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Ein Mitarbeiter fährt eine Halterung, an der Blutbeutel zur Filtration aufgehängt sind, durch das Labor.

Blutspenden in Hessen

Der lange Weg des Blutes

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Von der Spende bis zur Verwendung liegen viele Arbeitsschritte, die von den Beteiligten sorgfältig durchgeführt werden müssen.

Mit geübten Handgriffen klemmt der Mann im weißen Kittel die leeren Blutbeutel an die Seiten der Maschine. Der gefüllten Beutel, der mit ihnen verbunden ist, wird an der Vorderseite fixiert. Zwei Barcodes werden gescannt und schon erwacht die Maschine zum Leben und sorgt mit sanftem Druck dafür, dass sich die einzelnen Blutbestandteile auf die leeren Beutel verteilen. Wer denkt, dass die Arbeit nach der Blutspende erledigt sei, der irrt sich gewaltig. Die anschließende Aufbereitung des Blutes ist vielseitig aber auch zeitaufwendig. Im Produktionsbereich des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Sandhofstraße 1 in Frankfurt arbeiten 25 Mitarbeiter und einige FSJler im Schichtbetrieb, um die Vollblutspenden in drei Bestandteile aufzuteilen.

An diesem Tag im November müssen 1188 Spenden verarbeitet werden. „Das ist ein durchschnittliches Aufkommen“, sagt Veronika Brixner, Fachärztin für Transfusionsmedizin und Abteilungsleiterin der Verarbeitung. Da eine Blutkonserve 500 Milliliter Blut enthält, sind das fast 600 Liter Blut, die auf die Weiterverarbeitung warten.

Das DRK hat derzeit Blut für drei Tage vorrätig

Bevor es in den Produktionsbereich geht, muss jeder durch die Personenschleuse. Hier gibt es Überzieher für die Schuhe und einen Schutzkittel. Auch die Hände werden ordnungsgemäß desinfiziert. Der erste Arbeitsschritt läuft noch ganz ohne Maschinen ab. Das Mehrfachbeutelsystem, das beim DRK verwendet wird, muss ordnungsgemäß sortiert und verstaut werden. Zwei leere Beutel und der volle mit dem Blut werden so fixiert, dass keine Kanten oder harte Teile auf den Beutel drücken. „Sonst kann es zu Löchern kommen“, berichtet Brixner. 

Aktuell hat das DRK für knapp drei Tage Blut vorrätig. Doch gerade in Wochen mit Feiertagen sei die Situation schnell angespannt. An solchen Tagen finden keine Blutspendetermine statt, entsprechend geringer fällt die Anzahl der Konserven aus. In Frankfurt werden die Spenden von Hessen und dem nördlichen Teil von Baden-Württemberg verarbeitet. Besonders benötigt werden immer wieder Spender mit der Blutgruppe Null – mit dem richtigen Rhesusfaktor können sie im Notfall als Universalspender für alle anderen Blutgruppen dienen.

Die im ersten Schritt gepackten Behälter kommen schließlich zur zweiten Station. Dabei werden sie in Zentrifugen gestellt und für etwa 20 Minuten bei 3500 Umdrehungen pro Minute rotiert. Durch das unterschiedliche spezifische Gewicht der einzelnen Blutbestandteile setzt sich jedes an einer anderen Stelle ab. Die „schweren“ roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bleiben im unteren Teil des Beutels. Ganz oben setzt sich das Blutplasma ab. Zwischen beiden Schichten liegen dann die Blutplättchen (Thrombozyten). Die Zentrifuge läuft langsam aus und wird nicht stark abgebremst, damit die drei Schichten gleichmäßig vertikal übereinanderliegen. 

Beim dritten Schritt kommt der Beutel in ein Gerät, das die Bestandteile separiert. Wie genau wurde bereits eingangs erwähnt. Nach der fünfminütigen Prozedur liegen drei Beutel vor, die an verschiedenen Stationen weiterverarbeitet werden. Der Beutel mit den roten Blutkörperchen wird kopfüber an ein Gestell gehängt und die Flüssigkeit rinnt durch einen Filter, der Rückstände von weißen Blutkörperchen beseitigt. Diese würden beim Spender unter Umständen Fieberreaktionen auslösen.

Das Plasma, welches sich nun ebenfalls in einem separaten Beutel befindet, kommt im hinteren Teil des Raumes zum Schockfrosten. Etwa eine Stunde liegen die Beutel auf minus 65 Grad Celsius kalten Blechen. Darauf kühlen sie selbst auf minus 30 Grad ab. Nach kurzer Lagerung in Frankfurt kommt das Plasma zum zentralen Tiefkühllager nach Kassel. „Wir leisten uns sogar den Luxus, das Plasma erst zur Spende freizugeben, wenn der Spender ein zweites Mal bei uns war“, berichtet Brixner. Damit könnten auch Krankheiten mit sehr langen Inkubationszeiten ausgeschlossen werden.

Die Mitarbeiter in der Produktion arbeiten von Dienstag bis Samstag, da es am Wochenende keine Blutspenden gibt und montags somit keine Konserven zu verarbeiten sind. Im Schichtbetrieb ist der Bereich von 5.30 bis 20 Uhr besetzt. Ein Rufdienst deckt sogar die Nachtstunden und das Wochenende ab, denn Notfälle könne es immer geben. „Dann liefern wir beispielsweise an Perinatalzentren“, sagt die Fachärztin für Transfusionsmedizin und berichtet von speziellen Fällen in den Frühgeborenenzentren. Etwa wenn ein Kind im Mutterleib eine Transfusion benötigt oder das gesamte Blut eines Neugeborenen ausgetauscht werden muss.

Eine Spende kann drei Menschen helfen

Der letzte der drei Beutel, die in der Separation gewonnen wurden, ist mit Blutplättchen gefüllt. Dessen Weiterverarbeitung ist noch einmal zeitaufwendiger. Zunächst werden vier Beutel der selben Blutgruppe gesammelt und steril zusammengeschweißt. Anschließend werden sie kopfüber aufgehängt und in einer Konserve gesammelt. Da die Plättchen gern haften bleiben, wird mit einer Nährlösung jeder Beutel durchgespült – alles von Hand. „Wir sind wie eine Handmanufaktur“, sagt Brixner. Bei jedem Schritt wird von Hand gearbeitet, auch wenn Maschinen die Arbeit erleichtern. Sobald alle Plättchen in einem Beutel sind, geht es wieder in eine Zentrifuge. Diese dreht diesmal sehr langsam, damit die Plättchen sich oben absetzen. Danach separiert eine Maschine die Blutplättchen von den restlichen Bestandteilen. Alles in allem dauert dieser Arbeitsschritt fast eine Stunde.

Bei den Blutplättchen arbeitet die Produktion nur auf Bestellung. Gut 150 Thrombozyten-Konzentrate sind es an diesem Tag. Die Beutel sind nur vier Tage haltbar, während das Plasma bis zu zwei Jahre eingefroren bleiben kann. Die roten Blutkörperchen halten sich etwa 35 Tage. Die unterschiedlichen Haltbarkeitszeiten sind einer der Gründe, warum das Vollblut nach der Spende aufgeteilt wird. Hinzukommt, dass dadurch mit einer Spende gleich drei Menschen geholfen werden kann.

Parallel zur Produktion laufen im Labor in der Sandhofstraße die Tests der abgegebenen Spenden. Dabei wird nicht nur die Blutgruppe bestimmt, sondern auch die Probe auf Krankheiten wie Hepatitis, Syphilis und HIV kontrolliert. Erst wenn festgestellt wurde, dass die Blutkonserven unbedenklich sind, werden sie in der Produktion etikettiert und zur Transfusion freigegeben.

 

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