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Der Zauberer: „Dann kam die Absage-Lawine“

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Zauberer Michael Leopold.
Zauberer Michael Leopold. © Michelle Spillner

Zauberer Michael Leopold war bis zu 150 Tage im Jahr vor Corona unterwegs. 2020 und 2021 waren es insgesamt nur 21. Auf Applaus kann er verzichten: „Wir brauchen das Geld.“

Corona, hat mich in die Bretagne gebracht“, würde Monsieur Brezelberger sagen, die Paraderolle des Zauberkünstlers Michael Leopold (63), die gerne Worte verwechselt. Bredouille meint er. Diese Figur, der „Kugelblitz des Varietés“, hat seit 24 Monaten nicht mehr viel zu sagen. Bis zu 150 Tage im Jahr war Michael Leopold vor der Pandemie mit Shows bundesweit unterwegs: mit seinem Soloprogramm „Wunder, Wahnsinn, Weltniveau“ in Theatern, als Moderator, Top-Act oder Tischzauberkünstler bei Galas und seit 21 Jahren jeden Monat mehrmals mit der „Magic Monday Show“ im legendären Frankfurter Kabarett „Die Schmiere“, immer ausverkauft. Die Schmiere ist zu seit März 2020. In dem kleinen Kellertheater dürfen unter Coronabedingungen nicht genügend Plätze besetzt werden, als dass sich eine Show finanzieren würde.

Als im Januar 2020 die ersten Informationen zu Corona über die Nachrichten kamen, präsentierte Michael Leopold sich gerade in Freiburg auf einer der größten internationalen Messen für Bühnenproduktionen und Events: „Man dachte da doch nicht, dass es zu einem kompletten Stillstand kommt.“ Am 11. März war sein letzter Auftritt: „Dann kam die Absagelawine.“ Seitdem werden die wenige Anfragen fast alle verschoben oder gecancelt.

Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin haben Zauberkünstler 2020 im Schnitt 83 Prozent Umsatzverlust erlitten. „Mindestens“ sagt Leopold. Sechs Auftritte hatte er noch im Jahr 2020, 15 im Jahr 2021, nicht einmal zehn Prozent des Normalniveaus: „Dann sollten wir Hartz IV beantragen.“ Mehr als 20 Formulare hat er ausgefüllt: abgelehnt. Seine Frau solle von dem bisschen, was sie habe, mit für ihn aufkommen. Die Soforthilfe des Bundes, vollmundig mit „drei Mal 3000 Euro“ angekündigt, bröckelte zusammen: „bis zu“ stand da, und auch nur Betriebskosten. Verloren im Kleingedruckten. Geld zum Leben: null. Acht Monate lang. Erst als im Winter 2020 die Restaurants schließen mussten und die Gastronomieverbände finanzielle Hilfen erkämpften, „haben wir in deren Windschatten davon profitiert“, sagt er. Er lebt von Erspartem. „Man muss auch mal ein halbes Jahr überbrücken können. Aber noch mal zwei Jahre geht nicht.“ Er hoffe auf den Herbst 2023. Wenn er das Gerede höre, die Kunstschaffenden bräuchten den Applaus: „Nein, wir brauchen das Geld.“

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