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Wohnen

Der Kampf um die Mietkaution in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Mieterschutzvereine berichten von häufigen Problemen mit Hausverwaltungen. Streit um Kaution in Top 3 der Vertragsverletzungen.

Mangelndes Engagement kann man Aylin nicht vorwerfen. Auf allen möglichen Kanälen hat sie versucht, an die Kaution für ihre vormalige Wohnung in der Berger Straße zu kommen. Per Telefon, per Mail und in den sozialen Medien. Doch es half alles nichts, auch nach mehr als sechs Monaten wartete sie noch auf die Kaution in Höhe von 1290 Euro.

Für Rolf Janßen, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins Frankfurt, ist das kein Einzelfall. „Bei der Kautionsrückzahlung gibt es häufig Probleme, es gibt immer wieder Vermieter, die sich von dem Geld nur sehr schwer trennen können.“ Auch Kai Schönbach von der Stabsstelle Mieterschutz weiß aus seiner Erfahrung: „Es mag Vermietende geben, die es aussitzen wollen.“ Streit um Mietkautionen zählen laut Statistik zu den Top 3 der häufigsten Vertragsverletzungen. Die Aussichten für Mieter:innen vor Gericht sind dabei laut Mieterschutzverein sehr günstig: In 90 Prozent der Fälle bekommen sie Recht.

Doch viele scheuen Anwaltskosten und den Gang vor Gericht und hoffen auf eine gütliche Einigung. Aylin hatte ihre Wohnung im Dezember 2020 geräumt, die Übergabe erfolgte ohne Probleme, Schäden wurden keine festgestellt. Mitte Februar erhielt sie von ihrem Vermieter, der Firma Meyer&Söhne, die letzte Information, dass die Kaution wegen möglicher Schäden und der noch ausstehenden Nebenkostenabrechnung drei bis sechs Monate einbehalten werde. Doch Schäden waren keine festgestellt worden, und für den möglichen Ausgleich der Betriebskosten sind fast 1300 Euro viel Geld. „Es dürfte allenfalls ein kleiner oder mittlerer dreistelliger Betrag einbehalten werden, der Rest müsste ausbezahlt werden“, sagt Schönbach von der Stabsstelle Mieterschutz, ohne Blick auf den konkreten Fall.

Während Aylin auf ihre Kaution wartet, beginnt sie im Internet über das Unternehmen Meyer&Söhne zu recherchieren, denn schon die Suche eines Nachmieters sei nicht ganz problemlos verlaufen. „Der Umgangston war sehr einschüchternd und unangenehm.“ Ihre Vorschläge an Interessenten seien trotz deren Einkommensnachweisen und Bürgschaften ignoriert oder gar abgelehnt worden. Bei ihrer Recherche im Internet stößt Aylin auf viele negative Kommentare von Menschen, die ähnliche Probleme mit Meyer&Söhne hatten.

Das Unternehmen verwaltet nach eigener Auskunft mehr als 1000 Wohnungen in Frankfurt, Oberursel, Königstein und Offenbach. Auf der Website des Unternehmens heißt es forsch: „Dank unseres erfahrenen Teams befinden wir uns wohl erst am Anfang unserer Expansion.“ Einer von den drei Söhnen, die dem Unternehmen vorstehen, ist Alon Meyer, der auch Präsident des Sportvereins Makkabi Frankfurt ist. Von der FR auf den Fall der einbehaltenen Mietkaution angesprochen, räumt er ein: „Natürlich kann es mal vorkommen, dass Fehler passieren.“ Aus dem Fall lasse sich aber kein generelles Fehlverhalten ableiten.

„In der Regel zahlen wir die Kaution mehr als fristgerecht in vier bis sechs Wochen zurück“, so Meyer, der noch betont, ein gutes Verhältnis zur Mieterschaft zu haben: „Mit 98 Prozent würde ich einen Kaffee trinken gehen.“

Rolf Janßen vom Mieterschutzverein hat andere Erfahrungen mit Meyer&Söhne gemacht: „Das ist schon eine sehr schwierige Hausverwaltung, mit der es seit vielen, vielen Jahren immer wieder zu langfristigen Auseinandersetzungen kommt.“ Jens Helldobler, Geschäftsstellenleiter beim Interessenverband Mieterschutz, bestätigt diese Einschätzung: „Mit Meyer&Söhne hat es schon des öfteren Stress gegeben.“

Dass Mietparteien monatelang keine Auskunft bekommen, käme bei vielen Hausverwaltungen vor, wie Schönbach von der Stabsstelle Mieterschutz berichtet. Manche Hausverwaltungen seien „telefonisch schwer bis überhaupt nicht erreichbar“. Eingangsbestätigungen kämen teils erst sechs Monate nach dem Anschreiben. Auch Janßen vom Mieterschutzverein berichtet von Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Hausverwaltungen: „Bis wir Antworten bekommen, dauert es oft Wochen oder Monate.“

Aylin hat ihre Kaution mittlerweile zurückbekommen, allerdings erst, nachdem die FR beim Unternehmen nachgefragt hatte.

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