Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt vor dem US-Konsulat.  
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Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt vor dem US-Konsulat.  

Protest

„Deutschland hat ein Rassismusproblem“

  • vonClara Gehrunger
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Bei einer Kundgebung vor dem amerikanischen Generalkonsulat für Gerechtigkeit geht es nicht nur um George Floyd und die USA, sondern auch um das Miteinander bei uns.

Im Schatten der Friedhofsmauer versammeln sich die Demonstrierenden. Einen Lautsprecher, der zunächst in Richtung der Aktivisten zeigt, drehen die Organisatorinnen kurz darauf in die andere Richtung. Dort, auf der anderen Straßenseite, ist das amerikanische Generalkonsulat. Dutzende Menschen demonstrieren am Freitag vor dem Konsulat gegenRassismus und Polizeigewalt.

Bei der Demonstration geht es einerseits um Solidarität mit George Floyd und den Protestierenden in den USA. Ein Teilnehmer hält ein Schild mit der Aufschrift: „Who do you call when the police murders?“ („Wen rufst du an, wenn die Polizei tötet?“) – eine Frage, die bereits in den USA häufig auf Schildern von Demonstranten zu lesen war. Andererseits kommen auch Probleme in Deutschland zur Sprache.

„Es fängt immer früh an, aber als Kind versteht man es nicht“, so beginnt eine junge schwarze Frau, die sich als Sheryl vorstellt, ihre Rede. Sie erzählt von ihren Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung in Deutschland. Schon im Kindergarten, später in der Schule, immer wieder habe sie Ungerechtigkeit von Kindern und Betreuern erlebt. „Ich wurde nicht regelmäßig verprügelt und beschimpft, um mir jetzt sagen zu lassen, Deutschland hätte kein Rassismusproblem“, sagt sie und betont: „Deutschland hat ein Rassismusproblem und ich muss ständig damit leben.“

Organisiert haben die Demonstration zwei Privatpersonen, die sich „Beheardffm“ nennen: „Werde gehört.“ Es ist ihre dritte Demonstration gegen Rassismus, in Zukunft wollen sie wöchentlich aktiv werden.

Eine der Organisatorinnen ist Amira, die nur ihren Vornamen nennen möchte. Sie ruft dazu auf, gewaltfrei zu demonstrieren. „Aber ihr dürft eure Wut ausdrücken“, ruft sie und lädt ausdrücklich Freiwillige dazu ein, ihre Erfahrungen und Meinungen vor allen zu schildern. „Uns geht es darum, allen eine Stimme zu geben. Wir wollen Gerechtigkeit für alle, Unterdrückung abschaffen für alle“, fährt sie fort.

Ein junger Mann, der selbst einen schwarzen Elternteil hat, lässt zunächst seinen Blick über die Demonstranten schweifen. Dann spricht er ins Mikrofon: „Es ist gut, dass so viele Weiße hier sind, aber es ist keine Heldentat.“ Rassismus dürfe nicht wie ein Monster behandelt werden, erklärt er dann, sondern als etwas, das jeder bei sich selbst erkennen müsse. Erst dann könne man dagegen vorgehen und darüber sprechen. Er fordert: „Rassismus ist in Deutschland schambehafteter als in den USA, aber nicht weniger relevant. Also bleibt unzufrieden.“

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