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Deutsche Bundesbank: Tresore voller goldenen Entchen

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Von: Timur Tinç

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Sesam öffne dich: Mit dem richtigen Code gibt es eine goldene Ente aus dem Tresor.
Sesam öffne dich: Mit dem richtigen Code gibt es eine goldene Ente aus dem Tresor. © Monika Müller

Beim Tag der offenen Tür der Bundesbank können die Gäste einen echten Goldbarren anfassen, lernen wie man Falschgeld erkennt und sich über die Arbeit des Institut informieren.

Und schon wieder ist einer der drei Tresore der Bundesbank geknackt worden. „Jaaaa. Mama, du musst das auch machen“, sagt die Tochter von Katharina S. Das Mädchen hält eine goldene Plastikente jubelnd in der Hand, nachdem es einen vierstelligen Code richtig eingeben hat. „Es ist mal was anderes, hinter die Kulissen zu sehen in der Bankenstadt Frankfurt“, sagt die 44-Jährige. Dank ihres „Turbokinds“ haben sie die Rallye in Windeseile erledigt – mit entsprechender goldener Belohnung. „Die Antworten sind alle auf dem Gelände zu finden“, erklärt Michael Dear. Der Übersetzer und Überprüfer bei der Bank „bewacht“ einen der drei Tresore und informiert die Gäste über das Geldmuseum und die Publikationen.

Mehrere Hundert Menschen haben am Samstag und Sonntag den Weg zur Taunusanlage gefunden, wo die Hauptverwaltung der Zentralbank Deutschlands ihren Sitz hat. Das Hauptgebäude in Ginnheim wird noch einige Jahre lang saniert. Auf der Bühne im Innenhof spricht Bundesbankpräsident Joachim Nagel über Zinsen und produziert damit umgehend Schlagzeilen für die Nachrichtenagenturen. Und Nagel hat eine Botschaft an alle Zuhörerinnen und Zuhörer zur Wirtschaftslage: „Es sieht nicht so aus, als ob es zu schlimm werden würde.“

Während Nagel spricht, hat sich eine lange Schlange vor dem Eingang mit dem Goldbarren gebildet. Zwei Sicherheitsmitarbeiter lotsen die Besucherinnen und Besucher nach und nach in den Raum, wo der 12,5 Kilogramm schwere Barren liegt. Gut geschützt in einem Glaskasten, wo man nur eine Hand reinschieben kann, um das gute Stück anzuheben. Der Wert 700 000 Euro. „Kann ich ein Foto machen?“, fragt ein Mann den Sicherheitsmitarbeiter, der direkt hinter dem Glaskasten steht. Aus dem Foto, dass er danach machen will, wird dann ein kurzes Video, wo er nochmal genau fragt, wie schwer der Barren eigentlich sei.

Während es beim Abwiegen eines Goldbarrens ganz genau zugehen muss, nimmt man es beim Sofa aus geschredderten Geldscheinen im Hauptgebäude nicht ganz genau. „Wollen Sie sich auf eine Million Euro setzen?“, steht in blauen Lettern vorne drauf. Es dürften ein paar mehr als eine Million Euro sein, die da geschreddert von Epoxidharz ummantelt sind. „Es gab sogar einen Kollegen, der sich daraus einen Anzug und eine Melone gefertigt hat, und alle wollten sich mit ihm und dem Sofa fotografieren lassen“, erzählt einer der Mitarbeiter. Seitdem wird bei jedem Tag der offenen Tür das Sofa aus dem dritten Stock nach unten geholt.

Frieda Kühn kennt die Bundesbank bestens, da ihre Mutter im Geldinstitut arbeitet. Sie ist mit ihren Freund:innen Antonia Reimmann und Kim Byeongkwoo gekommen, um sich den Hauptsitz anzuschauen. Das Geldmuseum in Ginnheim hat sie schon besucht. „Wir sind beim CSD für die Bundesbank mitgelaufen“, sagt Kühn. Ihr gefalle es, dass der neue Präsident sich für die Themen Diversität und grüneres Banking einsetze. Sie hat sich sogar kurz mit ihm unterhalten und eine Frage stellen können. „Den Goldbarren anzufassen, war schon toll“, sagt Reimmann. „Wo sieht man schon mal einen Goldbarren?“ Das Hochheben habe mehr oder weniger geklappt.

Das geht mit Geldscheinen dann doch wesentlich einfacher, die Sascha Bergholz den Besucher:innen in die Hand gibt. Doch welcher davon ist echt? Die offensichtlichste Fälschung ist der 300-Euro-Schein. Mit diesem Fantasieschein, den eine Werbeagentur erstellt hat, ist tatsächlich bezahlt und auch Wechselgeld rausgegeben worden. „Das war kurz nach der Euroeinführung“, erzählt Bergholz. Der habe die gleiche Grünfärbung wie der 100-Euro-Schein und sei fast genauso groß. Natürlich seien die Scheine schnell aus dem Umlauf genommen worden.

„Was passiert dann mit dem Geld?“, fragt eine Frau. Bergholz deutet auf einen Würfel aus geschredderten Scheinen im Wert von 50 000 Euro, der am Stand nebenan auf einem Tisch steht. „Shoppen kann ich damit nicht“, sagt die Frau schmunzelnd. Um Falschgeld bei regulären Euroscheinen zu erkennen, gäbe es mehrere Merkmale. Beim 50-Euro-Schein müsse sich die Farbe bei der Zahl 50 links unten von smaragdgrün zu tiefblau verändern beim Kippen. „Das ist sehr prägnantes Merkmal“, erklärt Bergholz. Wer keinen Experten aus der Bundesdruckerei fragen kann, kann sich auf der Website der Bundesbank informieren, wie man Falschgeld erkennt.

Goldbarren kann man sich dort auch anschauen. Aber wer einen mal anfassen will, muss wohl auf den nächsten Tag der offenen Tür warten. Ein kleines Goldentchen als Andenken tut es aber auch – zumindest für die Kleinsten.

Wie sieht eine falsche Geldnote eigentlich aus?
Wie sieht eine falsche Geldnote eigentlich aus? © Monika Müller
Am Eingang an der Taunusanlage geht das Geld sogar zu Fuß.
Am Eingang an der Taunusanlage geht das Geld sogar zu Fuß. © Monika Müller
Wer sich einmal auf richtig viel Kohle ausruhen will, der hat hier genau den perfekten Ort gefunden.
Wer sich einmal auf richtig viel Kohle ausruhen will, der hat hier genau den perfekten Ort gefunden. © Monika Müller
Viel Kinderunterhaltung, unter anderem mit einem Dino, den auch der Leiter der Bundesbank, Joachim Nagel (rechts), kurz herumführt, gab es natürlich ebenfalls.
Viel Kinderunterhaltung, unter anderem mit einem Dino, den auch der Leiter der Bundesbank, Joachim Nagel (rechts), kurz herumführt, gab es natürlich ebenfalls. © Monika Müller
Echtes Gold? Da will Familie Sarbu aus der Nähe von Stuttgart auch einmal anheben. (vlnr: Daniel, Vater Constantin, Stefan, Mutter Adina)
Echtes Gold? Da will Familie Sarbu aus der Nähe von Stuttgart auch einmal anheben. (vlnr: Daniel, Vater Constantin, Stefan, Mutter Adina) © Monika Müller

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