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„Der Frankfurter Stadtwald wird ein Mittelmeerwald“

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Von: Thomas Stillbauer

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Revierleiter Andreas Knöffel mit Hund bei der Arbeit. Foto: privat
Revierleiter Andreas Knöffel mit Hund bei der Arbeit. Foto: privat © privat

650 Jahre Stadtwald: Schutzgemeinschaft-Vorsitzender Knöffel wirft einen Blick in die Zukunft.

Es zwitschert im Hintergrund. Andreas Knöffel sitzt auf der Terrasse – das passende Ambiente für ein Interview mit dem Frankfurter Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der zugleich Förster ist.

Herr Knöffel, wie geht es dem Stadtwald?

Wer mit dem Flugzeug in Frankfurt ankommt, sieht es schon von oben: 30, 40 Prozent der Kiefern sind am Absterben, vor allem im Unterwald, in Schwanheim, Goldstein, Niederrad. Jetzt gerade sieht alles wieder schön grün aus, aber das ändert nichts daran: Der Stadtwald kränkelt dahin. Man merkt es auch daran: Vor sieben Jahren kannte ich praktisch keinen Maikäfer, da habe ich mich gefreut, dass ich mal einen gesehen habe. Jetzt wird das mehr und mehr. Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt an Engerlingsfraß an den Wurzeln und anderen Belastungen.

Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Stadtwald in Berührung gekommen?

Ich bin gebürtiger Frankfurter – von daher habe ich den Stadtwald schon immer im Herzen. Meine Familie hatte früher eine Gärtnerei, daher kommt wahrscheinlich der grüne Daumen. An den Forstberuf kam ich dann übers Studium. Seit gut 30 Jahren kenne ich den Stadtwald also besonders intensiv.

Was schätzen Sie an ihm?

Er ist die grüne Lunge von Frankfurt. Und er ist mein Arbeitsplatz. Ich würde nichts anderes machen wollen als Förster – das ist der schönste Beruf der Welt. Wenn ich zurückblicke und andere Karrieren sehe, denke ich: Schön, ihr könnt mehr Geld verdienen, aber ich würde immer wieder Förster werden wollen. Ich schätze alles am Wald. Im Lauf der Zeit merkt man, wie gut er den Menschen tut. Bei aller Frustration über Baustellen und über Waldverluste durch Straßen, Schienen ... gerade jetzt im Frühjahr, dieses satte Grün. Hier Orte zu kennen, an denen man Ruhe findet, mal fünf Minuten weg vom Fluglärm: Das Gefühl in mich aufzusaugen, gehört zu den Dingen, die ich am meisten schätze.

ZUR PERSON

Andreas Knöffel, 57, ist seit mehr als 30 Jahren Förster. Sein Zuständigkeitsbereich ist der Stadtwald in Niederrad.

Seit diesem Jahr ist er außerdem Vorsitzender des Frankfurter Kreisverbands der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Er ist damit Nachfolger des im November verstorbenen früheren Forstamtsleiters Werner Ebert.

Was raten Sie als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft – wie können wir Bürgerinnen und Bürger helfen, den Wald zu schützen?

Das sind viele Kleinigkeiten. Jeder Mensch kann sich rückbesinnen: Was verbrauche ich an Ressourcen? Der Wasserverbrauch ist ein riesengroßes Thema. Wie schonend gehe ich mit der Umwelt um? Mache ich mir beispielsweise Gedanken über meine Flüge, versuche ich, das zu kompensieren? Mache ich mir Gedanken über meine Autofahrten, nehme ich öfter das Fahrrad? Das ist der erste Schritt, dass man sich bewusst wird. Der zweite Schritt ist dann, zu tun, was man sich vorgenommen hat. Ob wir das große Rad beim Klimawandel drehen können? Ich hoffe, mit den vielen Kleinigkeiten bekommen wir auch das große Rad in Gang.

Ein schöner Vergleich. Was glauben Sie, wie sieht der Stadtwald in 50 Jahren aus? Wird es ihn dann noch geben?

Es wird immer Wald geben, das sagt auch die Forschung. Aber ich vermute, wenn das Szenario so weitergeht, dass wir bei vier Grad Erderwärmung landen, dann bekommen wir ein Mittelmeerklima und auch einen Mittelmeerwald. Das sind eher Eichenwaldgesellschaften, in denen die Bäume weitere Abstände voneinander haben, Wälder, die ein bisschen lichter sind. Das ist die pessimistische Variante. Optimistisch wäre: Die Buche packt’s irgendwie, mit ihrer genetischen Variabilität und ihrem Eigenleben ein Kleinklima zu schaffen, in dem es wenigstens die Jugend noch hinbekommt.

Die Jugend ... die jungen Bäume?

Ja. Bei den alten bin ich skeptisch. Wir werden viele Althölzer verlieren, Buche, Eiche, Kiefer, der Wald wird deutlich jünger werden. Aber die Hoffnung ist, dass dann auch unsere heutigen Baumarten bestehen können. Und wenn Sie mich fragen, wie es in 150 Jahren aussieht, ehrlich: Ich weiß es nicht.

An diesem Sonntag wird im Wald gefeiert. Was empfehlen Sie beim Fest?

Das ist eine super Geschichte für die ganze Familie. Man lernt uns Förster kennen, wie wir für den Wald arbeiten, die ganze Bandbreite. Es gibt natürlich zu essen und zu trinken und viele Angebote für Kinder. Da kann man als Familie schön zwei, drei, vier Stunden verbringen. Die Schutzgemeinschaft hat ihren Stand vor Ort, und vom Stadtforst her machen wir Führungen. Man kann mehr über den Stadtwald erfahren und auch neugierig werden auf den Stadtwald.

Interview: Thomas Stillbauer

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