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Immer auf Ballhöhe: Lars Weingärtner (links), hier mit Jugendtrainer und Ex-Profi Thomas Broich.
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Immer auf Ballhöhe: Lars Weingärtner (links), hier mit Jugendtrainer und Ex-Profi Thomas Broich.

SGE

Eintracht Frankfurt: Der Mann am Fan-Radio gibt Einblick hinter die Kulissen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Lars Weingärtner kommentiert die Fußballspiele von Eintracht Frankfurt im Internet. Am Sonntag kommt’s drauf an.

Das Wichtigste zuerst: Wir schaffen das. Also die Eintracht. Schafft den Einzug in die Champions League am Ende der Saison. „Weil wir noch zwei Heimspiele haben, das nächste am kommenden Sonntag gegen Mainz, und weil wir in dieser Saison noch kein Heimspiel verloren haben. Außerdem werden Dortmund und Wolfsburg auch noch mal ins Straucheln kommen.“ Sagt wer? Sagt Lars Weingärtner, und der ist so live dabei – livehaftiger geht’s nicht.

Der 32-Jährige hilft Eintracht-Fans gerade durch diese harte Phase. Ins Stadion darf niemand, also hören viele Radio, wenn die Mannschaft spielt. Am Mikrofon sitzt dann mindestens einer aus dem vierköpfigen Reporterteam der Adlerträger, und dazu zählt Weingärtner seit Anbeginn, konkret: seit dem 22. August 2019.

Eintracht Frankfurt: Fan-Radio seit 2019

Da spielte die Eintracht auswärts in Straßburg, Europapokal. In der Phase hatte der Leiter der Medien- und Kommunikationsabteilung der Eintracht, Jan Martin Strasheim, die Idee: Radio wäre gut. Reportagen von den Fußballspielen, selbst gemacht für die Fans. „Wir haben erst überlegt, nur ausgewählte Spiele zu übertragen“, sagt Weingärtner, „aber der Zuspruch war so gut – wir konnten gar nicht anders, als bei allen Partien zu senden.“

Der ausgebildete Journalist hat ein Volontariat beim Funk gemacht, für Radio- und Fernsehsender gearbeitet, und er bringt eine weitere wichtige Voraussetzung mit: „Mein Vater ist Eintracht-Fan, meine drei älteren Brüder auch, und bei denen habe ich schon als Bub im Stadion auf den Schultern gesessen.“ Von diesem Premiumplatz aus jubelte er Maurizio Gaudino zu und Bachirou Salou, später folgten viele Reisen zu Auswärtsspielen und schließlich die Anstellung als Eintracht-Medienmann.

Wie muss man sich die Situation vorstellen, in der die Reporter das Spiel sehen? „Wir sitzen bei den Heimspielen auf der Pressetribüne, auch auswärts sind wir fast immer vor Ort.“ Momentan, wegen Corona, kommt es aber durchaus vor, dass der Kommentar bei Auswärtsbegegnungen aus dem Homeoffice kommt: mit dem Headset auf der Couch vor dem Fernseher.

SPIEL & FANAKTION

Lars Weingärtner, 32, ist Reporter im Fanradio. Seine eigene Position als Fußballspieler: Torwart.

Am Sonntag, 9. Mai, 15.30 Uhr, spielt Eintracht Frankfurt gegen den 1. FSV Mainz 05. Die Partie wird live übertragen im Onlineradio Eintracht FM unter fans.eintracht.de/erleben/eintrachtfm und in der App „Mainaqila“.

51 500 Postkarten mit Anfeuerungen wollen Eintrachtfans der Mannschaft schicken – die Zahl der Plätze im Stadion, die wegen Corona leer bleiben. Die Aktion soll das Team in den letzten drei Saisonspielen um die Qualifikation für die Champions League unterstützen. Adresse zu Mitmachen: Eintracht Frankfurt Fußball AG, Mörfelder Landstraße 362, 60528 Frankfurt.

Regelmäßig sind prominente Gäste dabei. Ex-Spieler wie Benjamin Köhler, Rudi Bommer oder Uwe Bindewald geben ihre Einschätzung während der 90 Minuten ab, Jugendtrainer Thomas Broich war zu hören, auch aktuelle Spieler kommen zu Wort, wenn sie etwa gerade verletzt oder gesperrt sind. Aufstiegsheld Alexander Schur lobte bei seinem Besuch, dass die Reporter halbwegs neutral blieben. Betonung auf halbwegs. „Natürlich sind wir ein bisschen parteiisch“, sagt Lars Weingärtner. „Aber es ist uns wichtig, dass wir respektvoll bleiben gegenüber dem Schiedsrichter und den Spielern der gegnerischen Mannschaft.“

Eintracht Frankfurt: Eigene Tore werden im Radio gefeiert

Kann schon mal passieren, dass der Mann am Mikro auch ein paar anerkennende Worte für ein Traumtor der anderen Mannschaft findet. „Aber unsere eigenen Tore feiern wir natürlich mit wesentlich mehr Emotion und Leidenschaft.“

Es gibt ganz unterschiedliche Ansätze, Eintracht FM zu hören. Viele schalten die Reportagen als reine Radioübertragung ein, andere verwenden sie zusätzlich zum Fernsehbild, wenn im Originalton des Bezahl-TV mal wieder jemand seine Sympathie für den Gegner nicht verstecken kann. Dann gibt es manchmal einen interessanten Effekt: Entweder fällt das Tor im Internetradio eine oder zwei Sekunden später als im Fernsehen – oder sogar eine halbe Minute früher. Das ist dann der Fall, wenn auch das Bild übers Internet gestreamt wird. „Wir hören oft von den Fans, dass sie den Fernsehton ausschalten und lieber uns zuhören“, sagt Lars Weingärtner. „Dann hat man vielleicht doch einen Funken mehr Atmosphäre aus dem Stadion.“

Nicht nur in Rhein-Main, auch im Ausland schalten viele das Eintracht-Radio ein. Aus Österreich, sogar aus Asien und aus den USA kommen Rückmeldungen. Insgesamt seien während eines Spiels bis zu 20 000 Hörerinnen und Hörer dabei, sagt Weingärtner, und über die gesamte Dauer im Schnitt etwa 10 000. Die Zahlen variieren je nach Anstoßzeit. Das klassische 15.30-Uhr-Spiel am Samstag liegt dabei gar nicht vorn. Die sogenannten Randzeiten, etwa Freitag- oder Sonntagabend, versammeln mehr Fans an den Empfangsgeräten.

Eintracht Frankfurt: Mann am Mikro fiebert mit

Wie schwer ist es, die gute Laune als Reporter zu behalten, wenn es auf dem Platz mal nicht so läuft? „Man ist ja Fan und fiebert mit“, sagt Lars Weingärtner. „Aber unsere Aufgabe ist es dann, die Leute wieder ein bisschen aufzumuntern, nach dem Motto: Das ist heute halt mal ein Tag, da passt nicht viel zusammen, aber es kommen auch wieder bessere Spiele.“ In dieser Rolle ließen sich Enttäuschungen sogar ein bisschen besser verkraften.

Aber weg mit solch trüben Gedanken – wir schaffen das mit der Champions League, ja? „Natürlich. Das Spiel gegen Mainz ist wichtig, das könnte die entscheidende Partie sein. Und auf Schalke muss man in dieser Saison sowieso gewinnen, wenn man in die Champions League will.“

Ist Weingärtner am Sonntag selbst am Mikrofon? „Auf jeden Fall. Die letzten Spiele lasse ich mir jetzt nicht mehr nehmen.“

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