Angst.

Der Deutschsommer soll nicht nur die Deutschkenntnisse verbessern, sondern auch bei der Bildung von Persönlichkeit und Sozialkompetenzen helfen. Deshalb sei auch der Einsatz von Theatermethoden so elementar, betont Theaterpädagogin Ann-Kathrin Auditor, eine der drei betreuenden Personen. Zusammen studieren die Kinder ein Theaterstück ein, das auf ihrer Lektüre beruht. So lernen sie zum Beispiel auch, verschiedene Emotionen mit Sprache auszudrücken. „Wenn wir ehemalige Deutschsommerkinder befragen, erinnern sie sich immer zuerst daran, welche Theaterrolle sie gespielt haben“, sagt Oliver Beddies, Leiter des Bereichs Bildung bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Das macht deutlich, wie prägend die Zeit für die teilnehmenden Kinder ist. „Das waren wirklich eine der schönsten Ferien meines Lebens“, schwärmt Sara Galab (18). Sie hat vor neun Jahren beim Deutschsommer mitgemacht und ist nun selbst Praktikantin bei dem Projekt. Es erfülle sie mit Freude, zuzusehen, wie viel Spaß die Kinder am Deutschlernen und den Freizeitaktivitäten haben. Nach dem Deutschunterricht und der Theatereinheit folgen am Nachmittag unterschiedliche Freizeitaktivitäten. Ein Ausflug auf den Wochenmarkt kann zum Beispiel dabei helfen, den Wortschatz rund um das Thema Essen zu erweitern.

Deutsch bilde die Grundlage für alle weiteren Lernerfolge, betont Christopher Textor. Wenn man die Kinder fördere, die in ihren Sprachkenntnissen noch zurückliegen, käme man dem Ziel der Chancengleichheit einen Schritt näher.

Der Deutschsommer kommt gut an. 2017 wurde das Projekt von Frankfurt auf 17 weitere Standorte ausgeweitet, von denen zwei in Nordrhein-Westfalen liegen. Dieser Erfolg lässt sich auf die positiven Auswirkungen zurückführen, die sich nach den drei Wochen bei den Teilnehmer:innen zeigen. Durch einen Sprachtest davor und danach wird festgestellt, was die Kinder während der Ferien dazugelernt haben. Vor 15 Jahren sei Hessen noch das Schlusslicht in Sachen Bildungserfolge gewesen, so Textor. Heute ist es das Land mit der bundesweit geringsten Schulabbrecherquote. Diese Entwicklung schreibt Textor vor allem Projekten wie dem Deutschsommer zu, der dieses Jahr zum 15. Mal stattfindet.

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