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Jan Philip Johl brachte die Idee der Give Box nach Frankfurt. Diese steht am Ostbahnhof.

Giveboxen in Frankfurt-Ost

Schenken statt shoppen

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Eine Initiative stellt in Frankurt Kisten auf, in die jeder Sachen legen kann, die er nicht mehr braucht. Etwas herausnehmen geht natürlich auch. Das Konzept nennt sich öffentliche Giveboxen. Im Moment steht eine am Ostbahnhof, es sollen aber noch mehr kommen.

Wenn Zita Blyniene von der Givebox in ihrer Nachbarschaft erzählt, leuchten ihre Augen. Gerade ist sie an der Box vor dem Klub, Café und Laden „Glück ist jetzt“ im Norden im Baumweg vorbei gekommen. Beiläufig hat sie eine bunte Ledertasche zu drei Büchern, einem Paar Schuhen und einem Drucker in den schlichten Holzkasten gelegt. Fast jeden Tag gehe sie hier vorbei, berichtet sie: „Ich gebe gerne und ich nehme gerne an“. Für die Frau gibt die Givebox dem Stadtteil etwas, das sie in der heutigen Zeit vermisst: nachbarschaftlichen Zusammenhalt.

Blyniene arbeitet als Pflegerin für eine ältere Dame, der es an vielem fehlt. Über einige Wochen hinweg habe sie in der Givebox Gegenstände für den Haushalt der Frau gefunden, die diese dringend benötigte. Töpfe, Geschirr, sogar neue Vorhänge waren dabei. „Man sollte seine alten Sachen als Rohstoffe sehen“, so Blyniene. Es gebe viele, die sich nicht einfach neue Sachen kaufen könnten. Schenken statt shoppen, alte Sachen loswerden und anderen damit auch noch eine Freude machen. Feyza Morgül und Jan Philip Johl von „Glück ist jetzt“ sehen darin ein Konzept für die Zukunft: „Es entwickelt sich aktuell ein Bewusstsein dafür, dass Tauschen unser Leben ein bisschen besser machen kann“, sagen sie.

Givebox wandert durch Frankfurt

Johl war es auch, der die Givebox nach Frankfurt brachte. Vor zwei Jahren sei ein Freund von ihm mit der Idee im Gepäck aus Berlin gekommen. Dort hat das Konzept schon seit mehreren Jahren Erfolg. Sofort war für Johl klar, dass es so etwas auch in Frankfurt geben müsse. Mit einigen Freiwilligen baute er die erste Box und stellte sie vor seinem Klubhaus auf. „Das Feedback war überwältigend“, erinnert er sich. „Die Nachbarschaft nahm die neue Idee sofort an“. Das Problem: Die Giveboxes dürfen nur auf privatem Gelände stehen, was die Wahl eines Standorts schwierig macht. So wanderte der Prototyp vom Baumweg über die Berger Straße bis in den Frankfurter Garten vor dem Ostbahnhof.

Eine zweite Box steht wieder am Ursprungsort. Der Umweg ist Johl dabei gerade recht: „So kommt die Idee wenigstens ein bisschen rum.“ Ähnliches erfuhr Daniela Scholl kürzlich in Höchst. Sie ist selbst bei „Glück ist jetzt“ aktiv und war von der Geschenkkiste so angetan, dass sie eine Givebox in ihrem Stadtteil einführen wollte. Doch der passende Ort dafür wollte sich nicht finden. Für Abhilfe sorgte schließlich das Deutsche Rote Kreuz, auf dessen Gelände in der Adelonstraße die neue Box nun geplant ist. Auch das Stadtplanungsamt und das Stadtteilmanagement haben im Rahmen des Förderprogramms „Innenstadt Höchst“ ihre Unterstützung zugesagt.

Mehr Giveboxen in anderen Stadtteilen

Viel wichtiger ist Scholl jedoch das Interesse der Nachbarschaft. So habe bereits die Schreiner-Innung Hilfe beim Bau zugesichert und Bürger Baureste für die Givebox gesammelt. Denn getreu des Konzepts soll für die Box kein neues Material gekauft werden, vielmehr soll sie aus vermeintlichem Abfall entstehen – und somit den Menschen das Thema Nachhaltigkeit näherbringen. „Der Müll des einen kann schließlich des anderen größtes Glück sein“, meint Scholl. Auch Jan Philip Johl freut sich über die neue Givebox in Höchst. Es ist sein erklärter Wunsch, so viele Nachahmer wie möglich zu finden, die in Eigenregie Geschenkkisten im Stadtgebiet aufstellen. Er hat ein großes Ziel im Blick: „Es wäre toll, in jeder Straße eine solche Box zu haben und damit dem Wegwerfen etwas entgegen zu setzen“, sagt er.

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