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Der Karl-Popper-Schule für Hochbegabte droht das Aus

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Geschäftsführerin bestätigt Verfehlungen, die aber im Zusammenhang mit dem Kindeswohl stünden. Sie wünscht sich eine zweite Chance.

Er hat Jahre des Leidens hinter sich: Der 15-Jährige wurde in der Schule gemobbt, wollte dort nicht mehr hingehen, zog sich zurück, wollte nicht mehr sprechen. Das hat sich erst geändert, seitdem der Junge die Karl-Popper-Schule in Niederrad besucht, ein privates Gymnasium mit individueller Begabungsförderung. „Hier geht es mir viel besser. Ich werde akzeptiert“, sagt Mike, der eigentlich anders heißt. „Hier sind Kinder wie ich. Die auch ein bisschen anders sind.“

Jetzt droht der Karl-Popper-Schule aber das Aus. Das Staatliche Schulamt hat dem Gymnasium die Genehmigung entzogen und die Schließung zum 1. Februar 2023 – mitten im Schuljahr – angeordnet.

Eltern, Schüler und Lehrer sind entsetzt. Deshalb haben die Eltern eine Petition zum Erhalt der Schule gestartet. Innerhalb der ersten Woche sind weit mehr als 1000 Unterschriften zusammengekommen. Sie sollen am 7. Dezember dem Petitionsausschuss des Hessischen Landtags überreicht werden.

Doch was ist passiert? Die Karl-Popper-Schule wurde im Sommer 2019 genehmigt und eröffnet – mit dem Ziel, vor allem hochbegabte Kinder und Jugendliche zu fördern. Zunächst wurden dort 39 Schüler unterrichtet, heute sind es gut 180. Allerdings sind nicht alle Kinder und Jugendliche nach den Vorgaben des Schulgesetzes aufgenommen worden. So wurden einige Kinder im Grundschulalter in das Gymnasium aufgenommen, ohne dass für das Überspringen von Klassen eine Genehmigung der Grundschule vorlag. Zudem sind Schüler:innen schon in der Oberstufe unterrichtet worden, obwohl die Schule nur eine Genehmigung für die Sekundarstufe 1 hatte. Die Sekundarstufe 2 war zwar beantragt, aber noch nicht genehmigt. Deshalb hat das Staatliche Schulamt dem Gymnasium Ende Oktober die Genehmigung entzogen.

„Wir wollen die Verfehlungen nicht schönreden. Man muss aber auch sehen, dass die Verfehlungen in jedem Einzelfall in Zusammenhang mit dem Kindeswohl stehen“, sagt Bettina Bauer, eine der Geschäftsführerinnen der Schule. Die Maßnahme des Sofortvollzugs sei in ihren Augen unverhältnismäßig. Nach Bekanntwerden der Probleme sei eine neue Geschäftsführung – zu der sie selbst gehört – sowie eine neue Schulleiterin eingesetzt worden. Nun wird die Karl-Popper-Schule ehrenamtlich von zwei Müttern und einem Vater geführt, die allesamt selbst Kinder auf der Schule haben. Die neue Geschäftsführung und Schulleitung hat als Devise ausgegeben: Gerade bei der Aufnahme von jungen Kindern aus der Grundschule wird genau überprüft, ob eine Genehmigung zum Klassenüberspringen vorliegt. Zudem wurde für die älteren Schüler ein Kolleg gegründet, damit sie nach der zehnten Klasse an externen Prüfungen teilnehmen und ihren Realschulabschluss oder Abitur machen können.

Sicherer Hafen für Kinder

„Wir wünschen uns, dass wir eine Chance bekommen und die festgestellten formalen Mängel in einem regulären verwaltungsgerichtlichen Verfahren überprüft werden“, sagt Bauer. Die Schule aber dürfe nicht geschlossen werden. „Das wäre eine Katastrophe. Man kann unsere Kinder nicht einfach zurück in eine öffentliche Schule schicken.“ Viele der Kinder und Jugendlichen hätten traumatische Erfahrungen in ihren alten Schulen gemacht, wurden gemobbt, haben Ängste und Phobien entwickelt. „Hier haben sie aber alle einen sicheren Hafen gefunden, Frieden und Freunde“, sagt Bauer. „Hier können sie ihre Schullaufbahn zu einem guten und erfolgreichen Abschluss bringen.“

Das Staatliche Schulamt will den Widerruf der Genehmigung für die Karl-Popper-Schule wegen des noch laufenden Verfahrens vor Gericht nicht kommentieren. Evelin Spyra, Leiterin der Behörde, sagt auf Anfrage dieser Zeitung nur: „Wir sind uns natürlich im Klaren, dass das schmerzhaft für alle Beteiligten ist.“ Sie rät den Eltern, sich an das Staatliche Schulamt zu wenden, um sich beraten zu lassen.

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