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Der Polizist: „Das war irgendwie unwirklich

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Polizist Carsten Kehr.
Polizist Carsten Kehr. © Michelle Spillner

Polizist Carten Kehr ist Anführer der Frankfurter Fahrradstaffel. Die Arbeit hat sich innerhalb kürzester Zeit verändert: „Plötzlich war es unsere Aufgabe, Abstandsverstöße festzustellen und Zusammenkünfte von zu großen Personengruppen zu unterbinden.“

Dass sein Leben sich Anfang 2020 ändern würde, war klar. Der Polizeihauptkommissar Carsten Kehr (34) übernahm im Februar 2020 die Leitung der frisch gegründeten Fahrradstaffel, eine spannende Aufgabe, die der veränderten Situation auf den Straßen mit mehr Radler:innen und E-Scootern geschuldet ist: Sechs Beamt:innen sind seither auf Fahrrädern unterwegs und sollen als Bindeglied zwischen allen Verkehrsteilnehmer:innen das gegenseitige Verständnis stärken. Doch dann änderte sich in seinem Leben mehr als er erwartet hatte: „Mit dem ersten Lockdown gab es mehr Radler“, hat er beobachtet. Fahrräder, Pedelecs, E-Bikes – die Nachfrage stieg so sehr, dass der Handel Mühe hatte, zu liefern.

Die Bürger:innen stiegen um, sei es, dass sie öffentliche Verkehrsmittel meiden wollten, oder aber, dass sie sich an der frischen Luft die Zeit vertrieben. So gesehen kam die Fahrradstaffel zum rechten Zeitpunkt und hatte von Anfang an viel zu tun. Nicht nur an den Wochenenden waren Rad- und Fußwege voll. Man muss miteinander auskommen – dabei hilft es, wenn man sich an die Verkehrsregeln hält. Daran erinnern die Beamt:innen der Fahrradstaffel – wenn es sein muss auch mal mit einem Strafzettel. Im Blick haben Kehr und Kolleg:innen auch getunte Pedelecs, die es mit entsprechendem Umbau auch auf 80 Kilometer pro Stunde bringen können, „das ist dann kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug“, erklärt Kehr. Da müssten dann eigentlich Nummernschilder dran, es gibt eine Versicherungspflicht und garantierten Ärger. Und es ist gefährlich: Wer damit kollidiert…

Die Fahrradstaffel ist Teil des Verkehrsüberwachungsdiensts der Polizei. Der hat vor allem bei problematischen Verkehrslagen, bei Demonstrationen, sportlichen Großereignissen, Iron Man, JP-Morgan-Lauf und Fußballspielen zu tun. Und davon gab es in den vergangenen zwei Jahren deutlich weniger, „das ist für uns einschneidend“, so Kehr.

Die Arbeit änderte sich: „Plötzlich war es unsere Aufgabe, Abstandsverstöße festzustellen und Zusammenkünfte von zu großen Personengruppen zu unterbinden.“ An Wochenenden, wenn entgegen der Abstandsregeln und des bisweilen geltenden Alkoholverbots im Freien auf den Plätzen gefeiert worden sei, sei die Stimmung schon mal aufgeladen gewesen. Er könne den Eindruck bestätigen, dass es Menschen gebe, die zunehmend gereizter seien und „polizeilichen Maßnahmen nicht so zugeneigt sind“. Und er erinnert sich an eine Fahrradstreifentour an einem Morgen während des Lockdowns, als die Stadt fast leer gewesen sei: „Das war irgendwie unwirklich.“

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