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Die Älteren werden sich erinnern: Thermometer im Juli.

Wetter in Frankfurt

Deutscher Hitzemeister Frankfurt

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Eine Messstelle in Frankfurt lag bundesweit vorn: 12,9 Grad im Jahresdurchschnitt. Der Wetterdienst warnt: "Die Städte müssen reagieren."

Und der allerwärmste Ort in der Bundesrepublik heißt ... Frankfurt! Die Zahl, die dahintersteckt, wirkt auf Anhieb zwar vergleichsweise kühl: 12,9 Grad. Aber das ist eben der Jahresdurchschnitt, da sind auch die Nächte und der Winterfrost schon mit drin. Bundesweit kommt an Frankfurt 2018 keine andere Stadt heran – das steht schon drei Tage vor dem Jahreswechsel fest.

Bevor sich jetzt aber ein Borussia-Dortmund-Gefühl der Uneinholbarkeit breit macht: Schön ist das nicht. „Es ist eher ein trauriger Rekord“, sagt Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Besonders im Sommer war die Hitze ja auch eine Belastung, gerade für Menschen in Altenwohnheimen.“ Er selbst habe in seinem Büro ohne Klimaanlage „furchtbar gelitten“, blickt er zurück – freilich mit einem akustischen Zwinkern in der Telefonstimme.

Zwei Faktoren hätten Frankfurt an die Spitze gebollert: erstens die Wärmeinsel, wie sie in den Innenstädten generell entsteht. Es heizt sich dort bei entsprechenden Wetterlagen stärker auf als im Umland. „Das kann an einzelnen Tagen fünf bis sechs Grad ausmachen“, sagt Friedrich. Der Frankfurter Flughafen etwa kam übers Jahr auf 12,5 Grad – lag damit aber immer noch hessenweit an zweiter Stelle hinter dem „Messfeld Wst III“, so der Name des Spitzenreiters. Der Sensor steht übrigens auf dem Uni-Campus Westend, und die Umgebung wirkt verblüffend grün für eine innerstädtische Hitzeinsel.

Zweiter Faktor, der Frankfurt heiß macht: die geografische Lage, wärmebegünstigt, weil tiefliegend. Bei der absoluten Höchsttemperatur war das aber nicht entscheidend; in dieser Kategorie lag Eschwege mit 37,7 Grad in diesem Jahr vorn, gemessen am 31. Juli. Frankfurt-Flughafen kam bei der Spitzentemperatur unter die Top Ten (37,0 Grad). Den hessischen Rekord hält weiter Frankfurt-Westend mit 39,6 Grad, aufgestellt am 7. August 2015. Kälteste Messstelle im Rhein-Main-Gebiet, was den Jahresdurchschnitt betrifft, war der Kleine Feldberg im Taunus mit 8,1 Grad.

Städte sollen reagieren

Hessenweit lag der Jahresdurchschnitt bei 10,6 Grad – also 0,3 Grad über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2014 und satte 2,4 Grad über dem sogenannten vieljährigen Mittelwert der internationalen Referenzperiode. Und natürlich war es viel zu trocken: 580 Liter Regen pro Quadratmeter; Referenzwert: 793 Liter. Im Ländervergleich am wärmsten war es in Berlin (11,4 Grad), am trockensten in Sachsen-Anhalt (390 Liter Regen/Quadratmeter).

Fazit: „Die Städte müssen reagieren“, sagt Wettermann Andreas Friedrich. Es gehe darum, Flächen zu begrünen und Frischluftschneisen von Bebauung freizuhalten. Mit Frankfurt habe der DWD schon verschiedene Projekte umgesetzt, die Stadt sei auf einem guten Weg: „Man versucht hier sein Möglichstes, das Ruhrgebiet ist sicher schlechter dran.“

Bleibt die Frage, wann die Meteorologen endlich den vielfachen Wunsch umsetzen, es möge jede Nacht von 2 bis 3 Uhr eine Stunde regnen. „Wir können leider keine Wünsche erfüllen“, sagt Friedrich und lacht. „Das Wetter lässt sich nicht beeinflussen – aber Klimafolgen lassen sich abmildern.“

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