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Dirk Rübesamen hat und braucht Fingerspitzengefühl.

Silvesternacht in Frankfurt

Verantwortung für 900 Kollegen

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Stadtbrandinspektor Dirk Rübesamen koordiniert in der Silvesternacht in Frankfurt die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren.

Wenn am Silvesterabend auf die Freiwilligen Feuerwehren viel Arbeit zukommt, dann ist vor allem Dirk Rübesamen gefragt. Der 54-Jährige ist der oberste Chef der 28 Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt, die in der Silvesternacht traditionell die Berufsfeuerwehr entlasten und vor allem bei kleinen Bränden viele Einsätze fahren. „Ich habe 900 Kollegen, für die ich verantwortlich bin“, sagt Rübesamen nicht ohne Stolz, hat er doch bei der Freiwilligen Feuerwehr richtiggehend Karriere gemacht.

Aufgewachsen ist Rübesamen in Goslar im Harz. Bei einem Großbrand in der Nachbarschaft Anfang der 70er Jahre sieht er, wie Feuerwehrleute mehrere Personen aus einem brennenden Haus retten. „Das hat mich inspiriert“, erinnert sich Rübesamen. Als 14-Jähriger schließt er sich dann selbst der Freiwilligen Feuerwehr an. „Ich war schon immer einer, der den Menschen helfen wollte.“ Das zeigt sich auch, als der Wehrdienst fällig wird. Rübesamen macht lieber Zivildienst in der Schwerstpflege eines Altenheims. „Das hat mich geprägt, man glaubt gar nicht, wie dankbar alte Menschen sind.“

Urlaub bringt den Wechsel

In einem Urlaub auf Mallorca lernt er dann eine Frankfurterin kennen. Die überredet ihn Mitte der 80er Jahre zu einem einwöchigen Besuch in ihrer Heimatstadt. Rübesamen ist begeistert. „Das ist eine überschaubare Stadt, die gefällt mir“, dachte sich der „Harzer Bub“, wie er sich selbst nennt. Bis dahin kannte er von vielen Besuchen bei den Verwandten außer dem Harz vor allem Westberlin. 1985 zieht der gelernte Fleischernährungstechniker nach Frankfurt um und landet in einer aufregenden Zeit im Innendienst der Deutschen Bank. Bald muss sich Rübesamen beruflich neu orientieren, macht eine kaufmännische Ausbildung und landet bei der VR Leasing.

Seinem „Hobby“ Freiwillige Feuerwehr geht Rübesamen in dieser Zeit nicht nach. Erst 2003, als er auf einem Stadtteilfest in seinem Wohnort Nieder-Erlenbach Gerd Cerny kennenlernt, den Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Nieder-Erlenbach, kommt wieder Schwung in die Sache. Rübesamen muss die meisten Lehrgänge nochmal machen, opfert viel Zeit für Lehrgänge an der Hessischen Feuerwehrschule in Kassel. Cerny ist sich schnell sicher, dass Rübesamen das Zeug für Führungsaufgaben hat und wird dessen Mentor. 2008 wird Rübesamen selbst Wehrführer der kleinen Stadtteil-Feuerwehr in Frankfurts Norden.

Rübesamen profiliert sich in dieser Zeit und der damalige Stadtbrandinspektor, der Chef der Freiwilligen Feuerwehren ist bald der Ansicht, dass Rübesamen für noch höhere Aufgaben taugt. Wieder absolviert Rübesamen Führungslehrgänge in Kassel. Seit 2016 ist der 54-Jährige nun Stadtbrandinspektor. Was ihn auszeichnet und seine Vorgesetzten dazu bewogen hat, auf ihn zu setzen? „Das Fingerspitzengefühl, mit Menschen umgehen zu können“, sagt Rübesamen selbst. „Es geht auch darum, Werte zu vermitteln, das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt.“

Bereitschaft an Silvester

Beruflich hat es den Harzer Bub mittlerweile zur Wirtschaftsförderung Frankfurt verschlagen. Das sei ein sehr guter Arbeitgeber, sagt Rübesamen, und das nicht nur, weil das städtische Unternehmen ihn für sein anspruchsvolles Ehrenamt häufig freistellt. „Ich habe 370 zusätzliche Termine im Jahr und da sind die 28 Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren noch nicht mit drin“, so Rübesamen. Ohne seinen Stellvertreter Heiko Horvath, der sich um die ganzen Ausbildungen der freiwilligen Feuerwehrleute kümmert, sei sein Job gar nicht zu machen, betont Rübesamen. Der Stadtbrandinspektor ist die Schnittstelle zwischen der Berufsfeuerwehr und den Freiwilligen Wehren. Er koordiniert Einsätze, leitet Bedarfsanforderungen weiter und muss den Stadtteilwehren auch schon mal bei beibringen, warum ein neues Fahrzeug gerade nicht zu bekommen ist.

Am Silvesterabend um 18 Uhr wird sich Rübesamen in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr zur Lagebesprechung einfinden. In allen 28 freiwilligen Wehren wird es einen Bereitschaft geben, 16 der Wehren feiern gleich ganz auf den Wachen mit ihren Angehörigen und rücken dann immer zu den Einsätzen aus. In der Besprechung wird erörtert, wo eventuell personell noch nachgesteuert werden muss. Wenn es gut läuft, kann Rübesamen danach entspannt Silvester feiern. Auf die Freiwilligen Feuerwehren kann er sich schließlich verlassen. „Wir üben einmal die Woche“, sagt Rübesamen.

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