1. Startseite
  2. Frankfurt

Der Sport wartet auf ein Signal aus der Politik

Erstellt:

Von: Timur Tinç

Kommentare

Die Handballerinnen der FTG Frankfurt trainieren in der vereinseigenen Sportfabrik.
Die Handballerinnen der FTG Frankfurt trainieren in der vereinseigenen Sportfabrik. © Michael Schick

Sportvereine wie die FTG Frankfurt und Verbände fordern finanzielle Hilfen aufgrund der steigenden Energiepreise.

Natürlich nimmt die FTG Frankfurt auch in diesem Jahr wieder an den Europäischen Wochen des Sports teil. „Wir wollen die Chance nutzen, die Leute in den Verein zu holen“, sagt FTG-Geschäftsführerin Miriam Wolf. Ob Gymnastik, Hip-Hop-Dance, Vin-yasa Yoga, Inline-Skating, Floorball oder viele weitere Angebote: Der Verein lädt alle Interessierten ab dem heutigen Freitag für sieben Tage zum Ausprobieren der verschiedensten Sportarten ein. Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie ist die Frankfurter Turn- und Sportgemeinschaft geschrumpft. Es sind zwar nach dem Sommerloch wieder „deutlich über 7000“, sagt Wolf, aber 2019 zählte der Verein noch 9500 Mitglieder.

Fehlende Einnahmen, die schmerzen. Gleichzeitig rechnet der Verein aufgrund der Energiekrise mit massiven Mehrkosten. „Wir wissen, dass wir in der ersten Jahreshälfte 30 Prozent Kostensteigerung hatten in Bezug auf Gas, Wasser und Strom“, berichtet Wolf. Abschlagszahlungen seien schon angepasst und weitere Mehrkosten in das Budget für die nähere Zukunft eingeplant worden. „Wir leiden mit unseren drei eigenen Sportstätten doppelt und dreifach unter der Thematik“, sagt Wolf. Zwar sei man freier, was die Sportgestaltung angehe, aber alle Gebäude müssten mit Energie und Wasser versorgt werden.

„Wir wissen auch noch nicht, wie die Mitglieder ihr eigenes Verhalten anpassen und mehr im Verein als zu Hause duschen werden“, sagt Wolf. Das würde die Kosten zusätzlich in die Höhe treiben. Den Mitgliederbeitrag hat die FTG erst in diesem Jahr auf 16,50 Euro für Erwachsene erhöht. Von einer weiteren Erhöhung will der Verein absehen – aber es braucht Signale und Zeichen aus der Politik.

Die Europäische Woche des Sports

Alle Angebote der Europäischen Woche des Sports (23. bis 30. September) in Frankfurt und der Rhein-Main-Region finden sich unter www.beactive-frankfurt.de. Für viele muss man sich anmelden, einige lassen sich so besuchen. Das bundesweite Programm findet man auf der Webseite: www.beactive-deutschland.de.

Highlight in Frankfurt ist das Familiensportfest in der Fabriksporthalle, Westerbachstraße 80, das zum zehnten Mal steigt. Familienduos, bestehend aus einem Erwachsenen und einem Kind, können um 11 Uhr, 12.30 Uhr, 14 Uhr oder 15.30 Uhr je ein neunzigminütiges Zeitfenster online buchen, um an verschiedenen Stationen ihr Können zu beweisen. Nachmeldungen vor Ort sind möglich. Die besten Duos können Preise gewinnen. Anmeldungen unter: www.frankfurter-familiensportfest.de.

Zum Thema Energiekrise hat der Landessportbund Hessen (Lsbh) auf seiner Webseite mehrere Informationen und Links bereitgestellt. Der Lsbh unterstützt alle Vereine auch mit einer eigenen Energieberatung.

www.landessportbund-hessen.de/energiekrise

Denn bei den Entlastungspaketen der Bundesregierung wurde die Kultur bedacht, aber nicht der Sport. „Obwohl mit zunehmender Dauer der Coronavirus-Pandemie doch immer deutlicher geworden ist, dass die gesellschaftlichen und gesundheitlichen Folgen undifferenzierter Einschränkungen heftig sind und der Sport bei gesellschaftlichen Entscheidungen mit am Tisch sitzen muss“, forderte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Auch die Präsidentin des Landessportbunds Hessen (Lsbh), Juliane Kuhlmann, fordert einen höheren Stellenwert für den Sport: „Nur mit Hilfe der Politik wird es dauerhaft eine vitale Vereinslandschaft geben.“ Das Land Hessen will zu gegebener Zeit reagieren, wartet aber ebenfalls auf Signale aus dem Bund. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die Vereine im Regen stehen lassen“, sagt Jens-Uwe Münker, Abteilungsleiter Sport im Hessischen Innen- und Sportministerium. Seit Mai 2020 hat das Land in Hessen den organisierten Sport mit sechs unterschiedlichen Hilfs- und Unterstützungsprogrammen mit rund 17 Millionen Euro unterstützt.

Allerdings konnten Vereine wie die FTG Frankfurt viele der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in der Kürze der Zeit gar nicht abrufen. Insbesondere bei der Mitgliederrückgewinnung. „Der Betrag war großzügig, aber in der Kürze der Zeit nicht auszugeben“, sagt Miriam Wolf. Vergangenes Jahr waren in der Vorweihnachtszeit sechs Wochen Zeit. Damals wurde zwar ein Imagefilm produziert und ein automatisches Anmeldesystem auf der Homepage eingerichtet, aber die zur Verfügung stehenden 100 000 Euro sind dabei bei weitem nicht ausgeschöpft worden. „Es wäre wünschenswert, wenn wir da etwas mehr Freiheiten hätten, wie wir das einsetzen“, sagt Wolf. Zumal das Geld ja in den hessischen Landeshaushalt einkalkuliert war.

Die siebenjährige Jule probiert vor dem Center My Zeil die Sportart Calisthenics aus – unter Anleitung der Gruppe Flythenics.
Die siebenjährige Jule probiert vor dem Center My Zeil die Sportart Calisthenics aus – unter Anleitung der Gruppe Flythenics. © Michael Schick

Frankfurts Sportdezernent Mike Josef (SPD) wird demnächst mit den Vereinen, die Sportstätten besitzen, reden und danach mit denen, die keine haben, um zu erörtern, was die Vereine brauchen. „Wir kommen aus der Corona-Zeit, wo wir den Vereinen einiges zugemutet haben. Das können wir nicht wieder machen“, sagt Josef. Deshalb wird es in Frankfurt auch keine Schließung der Bäder geben wie in anderen Kommunen, sondern nur eine Absenkung der Temperatur in den Schwimmerbecken um zwei Grad. Wie das in den Sport- und Schulturnhallen gehandhabt werden soll, ist noch unklar.

Der Sportkreis Frankfurt sieht die Gefahr, dass die Hallennutzungsgebühren steigen könnten. „Das hat der Kämmerer angedeutet“, sagt Roland Frischkorn, Vorsitzender des Sportkreises. Er hofft, dass sich die Vereine bei der Europäischen Woche ins Rampenlicht stellen und den Wert des Sports für die Gesellschaft und Demokratie einmal mehr unterstreichen können.

„Von der Europäischen Woche des Sports sollen Initiativen, die über Frankfurt hinausgehen, ausgehen“, sagt Frischkorn und nennt als Beispiel die Kilometrierung am Mainufer, die auch andernorts umgesetzt wurde. Oder die Fitnessbank. Zudem deutet sich an, dass es mehr Sportangebote geben wird als vergangenes Jahr.

Auch interessant

Kommentare