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Das Forschungsschiff „Polarstern“ im schmelzenden Nordpol-Eis. Auch dort zeigt sich, dass wir das Klima-Ruder herumreißen müssen.

Nachhaltigkeit

Der Mensch und andere Tiere

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die Frankfurter Nachhaltigkeitskonferenz „Zukunftsfragen“ ist vorbei – die Probleme bleiben. Statt im Saal trafen sich die Teilnehmenden anderswo.

Stell dir vor, du bist auf einer Nachhaltigkeitskonferenz mit bis zu 1300 Teilnehmern – und alle sitzen daheim am Computer. Corona macht’s nötig, aber auch möglich: Wäre die Tagung „Zukunftsfragen“ im Saal gelaufen wie geplant, hätten längst nicht so viele live dabei sein können.

Das ist ein Fazit der vier Abende in dieser Woche, veranstaltet von der EKHN-Kulturstiftung und der Senckenberg-Gesellschaft. „Digital ist fast noch nachhaltiger“, sagt Friederike von Bünau, die Geschäftsführerin der Stiftung, „zumal die Aufzeichnungen ja weiterhin auf Youtube zu sehen sind.“ Und ein inhaltliches Fazit von Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger: „Wir brauchen einen neuen Ansatz – ein System, in dem alle Entscheidungen kompatibel sind mit einer ökosozialen Marktwirtschaft.“

Darauf lief die Veranstaltung zielgerichtet hinaus: Ein „Weiter so“ wäre fatal. „Das Thema Nachhaltigkeit steht ganz oben auf der Prioritätenliste einer am Rand ihrer Selbstzerstörung angelangten Menschheit“, sagte der Bonner Philosophieprofessor Markus Gabriel. Wir müssten zurück zu den Methoden der Vorfahren, etwa Häuser bauen, die im Prinzip für die Ewigkeit gemacht sind. „Nutzen wir Corona als Übungsplatz für die erheblich größere Krise: die ökologische“, rief er auf. Ethik müsse Pflichtfach spätestens in der Grundschule werden, denn: Nachhaltigkeit als oberstes Ziel sei unsere Verantwortung gegenüber „den anderen Tieren“.

Die Vielfalt der Redner:innen bereicherte die Konferenz. Da sprachen – gern auch mal mit einem Bügelbrett im Hintergrund – Philosophen in die heimische PC-Kamera, Naturforscherinnen und -forscher, Politiker:innen, Leute aus Wirtschaft und Kultur. Der Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind verglich den Weg hin zur Nachhaltigkeit („Zukunftskunst“) mit anderen Lernprozessen der Menschheit, etwa der Abschaffung der Sklaverei und der Gleichberechtigung der Frau: „Irgendwann kann man gar nicht mehr nachvollziehen, dass es früher mal anders lief.“

Vielfalt bewahren

Europaabgeordnete Anna Cavazzini, wie Schneidewind von den Grünen, zur Frage, wieso es nicht flotter gehe beim Klimaschutz: „Wir müssen gucken, wie wir die nötigen Mehrheiten erreichen.“ Christof Schenck von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt mahnte, die Artenvielfalt als Basis für alles zu erhalten. Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen verglich: „Wer von euch kackt regelmäßig ins eigene Wohnzimmer? Warum nicht? Weil unser Zuhause heilig ist.“ Warum nicht die Erde, das Zuhause der Weltbevölkerung? Die Polar- und Tiefseeforscherin Antje Boetius zeigte mit grandiosen Fotos des Forschungsschiffs „Polarstern“, was uns am Nordpol davonschmilzt.

Große Aufmerksamkeit erhielten junge Redner:innen von „ Fridays for Future“, Attac und der 15-jährige Frankfurter Baumbotschafter Moritz von Winning. Im Onlinechat verfolgten viele die Konferenz mit Leidenschaft: „Wir packen es an!“

Das wäre im Sinne der Veranstalter. „Je früher wir anfangen, desto geringer die menschlichen Dramen“, sagte Volker Mosbrugger. Und Friederike von Bünau sieht das digitale Experiment gelungen: „Es ging darum, das Bewusstsein anzuregen – ein Gespür für die Zerbrechlichkeit.“ Der Weg soll nach der Evaluierung der Konferenz weitergehen.

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