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„Der Ofen läuft rund um die Uhr“

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Tierbestatter Hans-Peter Clieves mit einer Urne.
Tierbestatter Hans-Peter Clieves mit einer Urne. © Nikolai Kuhnert

Beim Tierbestatter „Anubis“ in Frankfurt können die Trauernden die Einäscherung über eine Kamera verfolgen.

Der Abschied vom geliebten Haustier ist schwer. Zum Verlust kommt bei vielen die Angst, dass der Kadaver ihres Lieblings in einer Abdeckerei zu Seife verarbeitet wird. Doch diese Sorge sei nicht berechtigt, sagt Hans-Peter Clieves von der Tierbestattung „Anubis“ in Zeilsheim.

Es gebe zwar Seifen, Kerzen oder Schmieröle, für deren Herstellung Teile von Tierkadavern verwendet würden, meist sei es tierisches Fett. Das Tiermehl, zu dem viele Haustierkadaver in der „Tierkörperbeseitigungsanlage“ verarbeitet würden, lande aber nicht in solchen Produkten – es wird als Futtermittel verwendet oder darf unter Auflagen als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Auch kein schöner Gedanke, deshalb haben sich in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Haustierbesitzer:innen gegen die „Tierkörperbeseitigung“ und für die Beerdigung oder Einäscherung entschieden. „Die Beerdigung ist sehr selten. Der Ofen im Krematorium hingegen läuft rund um die Uhr. Wir überlegen uns sogar, einen zweiten anzuschaffen“, sagt „Anubis“-Mitarbeiter Clieves. Anubis ist der altägyptische Gott der Totenriten und der Mumifizierung. Er wird vorwiegend als schwarzer Hund, Schakal oder als Mensch mit einem Hundekopf dargestellt. Hunde wurden im alten Ägypten als Führer der Seelen ins Land der Toten angesehen, und Gott Anubis überwachte die richtige Balsamierung eines Leichnams.

Damit die Hunde, Katzen oder andere Tiere eingeäschert werden und nicht in der Tierkörperbeseitigungsanlage landen, müssen die Besitzer oder Besitzerinnen Kontakt mit der Tierbestattung aufnehmen. „99,5 Prozent informieren sich erst ab dem Todestag des Haustieres über das weitere Vorgehen.

Es kommt nur sehr selten vor, dass mich jemand kontaktiert, dessen Tier noch lebt“, berichtet Clieves. Dabei hätte es viele Vorteile, wenn sich die Haustierhalter schon vorher über den Tod ihrer Lieblinge informierten.

„Oft ist für sie dann der Trauerprozess einfacher, weil sie die Gewissheit haben. Sie wissen, was passiert und wer sich um das Tier kümmert.“ Wenn der Tierbestatter erst nach dem Tod von Hund oder Katze gerufen werde, dann sei die wichtigste Aufgabe erst einmal die Seelsorge. „Viele sind aufgelöst. Ich spreche dann so lange mit ihnen, wie sie wollen. Ich sage immer, dass ich zwei Aufgaben habe. Die eine ist die Pflicht – und das andere die Kür.“ Pflicht sei, sich um das Tier zu kümmern, die Kür aber das Gespräch mit den Menschen. „Für mich ist es das größte Kompliment, wenn ich auch dem Menschen wirklich helfen konnte.“

Hundesteuer

In Frankfurt sind etwa 18 000 Hunde gemeldet. Die Hundesteuer beträgt je Kalenderjahr für jeden Hund 102 Euro, für als gefährlich eingestufte Hunde ist die Steuer mit 900 Euro deutlich höher, wird aber auf 225 Euro gemindert, wenn man eine entsprechende Hundeführerprüfung ablegt.

Hohe Geldbußen drohen Halter:innen, die „vorsätzlich oder leichtfertig“ den Meldepflichten für ihre Hunde nicht nachkommen.

Eine Befreiung von der Hundesteuer ist auf Antrag möglich, etwa für Personen, die auf einen Blindenhund angewiesen sind, und Menschen mit sehr geringem Einkommen. Ausnahmeregelungen gelten auch für Diensthunde von Polizei, Zoll oder Rettungsdienst.

2010 begann Clieves, als Tierbestatter zu arbeiten. „Das ist mein Job in der Rente. Sonst würde ich nur zu Hause sitzen.“ Zuvor arbeitete der promovierte Physiker als Unternehmensberater. Aber schon immer begleiteten ihn Hunde durch sein Leben; seit 20 Jahren züchtet er selbst. „Auf Tierbestattungen bin ich gekommen, weil ich selbst Stammkunde war“, sagt Clieves. 25 Urnen habe er zu Hause stehen; derzeit leben neun Hunde bei ihm und seiner Frau. Auf die Idee, selbst Tierbestatter zu werden, kam er vor 13 Jahren, als „seine“ Tierbestattung zu schließen drohte. Kurzerhand übernahm er den Laden, der zum bundesweiten Franchiseunternehmen „Anubis“ gehört. Damals waren die Geschäftsräume in der Nähe von Rüsselsheim. Weil aber die meisten Anfragen aus Frankfurt kamen, suchte er einen neuen Standort – und fand ihn an der Hofheimer Straße in Zeilsheim.

Dann baute er mit zwei Kollegen aus anderen Regionen ein gemeinsames Tierkrematorium in Ludwigshafen. Falls sich die Besitzer ein letztes Mal verabschieden wollen, ist es möglich, dort bei der Einäscherung dabei zu sein. Über eine Kamera können die Trauernden sehen, wie das Tier auf einer Bahre ins Krematorium geschoben wird. Je nach Größe des Körpers dauert die Verbrennung bis zu drei Stunden. Danach bekommen die Tierbesitzer die Asche ihres Lieblings gleich mit. Wenn der Haustierhalter nicht dabei ist, wird ein Termin zur Übergabe vereinbart.

Die Einäscherung kostet zwischen 95 und 350 Euro – das richtet sich nach der Größe und dem Gewicht des Tieres. Die Asche bewahren die meisten in einer Urne auf. „Die Auswahl ist riesig, fünf Mal größer als für Menschen, weil es sie auch in unterschiedlichen Formen gibt“, erklärt Clieves. Am wichtigsten sei aber, dass die Urne eine schöne Erinnerung an das Tier sei, das für nicht wenige den Status eines Familienmitglieds habe.

Infos unter www.anubis-rhein- main.de sowie montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr unter 069/300 389 80. Das Bereitschaftstelefon ist rund um die Uhr unter 0151/115 115 45 erreichbar.

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