Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Im spanischen Granada kaufte das Trio 100 Kilogramm Marihuana für 250.000 Euro.
+
Im spanischen Granada kaufte das Trio 100 Kilogramm Marihuana für 250.000 Euro.

Frankfurt

Prozess in Frankfurt: Der Marihuana-Todeskurier der Granada-Connection

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Vor dem Landgericht ist der Prozess gegen ein Brüderpaar wegen Handels mit Drogen mit spektakulärer Vorgeschichte gestartet.

Frankfurt – Der Prozess, der am Montagmorgen am Landgericht beginnt, ist eher langweilig. Die Geschichte dahinter ist es nicht. Langweilig ist der Prozess, weil er zumindest zu Beginn von Rechtsgesprächen und Denkpausen geprägt ist. Aber beides könnte mitunter, wie die Anklage beweist, Schlimmeres – wenn auch Spannenderes – verhindern. Und Langeweile hat schließlich noch niemanden umgebracht.

Die Gebrüder Mohamed (34) und Abdessalam (32) A. haben das möglicherweise auch noch nicht. Zumindest sind sie lediglich wegen Drogenhandels angeklagt. Im November 2017 hatten die beiden, die laut Berichten „aus dem Umfeld eine Friedrichsdorfer Pizzeria“ stammen, die nicht unbedingt für ihre gepflegten Rechtsgespräche berühmt ist, zusammen mit ihrem Bekannten Mohammed L. eine Geschäftsidee ausgebrütet.

Prozess in Frankfurt – Marihuana im Wohnmobil

Im spanischen Granada kaufte das Trio dann 100 Kilogramm Marihuana für 250.000 Euro. Als Drogenkurier sollte Norbert W. das Rauschgift in seinem Campingmobil nach Deutschland bringen. Doch wenige Stunden nach Fahrtantritt kehrte W. per pedes zu seinen Auftraggebern zurück und beschwerte sich, dass die Sicherheit im spanischen Straßenverkehr auch nicht mehr das wäre, was sie mal gewesen sei. Er sei auf der Autobahn brutal überfallen worden und beklage nun den Verlust seines Wohnmobils samt Inhalt.

Spätestens jetzt wäre Zeit für eine Denkpause und ein Rechtsgespräch gewesen, aber stattdessen toben die A.s und L. nicht schlecht, glaubten W. kein Wort uns setzten ihm ein Ultimatum, bis zu dem sie entweder Gras oder Kohle oder am besten beides wiedersehen wollten. Das Ultimatum ließ W. konsequenzlos verstreichen.

Prozess in Frankfurt: Gebrüder A. 2019 in Gießen nicht ungeschoren davongekommen

Am 28. November fuhr daher der damals 41 Jahre alte L., ein gerichtsnotorischer Gewaltmensch, mit drei in seiner belgischen Wahlheimat angeheuerten Komplizen zu W.s Wohnung in Gonterskirchen, einem Gemeindeteil Laubachs im Landkreis Gießen. Zuerst durchsuchte das Quartett die verlassene Wohnung – ohne Erfolg. Als das Ehepaar W. schließlich heimkehrte, wurden sie von den Gangstern überwältigt. Mit den Fragen „Wo Geld?“ und „Wo meine Kilos?“ schlug und trat L. so lange auf den 57 Jahre alten Norbert W. ein, bis dieser den Geist aufgab. Dann fesselten die vier W.s 59 Jahre alte Ehefrau mit Kabelbindern, legten Feuer und verbarrikadierten Türen und Fenster. Der Frau gelang es dennoch mit knapper Not, sich zu befreien und das brennende Haus zu verlassen.

Im Juli 2019 hatte das Landgericht Gießen Mohammed L. wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Auch seine mitangeklagten Helfer kamen nicht ungeschoren davon. Die Gebrüder A. waren damals aber lediglich wegen Beihilfe zu diversen Delikten zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb beziehungsweise einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Der Drogenhandel als solcher war damals nicht angeklagt worden.

Prozess in Frankfurt: Was passiert mit den Gebrüdern A.?

Dies wird nun vor dem Landgericht Frankfurt nachgeholt. Rein theoretisch könnten die A.s im Falle eines Geständnisses mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Aufgrund der in Gießen noch nicht abgesessenen Strafen ist das allerdings eher unwahrscheinlich, da dürften weder das schönste Rechtsgespräch noch Denkpausen etwas ändern. (Stefan Behr)

Zuletzt zeigte sich vor dem Amtsgericht Frankfurt, dass auch das Polizei-Imperium plötzlich verwundbar ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare