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Der Traum vom eigenen Museum

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Von: Andreas Hartmann

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Spektakuläre Stiftungen halten die Erinnerung an Sammler und Sammlerinnen wach

Die Begeisterung für Kunst sei „die schönste Krankheit“, sagt der bekannte Auktionator Simon de Pury. Sammlerinnen und Sammler sind ein ganz eigenes Völkchen, voller Leidenschaft und Eifer. Die Sammlungen, die sie in Jahren oder Jahrzehnten zusammentragen, spiegeln oft auch den Charakter derjenigen, die sie geschaffen haben. Irgendwann kommt dann aber doch der Moment, wo der Sammler, die Sammlerin oder auch die Erben überlegen, wie es weitergehen soll. Das freut dann Leute wie de Pury und der Kunstmarkt bleibt in Bewegung.

Doch wahre Passion wünscht oft Ewigkeit, dass die Sammlung, das Lebenswerk, zusammenbleibt. So gibt es immer wieder großzügige Angebote. Im Rhein-Main-Gebiet freute sich etwa 2018 das Liebieghaus Frankfurt über kostbare Elfenbeinschnitzereien des Sammlers Reinhard Winkler, das Museum Wiesbaden erhielt 2019 die schöne Jugendstilsammlung Neess und das Frankfurter Städel erbte im vergangenen Jahr 90 Gemälde und Zeichnungen aus dem Nachlass von Ulrike Crespo.

Das bedeutende Kunstmuseum entstand übrigens selbst aus der Stiftung eines Frankfurter Kaufmanns, Johann Friedrich Städel. Dessen Name ist bis heute präsent, ja, der Mäzen ist so wohl unsterblich geworden. Um Städels enormes Vermögen gab es allerdings einen langwierigen Streit zwischen den enttäuschten Verwandten und der Stiftung. Wer stiftet, sollte das bedenken.

Ohne Stiftungen wären die deutschen und internationalen Museumswände deutlich leerer. Doch wer seine Sammlung stiftet, der muss sie eben auch abgeben. Die meisten Museen haben schlicht zu wenig Platz, so dass die meisten Geschenke im Depot schlummern. Den eigenen Namen an ein schon bestehendes Haus anzuhängen, es etwa sogar umzubenennen, gelingt dabei auch nur den wenigsten.

Man könnte also auch ein eigenes Museum gründen, wie es etwa der Frankfurter Mäzen Carlo Giersch gemacht hat oder wie es nun Reinhard Ernst und seine Frau Sonja der Stadt Wiesbaden stiften. Seit Jahrzehnten sammelt der Bauunternehmer abstrakte Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus Deutschland, Japan und den USA - es sind Namen wie Richard Serra, Jackson Pollock, Richard Diebenkorn oder Helen Frankenthaler, die heute zu den gesuchtesten (und teuersten) auf dem weltweiten Kunstmarkt gehören.

Allein von Frankenthaler besitzt der Sammler mehr als 40 Werke. Japanische Kunst der Moderne ist in deutschen Museen bisher praktisch noch gar nicht vertreten. Und auch den aus Deutschland stammenden Hans Hofmann, Pionier der Abstraktion und bedeutender Lehrer, aber dennoch hierzulande ein großer Unbekannter, hat Ernst gesammelt.

Solche großen Geschenke wie die Stiftung von Sonja und Reinhard Ernst sind selten, deutschlandweit gab es in den vergangenen Jahren vielleicht eine Handvoll solcher Schenkungen, das Museum Barbarini des Softwaremilliardärs Hasso Plattner in Potsdam, das Burda-Museum in Baden-Baden oder das Museum Brandhorst in München, alles heute bundesweite Touristenmagnete.

Nicht immer allerdings ist die Freude über solch großzügige Gaben ungeteilt. Denn das Prinzip „Wer zahlt, bestimmt die Musik“ kann tückisch sein. In Darmstadt etwa wollte das Sammlerpaar Gisa und Hans-Joachim Sander 2009 auf der Mathildenhöhe ein Museum für seine Sammlung mit Darmstädter Malerei des 18. bis 20. Jahrhunderts bauen, doch gegen die Pläne gab es heftige Widerstände. Das Projekt scheiterte schließlich.

Wer übernimmt den künftigen Unterhalt? Was wird ausgestellt? Da kann es dann auch schon mal sein, dass sich eine Stadt oder ein Staat vielleicht auf lange Zeit einen Klotz ans Bein bindet, eine Sammlung, die nicht verändert werden darf und die einen teuren Dornröschenschlaf schläft, weil sie kaum noch interessiert. Kunst ist vielen Moden unterworfen. Aber sie kann eben auch vieles erklären über den Geschmack der Zeit, in der sie entstanden ist - und über den der Zeit, in der sie gesammelt wurde.

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