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So war die marokkanische Party auf der Zeil

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Von: Timur Tinç

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An der Konstablerwache wird mit Bengalos, Trommeln und Tröten gefeiert.
An der Konstablerwache wird mit Bengalos, Trommeln und Tröten gefeiert. © Renate Hoyer

Rund 2000 Menschen feiern an der Konstablerwache den WM-Halbfinaleinzug von Marokko. Der Verkehr musste für rund drei Stunden gesperrt werden, laut Polizei blieb es aber friedlich.

Frankfurt – Böller knallen, Leuchtraketen werden in die Luft gefeuert, und es wird zu Trommeln und Tröten getanzt. „Wir stehen im Halbfinale“, ruft ein junger Mann mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Armen seinem Freund zu. Dann umarmen sie sich und stürzen sich ins Getümmel. Am Samstagabend haben laut Polizei in der Spitze bis zu 2000 Menschen den 1:0-Sieg der marokkanischen Nationalmannschaft gegen Portugal bei der WM 2022 in der Frankfurter Innenstadt gefeiert.

Der Verkehr an der Kurt-Schumacher-Straße musste für rund drei Stunden gesperrt werden. „Papa, dürfen hier Züge fahren?“, fragt ein kleiner Junge an der Haltestelle Konstablerwache, der von seinem Vater auf dem Arm getragen wird. Die freudestrahlende Antwort: „Die Straßenbahn hat jetzt Pause.“

WM-Party auf der Zeil in Frankfurt: Insgesamt blieb es friedlich

Auch in anderen Städten wurde gefeiert. In Darmstadt feierten etwa 500 Menschen auf der Straße und mit Autokorsos. In Rüsselsheim trafen sich etwa 700 Personen. Dabei wurden auch Böller geworfen und Pyrotechnik gezündet. Verletzt worden sei aber niemand, teilte die Polizei mit.

In Frankfurt feierten ganze Familien den Sieg der „Atlas-Löwen“. Neben marokkanischen Trikots, Schals und Fahnen waren auch Flaggen der Amazigh, Palästinas, Syriens oder der Türkei zu sehen. Enis Dikmen ist mit seiner Frau und Tochter extra aus Darmstadt gekommen, um das Spiel in einem Restaurant in der Nähe zu schauen. „Es war alles voll“, sagt er lachend. Er selbst ist Türke, seine Frau Marokkanerin. „Die Marokkaner haben uns immer unterstützt, jetzt sind wir an der Reihe und feiern mit“, sagt er. Ein junger Mann hat das Spiel mit Freundinnen und Freunden in einer Shisha-Bar in der Nähe der Konstablerwache geschaut. „Das bedeutet uns alles“, sagt er.

Für Hamid Mellouki, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt, ist es ein „Traum und für alle anderen auch“. Er sei beim Spiel sehr nervös gewesen und habe Sachen rumgeschmissen. Nach Abpfiff hat er sich sofort auf den Weg zur Konstablerwache gemacht, die schon beim Achtelfinalsieg der Marokkaner gegen Spanien von rund 4000 Menschen in Beschlag genommen worden war.

Das Modegeschäft C&A hat mit Schlusspfiff seine Gitter vor dem Haupteingang runtergefahren und nur noch den Eingang über die B-Ebene ermöglicht. „Die Sicherheit geht vor“, sagt ein Mitarbeiter. Er bittet gerade ein paar Menschen, die sich das Treiben von oben anschauen, vom Fenster wegzutreten. Beim letzten Mal seien Laserpointer auf die Scheibe gehalten worden und dabei habe sich ein Kunde am Auge verletzt. Er habe sich zwar zwei Stunden mehr Umsatz gewünscht, dafür könne die Weihnachtsfeier nun zeitiger losgehen.

Die Polizei forderte am Samstagabend mehrmals dazu auf, bitte keine Böller zu werfen oder die Fahrbahn für die Feuerwehr frei zu machen. Es habe Eierwürfe auf ein Lautsprecherfahrzeug und ein beschädigtes Fahrzeug der FES gegeben sowie eine Körperverletzung, „es war aber insgesamt friedlich“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. (Timur Tinç)

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