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Drei Meter groß, 400 Kilo schwer – der größte Primat, der jemals lebte. Gigantopithecus blacki, hier im Größenvergleich mit dem Menschen. Tessa Machinchick / Occasione Documentaries
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Drei Meter groß, 400 Kilo schwer – der größte Primat, der jemals lebte. Gigantopithecus blacki, hier im Größenvergleich mit dem Menschen. Tessa Machinchick / Occasione Documentaries

Dokumentarfilm

Der Mann, der Mensch und Gigant erforschte

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Über den berühmten Wissenschaftler Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald haben Frankfurter Filmemacher eine spannende Dokumentation gedreht.

Hier geht es gleich um ein riesiges unbekanntes Wesen. Und um einen unerschrockenen Forscher. Unlängst jährte sich nämlich zum 39. Mal der Todestag von Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald. Nicht gerade ein runder Gedenktag – aber auch kein Hindernis für einige seiner Bewunderer, filmisch auf sein Leben zurückzublicken. „Was macht uns zum Menschen?“ haben Oliver G. Becker, Stefan Knauer und Dennis Westenberger die Dokumentation über den großen Forscher genannt.

Gustav wer? Von Koenigswald – die Senckenberg-Gesellschaft veranstaltet unter seinem Namen und zu seinen Ehren jedes Jahr einen hochrangigen wissenschaftlichen Vortrag, die sogenannte Koenigswald-Lecture. Die renommiertesten Forscher aus aller Welt reisen dazu nach Frankfurt. Das wäre zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Da geht Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald noch zur Schule, und die Beurteilungen sind eher mau, wie der Film launig aufgreift.

Gang und Haltung seien „recht schlecht“, heißt es in einem Bericht über den Schüler, Sauberkeit „noch zweifelhaft“, Handschrift „sehr schlecht – aus Nachlässigkeit“. Sprache: „Stoßweise. Auch setzt Ralph den Ton zu tief im Kehlkopfe an.“ Manieren: „mangelhaft. R. ist in seiner Entwicklung um Jahre zurück“. In der Rubrik für besondere Fähigkeiten jedoch: „im Grunde wohl Naturwissenschaften“.

Zahnsammlung, fossil. Archiv GHR v Koenigswald, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Mit Letzterem lagen die Pädagogen dann richtig, wie der kurzweilige und doch von Forschungsgeist durchdrungene Film der Projektgemeinschaft Becker/Knauer/Westenberger zeigt. Von Koenigswald, aus brasilianisch-dänischem Elternhaus, zieht es in jungen Jahren mit Eisenbahn und Fahrrad ins Frankfurter Senckenberg-Museum, von dessen Schätzen er träumt. Später wird er für den Niederländischen Geologischen Dienst nach Java reisen und Gestein untersuchen. Eigentlich ist er jedoch auf der Suche nach den Ursprüngen der menschlichen Existenz. Dass die Wiege des Menschen nicht, wie bis dahin behauptet, in Europa liegt, wird er bald erkennen, unter anderem in Malawi, wo ein späterer bekannter Senckenberg-Forscher, Friedemann Schrenk, im Film davon erzählt.

ZU DEN PERSONEN

Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald (1902–1982) war ein niederländisch-deutscher Forscher, der sich mit der Entstehungsgeschichte der Menschheit intensiv befasste. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung widmet ihm jedes Jahr einen hochrangigen Vortrag, die Koenigswald-Lecture.

Oliver Gunnar Becker, geboren 1966, hat mit Stefan Knauer und Dennis Westenberger eine Dokumentation über den großen Forscher gedreht. Becker, Journalist und Autor, arbeitete unter anderem für 3Sat, ZDF, New Jersey Public TV Network und Arte. Gemeinsam mit Friedrich Küppersbusch realisierte er für das ZDF einen Film und ein Buch über Deutschlands letzte Todeskandidatin: „Lebenslänglich Todesstrafe“. Im Zuge eines Films für Arte über sogenannte Muti-Morde in Südafrika arbeitete er sich tief in Hexenkult und seine Auswüchse ein.
Für weitere Produktionen recherchierte er etwa über Christen im Südsudan, Klimawandel und Schlangenbisse in Bangladesch, Fußball und Magie in Afrika, Exorzismus in Litauen, das Schicksal der Nachkommen afrikanischer Besatzungssoldaten des Ersten Weltkriegs und über den Mord am 13-jährigen Tristan Brübach 1998 in Höchst. Mehr über Becker auf der Internetseite seiner Firma: www.occasione.de

In Asien entdeckt von Koenigswald in den 1930er Jahren jenes riesige unbekannte Wesen, von dem eingangs die Rede war, Gigantopithecus blacki. Einige Zähne, die er in Hongkong erwirbt, führen ihn auf die Spur. Damals verkaufen die chinesischen Apotheken angebliche „Drachenzähne“, und die Menschen dort glauben an deren heilsame Wirkung. Damit der Apotheker die Zähne nicht wie gewohnt umgehend in einen Mörser wirft und zu Pulver zermahlt, besorgt sich der Forscher eigens ein ärztliches Rezept. Seine Funde bringen ihn schließlich zu der Erkenntnis: Beim Gigantopithecus muss sich um einen Primaten gehandelt haben, doppelt so groß wie ein Orang-Utan, drei Meter hoch und 400 Kilogramm schwer.

Die wichtigsten Beweise der Koenigswald’schen Forschung, sagt Regisseur Oliver Becker, liegen bis heute bei Senckenberg unter Verschluss. Nur ganz selten werden sie einmal ausgestellt, bestätigt Friedemann Schrenk, dann aber unter striktesten Sicherheitsvorkehrungen, zuletzt 2015 im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. „Jeder kennt die Alte Oper, aber solch ein wichtiges Stück der Menschheitsgeschichte liegt im Tresor“, sagt Becker. „Wir wollten es wenigstens ein Stück weit ans Licht holen.“ Der Film (Kamera: Dennis Westenberger und Shem Kumwenda, Schnitt: Stefan Knauer) erhielt die Projektförderung der Hessischen Kulturstiftung. Schauspieler Philipp Hunscha ist dokumentarisch in der Rolle des berühmten Forschers zu sehen.

Von Koenigswald bei der Forschung im Gelände in Indonesien. Archiv GHR v Koenigswald, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

„Wir sind die einzigen Lebewesen, die morgens in einer vollbesetzten U-Bahn sitzen und nicht mit dem Gegenüber sprechen wollen“, hat Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald gesagt. Er habe bis an seinen letzten Tag, fast 80-jährig, geforscht, gearbeitet, veröffentlicht sagen Zeitzeugen im Film. Wenn man Fossilien sammele, sei das infektiös: „Es ist fast wie eine Krankheit“ – und diese Krankheit habe von Koenigswald gehabt. Das zeigt der gut 40-minütige Film. Er soll „definitiv“ bald in Frankfurt und auch in Wiesbaden aufgeführt werden, sagt Becker, und auch in der Villa der Reimers-Stiftung in Bad Homburg, die die Produktion unterstützte. Friedemann Schrenk habe angekündigt, den Film bei der Koenigswald-Lecture im November zu zeigen.

Von den angefragten Fernsehsendern habe sich bisher keiner gerührt – aber das kann sich ja nun schnell ändern. (Thomas Stillbauer)

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