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Der Jazz-Botschafter

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Von: Andreas Hartmann

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Jazz-Fan Klaus Söhnel ist einer der Organisatoren von Jazz im Palmengarten, der ältesten Jazz-Openair-Reihe der Welt.
Jazz-Fan Klaus Söhnel ist einer der Organisatoren von Jazz im Palmengarten, der ältesten Jazz-Openair-Reihe der Welt. © Monika Müller

Am 7. Juli beginnt wieder „Jazz im Palmengarten“ – das älteste Openair dieser Art weltweit. Ehrenamtlich organisiert wird es von Klaus Söhnel und der Jazz-Initiative Frankfurt.

Nein, seit der Gründung 1959 ist es nicht ein einziges Mal ausgefallen, das Frankfurter Festival „Jazz im Palmengarten“. Weder verregnete Sommer noch – und das ist ja viel erstaunlicher – die Corona-Pandemie in den vergangenen beiden Jahren haben die sommerliche Reihe unterbrechen können. Damit ist es das älteste kontinuierlich stattfindende Open-Air-Jazzfestival weltweit, wie Klaus Söhnel von der „Jazz-Initiative Frankfurt“ stolz berichtet. Die Atmosphäre mitten in der Stadt und doch im Grünen sei schon etwas ganz Besonderes, sagt er, und wenn es mal regne, gut, dann müsse man sich halt ein Regencape anziehen. Spaß mache es ja trotzdem, und die von ihm ausgewählten Jazzbands sind gewohnt hochkarätig.

Einfach waren die beiden vergangenen Sommer aber nicht: „Wir hatten 2020 und 2021 strenge Auflagen und durften nicht viele Leute in den Palmengarten reinlassen“, berichtet er. Kommen in normalen Jahren bis zu 1200 Jazz-Fans zu den Konzerten auf der Freilichtbühne, waren es vor zwei Jahren wegen der Abstandsregeln des Gesundheitsamts nur maximal 200, im vergangenen Sommer höchstens 350 Besucherinnen und Besucher. Diesmal soll es aber wieder so sein wie zuvor. „Ich hoffe, die Leute trauen sich wieder“, sagt er.

Sein Verein, der mehr als 700 Mitglieder hat, organisiert heute die vom Posaunisten Albert Mangelsdorff und dem Musikjournalisten Werner Wunderlich gegründete Reihe neben vielen anderen Programmen und Konzertreihen – das alles macht die Jazz-Initiative ehrenamtlich, wie Söhnel betont.

Jazz im Palmengarten Frankfurt

Immer donnerstags um 19.30 Uhr sind vom 7. Juli an hochkarätige Musikerinnen und -musiker im Frankfurter Palmengarten live unter freiem Himmel zu hören. „Jazz im Palmengarten“ geht ins 63. Jahr und ist damit nach Angaben der Organisatoren das älteste Open-Air-Jazzfest weltweit.

Die Atmosphäre ist legendär entspannt, man darf ein Picknick mitbringen und sitzt mitten im Grünen. Gespielt wird bei jedem Wetter, außer bei Gewitter. Karten gibt es nur an der Abendkasse; Mitglieder des Vereins Jazz-Initiative haben freien Eintritt.

Das Thärichens Tentett, eine zehnköpfige Berliner Band mit dem Sänger Michael Schiefel, eröffnet die Reihe am 7. Juli.

Am 21. Juli begleitet Christof Lauer am Saxofon das Nathan Ott Quartet.

Eine der bekanntesten Jäzzsängerinnen Spaniens, Andrea Motis, die auch eine begnadete Trompeterin ist, kommt am 28. Juli in den Palmengarten.

Vier Musiker aus drei Kontinenten , das Dejan Terzic Axiom, spielen am 4. August.

The Gypsy Tenors mit den drei Gypsy-Tenorsaxofonisten Lakatos, Bolla und Margitza sowie dem Martin Sasse Trio treten am Donnerstag, 11. August, auf.

Maria Baptist gilt als eine der besten deutschen Pianistinnen. Am 25. August hat sie ihr Quintett mit dabei.

Den Abschluss bildet am 1. September ein besonderer Auftritt. Zum Konzert von Antonio Lizana & Oriente tritt auch erstmals beim Jazz im Palmengarten ein Tänzer auf. aph

Seit zwölf Jahren sitzt der gebürtige Frankfurter im Vorstand. Ohne engagierte Menschen wie ihn wäre das Frankfurter Musikleben um einiges ärmer. Kein einziges Mitglied sei während der Pandemie ausgetreten, berichtet Söhnel.

„Wir sind ein Team“, betont er. „Über das Programm diskutieren wir im Verein gemeinsam.“ Konzerte laufen das ganze Jahr über, bei weitem nicht nur im Palmengarten. Die Stadt unterstützt das Programm finanziell. Eine eigene Spielstätte hat der Verein nicht, er arbeitet mit zahlreichen Institutionen zusammen und organisiert unter anderem Jazz-Musik in Frankfurter Kirchen oder seit Neuestem im Instituto Cervantes, dem spanischen Kulturinstitut. „Wunderbare Räume“ gebe es über die ganze Stadt verteilt, sagt Söhnel. Ihn reizt die Vielfalt. „Jazz hat tausend Gesichter“, sagt er. „Ich finde es unglaublich faszinierend, dass die Musikerinnen oft ganz viele Instrumente beherrschen – und ich kann kein einziges spielen.“

Im Wohnzimmer des Jazz-Begeisterten hängt ein wunderbares Foto des 2005 verstorbenen Mangelsdorff, daneben eine Grafik des Schauspielers Armin Müller-Stahl, ebenfalls ein Jazz-Motiv. Über mehrere Räume der weitläufigen Wohnung im Frankfurter Nordend erstreckt sich die eindrucksvolle Plattensammlung, es dürften Tausende Platten sein, auch Klassik, Chansons oder Rock’n’Roll. Dazwischen stehen Kunstkataloge, Skulpturen und viele Bücher. „Meine Frau und ich lesen leidenschaftlich gerne“ sagt der 72-Jährige. Drei Zeitungen haben sie abonniert.

Jazz, das ist nur eine von vielen Facetten, Söhnel ist interessiert an der Welt und erzählt mit viel Enthusiasmus von interessanten Begegnungen mit den Musiker:innen, die in Frankfurt zu Gast sind. Oft betreut er sie persönlich, bringt sie zu den Auftritten, schaut danach, dass sie sich in seiner Heimatstadt wohlfühlen. „Es ist toll, ihnen zuzuhören, wenn sie von ihren Weltreisen erzählen.“ Der ehemalige Produktmanager ist ein begnadeter Netzwerker. „Jeder Musiker bekommt meine Karte“, sagt er. „Das funktioniert ganz gut.“ Und das Ergebnis ist eindrucksvoll.

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