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Der Wirt: „Man fühlt sich alleingelassen“

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Wirt Frank Wellert.
Wirt Frank Wellert. © Michelle Spillner

Wirt Frank Wellert, Inhaber des Gasthauses „Zum Bären“ hat ein Liefergeschäft aufgebaut. Trotzdem sagt er: „Wie soll ich mit nur zehn Prozent der Einnahmen 50 Prozent der Sozialabgaben zahlen?“

Die Vorbereitungen für den Sommer liefen „und dann der Lockdown. Ich dachte: Ist das wirklich wahr, dass es so etwas gibt?“, erinnert sich Frank Wellert (55), Inhaber des Gasthauses „Zum Bären“ in Höchst. Jetzt musste er für sich und seine 24 Mitarbeitenden sorgen. „Die Frage war auch, wie kann ich sie beruhigen?“ Im ersten Lockdown haben sich alle mit Grundreinigung beschäftigt. Lebensmittel verteilte Wellert, einen Teil musste er wegwerfen. Frank Wellert ist Gastwirt mit Haut und Haaren, seit 27 Jahren in Höchst, und sein Beruf und sein Gasthaus treiben ihn ständig um. Er ist ein Anpacker, der das Glück hatte, auf eine Idee zurückgreifen zu können, die er schon vier Jahre zuvor geboren, aber nie umgesetzt hatte.

„Ich hatte beobachtet, dass das Liefergeschäft komplett an der deutschen Küche vorbeigeht.“ Er holte das Konzept der „Heimatbox“ raus und stellte ein völlig neues Geschäft auf die Beine: Webshop, App, Menüboxen produzieren, Gerichte kreieren und neue Arbeitsabläufe. „Es war Lockdown und wir haben mehr gearbeitet denn je.“

Die Achterbahn der Gefühle erleben – bis heute – alle, zwischen Freude an Gelingendem. Auch der 78-seitige Hygieneplan kann nicht verhindern, dass Weihnachtsfeiern abgesagt werden. Ämter waren nicht erreichbar, „man fühlt sich alleingelassen. Und immer die Sorge, ob man alles richtig macht.“ Tische desinfizieren, luftigere Sitzordnung – selbst im Freien, Impf- und Testnachweise überprüfen, Gästeliste führen. Dafür brauchte er allein zwei Leute. Wirklich geholfen habe der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. In Whatsapp-Gruppen wurden die ständig neuen Regelungen in kürzester Zeit kommuniziert, dort konnte man sich austauschen.

Es gab Kurzarbeitergeld – auch jetzt noch, „aber die Sozialbeiträge werden jetzt nicht mehr zu 100 Prozent übernommen. Wie soll ich mit nur zehn Prozent der Einnahmen 50 Prozent der Sozialabgaben zahlen?“

Er hoffe, dass die Mehrwertsteuersenkung beibehalten werde, das helfe. Weiterhin weiß er aber nicht, wo er steht, und wie es weitergeht.

Was wird im Sommer sein, wie wird der Herbst? Wird es Hilfen geben, wenn … Aktuell sei es wie im Lockdown, sagt Wellert: „Die Leute kommen nicht, weil sie verunsichert sind.“

Was die lange Entbehrung von Restaurantbesuchen – und vielem anderem – mit den Menschen gemacht habe, das stehe noch auf einem ganz anderen Blatt Papier: „Die Gastronomie ist das Wohnzimmer der Gesellschaft und das wurde ihr entzogen.“

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