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Franziska Kneidl vor ihren Skulpturen in der B-Ebene der Taunusanlage.

S-Bahnstation Taunusanlage Frankfurt

Umgeben von Clowns in der S-Bahnstation

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In der S-Bahnstation Taunusanlage in Frankfurt stellt die Künstlerin Franziska Kneidl Skulpturen aus.

Wer an der S-Bahnstation Taunusanlage durch die B-Ebene läuft, zieht ab sofort viele Blicke auf sich. Lebensgroße Clown-Figuren sind an zwei Rändern der Halle drapiert. Die Skulpturen haben keine Gesichter, manche nicht einmal einen Kopf. Und doch scheinen sie die Vorbeieilenden ganz genau zu betrachten.

Aufgestellt wurden sie von Franziska Kneidl. Die Künstlerin studierte Malerei an der Städelschule, lebt und arbeitet in Frankfurt. In liebevoller Detailarbeit hat sie die Figuren aus Kunststofffolie installiert und mit bunten Acryl-, Dispersions- und Sprühfarben bearbeitet. In zwei Schaufenstern und mehreren Vitrinen sind die Skulpturen nun in der Bahnstation ausgestellt. Jede Skulptur sei ein eigener Prozess gewesen. „An manchen habe ich nur einen Tag gearbeitet, an anderen eine Woche oder mehrere Monate“, erklärt Kneidl. Dabei überlässt die Künstlerin nichts dem Zufall. Die Folien, die die Skulpturen formen, sind gezielt angerichtet.

Die Idee zur Ausstellung „Als Erstes die Clowns“ entwickelte sich, nachdem Kneidl vom Kunstverein Ebene B1 angefragt wurde. Schnell sei ihr klar geworden, dass sie sich dem Zirkus widmen wolle. Denn die Künstlerin hat eine Faszination für das Schauspiel: „Die Zirkuswelt ist seit jeher das Andere zum alltäglichen Leben“, sagt Kneidl. Das Alltägliche – an kaum einem Ort ist es so ausgeprägt, wie an Bahnstationen. Jeden Tag eilen Pendler durch die Stationen, ob auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause. Die Zirkusartisten wirken dazwischen wie Geschöpfe aus einer anderen Welt.

Die Figur des Clowns hat es Kneidl angetan: „Clowns haben etwas Ambivalentes an sich. Man fragt sich, wer dahintersteckt.“ Auch deshalb haben die Skulpturen wohl kein Gesicht, keine Mimik. Lediglich die charakteristisch roten Nasen verraten, dass es sich um die Zirkusartisten handelt. Doch es liegt im Auge des Betrachters, ob die Clowns glücklich und heiter oder doch traurig sind.

Und betrachten die Reisenden eigentlich das Treiben der Clowns oder sind doch die Clowns die Zuschauer, die das alltägliche Durcheinander in der Bahnstation beobachten? Kneidl spielt bewusst mit der außergewöhnlichen Szenerie – bei der der Betrachter plötzlich selbst mitten in der Manege steht.

Die Ausstellung außerhalb der Kunsthalle habe einen besonderen Reiz, findet auch die Kunsthistorikerin Isa Bickmann. Mehr Menschen und eine andere Öffentlichkeit, könnten an einem solchen Ort erreicht werden, sagt sie auf der Vernissage. Wie ein Wanderzirkus, der plötzlich in der Stadt auftaucht, haben die Clowns ihr Zelt in der Bahnhalle aufgeschlagen.

Reisende und Interessierte können die Skulpturen noch bis Ende März bestaunen. Und wer weiß, vielleicht wandern die Skulpturen ja noch weiter – etwa in Form nostalgischer Zirkus-Gedanken auf der weiteren Reise der Betrachter.

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