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Birgit Kasper leitet die Koordinations- und Beratungsstelle des Netzwerks Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e. V. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss Frankfurter Wohnprojekte, vernetzt und berät.
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Birgit Kasper leitet die Koordinations- und Beratungsstelle des Netzwerks Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e. V. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss Frankfurter Wohnprojekte, vernetzt und berät.

Wohnprojekte

„Der Luxus liegt im Teilen“

  • vonIsabel Knippel
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Immer mehr Leute interessieren sich für gemeinschaftliche Wohnformen. Birgit Kasper erklärt diesen Trend.

Wie entsteht ein gemeinschaftliches Wohnprojekt?

Das braucht seine Zeit. Ich erkläre es mal so: Das ist nicht wie auf dem Wohnungsmarkt, wo die Nachbarn durch Zufall zusammengewürfelt sind. Die Leute finden sich schon vor dem Einzug zusammen, es kommen nach und nach immer mehr dazu, wie bei einer Graswurzelbewegung.

Und was ist Ihre Rolle dabei?

Ich unterstütze die Interessierten dabei, selbstständig ihr Zusammenleben zu koordinieren. Wir als Netzwerk machen Infoveranstaltungen, zeigen Wege auf und beraten unter anderem zu Rechtsformen oder bei Methoden der Entscheidungsfindung. Da geht es um Miete und Verträge, aber auch um gemeinsame Veranstaltungen. Es soll beispielsweise für Entscheidungen Konsens geschaffen werden, so dass möglichst viele Meinungen miteinbezogen werden.

Dauern Entscheidungen dadurch nicht viel länger?

In der Summe gibt es auf diese Weise weniger Verlierer:innen, weil man aufeinander eingeht. Manche sind sehr engagiert, andere haben weniger Zeit zur Beteiligung, stellen sich dem aber nicht in den Weg. Das bremst dann aber nicht diejenigen, die was machen wollen. Trotzdem hat jede Person ein Vetorecht und kann scharfen Widerspruch deutlich machen. Ich erlebe selbst, dass immer mehr Leute Interesse daran und an gemeinschaftlichem Wohnen insgesamt zeigen.

Was sind denn die Gründe, sich für gemeinschaftliches Wohnen zu entscheiden?

Zu den Veranstaltungen kommen die unterschiedlichsten Leute, allen Alters, Einkommens und aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Aber alle zusammen stellen fest: Es gibt irgendeinen Wunsch, der nicht erfüllt wird bei dem, wie sie aktuell wohnen. Entweder die Mietpreise steigen willkürlich, man braucht mehr Platz für das Leben mit Kindern oder eine ältere Dame sucht eine gute Hausgemeinschaft im Alter. Viele sagen: „Ich brauche Menschen um mich herum, um mich glücklich zu fühlen“ oder „Ich will mich mehr engagieren oder ökologischer leben“. Familien können ihren Kindern mehr Raum zum Spielen bieten. Der Luxus liegt im Teilen, im Sich-umeinander-kümmern. Der Wohnraum ist hier kein Geschäftsmodell.

Wie ist gemeinschaftliches Wohnen unter Corona-Bedingungen?

Viele sagen, es zeige, wie wichtig funktionierende Nachbarschaft sei, gerade jetzt, wo es so schwierig ist zueinanderzufinden. Ich glaube, dass Menschen in Krisenzeiten in einem Wohnprojekt besser aufgehoben sind, weil immer jemand da ist und man sich gegenseitig hilft. Manche bauen das Dachgeschoss zum Coworking-Space um oder nutzen gemeinsam den Garten. Sie haben mehr Platz und mehr Ideen zusammenzukommen, können über die Herausforderungen reden. Sie geben aufeinander acht, sind nicht gleichgültig.

Interview: Isabel Knippel

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