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OB Feldmann erzählt FR-Leserinnen und Lesern vor der Paulskirche, was Wein und Demokratie miteinander zu tun haben. christoph boeckheler

Tagestour

Der Oberbürgermeister als Reiseleiter für FR-Leser

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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FR-Leserinnen und FR-Leser gehen mit Oberbürgermeister Peter Feldmann auf Tagestour. Es geht um Demokratie und Wein – und wie das beides zusammenhängt.

Das Frankfurter Nationalgetränk ist der Apfelwein. Schon klar. Dass aber eigentlich Frankfurt ein Weinbaugebiet war und nur notgedrungen auf den Apfelwein umstieg, das erfuhren zwölf FR-Leserinnen und FR-Leser bei einer Tagesfahrt zum Thema „Wein und Demokratie“. Reiseleiter: Oberbürgermeister Peter Feldmann. „Die jahrhundertealte Weingeschichte der Stadt ist fast vergessen, überlagert von der Apfelwein-Tradition“, erklärte Feldmann den Leserinnen und Lesern. Dabei sei das mit dem Apfelwein erst im 19. Jahrhundert aufgekommen, nachdem „die Reblaus die Trauben zunichte gemacht hatte“.

Feldmann erzählte das am Dienstag im Laden des städtischen Weinguts im Römer, wo die Tour begann. Hinter ihm eine wandfüllende Kopie des Gemäldes „Das Mainufer am Fahrtor“ von 1757 mit Markttreiben. Und mit vielen Fässern. Denn Wein war damals ein wichtiges Handelsgut. „Der Handel hat die Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist“, sagte Feldmann. Messestadt, Bankenmetropole, ein Ort, an dem sich Menschen aus der ganzen Welt niederlassen.

Die Wein- und Handelsgeschichte in Frankfurt habe auch mit dem Weg zur Demokratie zu tun, sagte Feldmann auf dem Weg zur Paulskirche, Symbol der Demokratiebewegung in Deutschland. Um Demokratie sollte es schließlich auf der Tour gehen.

Eigentlich hatte die Reise schon im März stattfinden sollen, musste wegen der Pandemie aber abgesagt werden. „Das war eine lange Vorfreude“, scherzt FR-Leserin Britta Seifert. Zurück zur Paulskirche, dem Handel und der Demokratie. „Händler mögen keine Kriege, so verlieren sie ihre Lebensgrundlage“, erklärte Feldmann. Sie bräuchten Frieden, würden sich lieber austauschen als bekriegen – welcher Ort sollte also besser für die Entwicklung der Demokratie gewesen sein als Frankfurt?

Doch auch Orte in der Region spielten vor der Paulskirchenversammlung 1848 eine Rolle. Deshalb ging es an diesem Tag auch in den Rheingau. Zunächst aber noch ein Stopp auf dem letzten Weinberg Frankfurts auf städtischem Gebiet: dem Lohrberg. „Wir sind vom Rheingau adoptiert als der östlichste Zipfel“, erläuterte Feldmann. Das sei auch ein Zeichen der guten Beziehungen zur Region. Der viel größere Teil des städtischen Weinguts liegt aber in Hochheim. Dort zeigte Armin Rupp, der das städtische Weingut in der elften Generation bewirtschaftet, den Weinkeller, in dem die 150 000 Liter Wein jährlich abgefüllt werden.

Weiter nach Hallgarten, wo Adam von Itzstein begraben ist, der auf seinem Weingut liberale Vordenker im Vorfeld der Nationalversammlung zusammenrief. Und die in seinem Gartenhaus auch dem Wein sehr zugetan gewesen waren, sagte Winzer Markus Bonsels bei einem Glas „Kleiner Revoluzzer“, einem Riesling. „Vermutlich ließ sich angesäuselt leichter über Demokratie reden.“

Nach einem Stopp im Brentanohaus in Oestrich-Winkel ging es zur letzten Station nach Assmannshausen ins Hotel Krone. Dort sprachen Helmut Kohl und François Mitterrand im Juni 1990 darüber, „wie man die deutsche Wiedervereinigung bewerkstelligen kann“, erzählte Reiseleiter Feldmann. Dabei gab es die von Kohl gewünschten pfälzischen Spezialitäten – und Wein.

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