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Treffen mit Helferin: Ralph Urban, Melanie Lack.

Frankfurt Marathon

Marathonläufer trifft seine Lebensretter

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Der Frankfurter Ralph Urban brach 2013 beim Frankfurt Marathon zusammen. Jetzt hat er seine Lebensretter zum ersten Mal getroffen.

Im Jahr 2013 kollabiert Ralph Urban mit Kammerflimmern an der 5-Kilometer-Marke des Frankfurter Marathons. Hinter ihm läuft Patricia Bock, eine Notärztin; an diesem Tag ist sie als Privatperson vor Ort. Sie erkennt die Situation und beginnt sofort mit der Reanimation. Vier Minuten später trifft der Rettungswagen am Unfallort ein. Michael Sroka, Notfallmediziner des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und Melanie Hack, eine ehrenamtliche Helferin, schaffen es, den Frankfurter wiederzubeleben. Jetzt hat Urban seine Lebensretter zum ersten Mal wieder getroffen. 

Mit Patricia Bock verbindet ihn schon seit dem Zusammenbruch eine Freundschaft, auch den anderen Helfern ist Urban unendlich dankbar. Michael Sroka beteuert, es sei Urbans Wille gewesen, der ihm das Leben rettete. Die Überlebensrate bei solchen Unfällen liege zwischen 20 und 30 Prozent. 

„Ich war ein Workaholic“, erzählt Urban. Hauptamtlich arbeitete er als Bademeister der Frankfurter Bäderbetriebe, nach Feierabend verlegte er Fliesen im eigenen Betrieb. 92 Kilogramm wog er damals. 22 mehr als heute. Sein damaliger Hausarzt habe eine Depression bei ihm angedeutet und ihm geraten, in seinem Leben etwas zu verändern. Über einen Bekannten kam der Frankfurter 2002 zum Verein LCM Rotenburg an der Fulda. Aus 200 Meter Laufstrecke wurden 300, dann 400. Bis zum ersten Marathon ein Jahr später. 

„Meine Frau und ich hatten an dem Wochenende Freunde zu Besuch, die am Marathon teilnehmen wollten. Einer wurde kurzfristig krank, also habe ich seinen Startplatz übernommen“, blickt der 60-Jährige zurück. Dem ersten Lauf folgten weitere auf der ganzen Welt, an insgesamt 30 Marathons nahm Urban teil: von Rom über Boston und New York bis zum weinseligen Médoc-Marathon. Dann der Zusammenbruch 2013 in Frankfurt.

An dem Tag betreut er die Läufer seines Vereins vor dem Start, entscheidet sich spontan zur Teilnahme, vergisst in der Eile aber, seine Kontaktdaten aufs Trikot zu schreiben – deshalb können ihn die Sanitäter des DRK zunächst nicht identifizieren. Seine Frau sitzt unwissend zu Hause. Erst abends erfährt sie von dem Unfall ihres Mannes.

Zu durchschnittlich 150 Einsätzen kommt beim Frankfurt-Marathon. Rund 200 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus ganz Hessen hat der DRK jedes Jahr an der Strecke, innerhalb von drei Minuten sollen sie am Unfallort sein. Hinzu kommen zehn Rettungswagen. Seit mehr als 30 Jahren organisiert das Rote Kreuz den Sanitätsdienst. „Mit dem Ehrenamt bieten wir einen Rückhalt für die Großveranstaltungen“, sagt Sylvie Berlit, stellvertretende Geschäftsführerin des DRK. Die Organisation sei aber nicht mehr so leicht zu realisieren. Häufig müsse Hilfe hinzugekauft werden. „Es fehlt an Nachwuchs.“

Einen Marathon wird Ralph Urban nicht mehr laufen. Das hat er seiner Familie versprochen, nachdem er es 2014 und 2017 noch mal probierte und beide Male zusammenbrach. Am Sonntag wird er trotzdem an der Strecke sein und die Spiridon-Läufer betreuen. 

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