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Tunç Çolak vor der großen Fahne seines Herzensklubs Fenerbahçe Istanbul.
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Tunç Çolak vor der großen Fahne seines Herzensklubs Fenerbahçe Istanbul.

PORTRÄT DER WOCHE

Der Frankfurter Fan-Chef der gelben Kanarienvögel

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Tunç Çolak ist seit 2016 Vorsitzender des Frankfurter Fenerbahçe-Fanclubs und freut sich auf das Europa-League-Spiel gegen die Eintracht - nur die geringe Kartenanzahl enttäuscht ihn.

Seit einigen Tagen hört das Telefon von Tunç Çolak nicht mehr auf zu klingeln. „Abi“, was großer Bruder heißt, „hast du ein paar Karten für uns?“, lautet die immer wiederkehrende Frage. „In meinem ganzen Leben, hab ich noch nie so viele Anrufe bekommen“, sagt der 53-Jährige lächelnd. Çolak ist Vorsitzender des Frankfurter Fenerbahçe-Fanclubs. Seit der türkische Fußball-Spitzenverein in eine Europa-League-Gruppe mit Eintracht Frankfurt gelost wurde, sind die Tickets für das Spiel an diesem Donnerstag im Stadtwald heiß begehrt.

Durch die Corona-Auflagen dürfen nur 25 000 Fans ins Stadion und das Kontingent für den 19-fachen türkischen Meister beträgt 1250 Karten. Davon hat der Frankfurter Fanclub am Freitag lediglich 75 von der türkischen Zentrale in Istanbul zugeteilt bekommen. Das hat Çolak und die rund 110 Mitglieder seines seit 2007 eingetragenen Verein arg enttäuscht. „Wir hatten schon auf 300 oder 400 Karten gehofft, auch um ein paar neue Leute für uns zu gewinnen.“ Oder dass der Klub ihnen die Möglichkeit gegeben hätte, die Karten an die anderen Fanclubs in Deutschland zu verteilen, weil sie die Leute kennen.

Ohne die Corona-Beschränkungen, ist er überzeugt, wären mindestens 15 000 türkische Fußballfans ins Stadion gekommen. Auch diesmal glaubt er, werden die Fener-Fans ihre Wege finden, um doch ein paar mehr Billetts zu ergattern. Çolak freut sich auf das Spiel, zumal es eines auf internationaler Bühne ist. In den vergangenen zwei Spielzeiten haben die gelben Kanarienvögel, wie sie in der Türkei genannt werden, nicht mehr europäisch gespielt. Die Sehnsucht, endlich wieder auf Reisen zu gehen, das Team zu unterstützen, ist also groß. „Es wird ein 50-50-Spiel“, glaubt Çolak, der als Vertriebsleiter im Bereich der betrieblichen Sicherheit in Unternehmen tätig ist.

Das Spiel

Eintracht Frankfurt empfängt in der Europa-League am Donnerstagabend (21 Uhr) im Stadtwald den 19-fachen türkischen Meister Fenerbahçe Istanbul zum ersten Gruppenspiel.

25 000 Tickets sind für das Spiel in den Verkauf gegangen und bereits im Losverfahren vergeben worden. 1250 Karten davon hat Fenerbahçe zugeteilt bekommen.

Die Eintracht traf zuletzt in der Saison 2006/2007 auf den türkischen Spitzenklub. Das 2:2 nach 2:0-Führung in Istanbul bedeutete seinerzeit das Aus in der Gruppenphase für die Eintracht.

Die Liebe zu Fenerbahçe ist ihm in die Wiege gelegt worden. Denn Çolak ist im Istanbuler Stadtteil Kadiköy geboren worden, der Heimat der gelb-marineblauen. „Mein Vater hat mich schon als ich ein, zwei Jahre alt war zum Trainingsgelände des Vereins mitgenommen“, erzählt Çolak. Als kleiner Junge zog er mit seinen Eltern nach Deutschland, lebte in Stuttgart, und ging dort zur Schule, spielte im Verein Fußball, wurde zum Fan des VfB deren Mitglied und Fan er auch heute noch ist. In den Sommerferien ging es jedes Jahr nach Istanbul, wo er mit acht Jahren sein erstes Fenerbahçe-Spiel live im Stadion sah. Im Inönü-Stadion, das am Bosporus liegt, trafen sich jeden Sommer die Istanbuler Rivalen Galatasaray, Besiktas und Fenerbahçe zum Pokalwettbewerb des türkischen Sportjournalistenvereins.

Als er 16 war siedelte die Familie Çolak wieder zurück in die Türkei. „In meiner Jugend sind wir bei jeder freien Gelegenheit ins Stadion gegangen“, berichtet Çolak. Wenn die großen Derbys anstanden habe er mit Freunden schon tags zuvor vor den Kassenhäuschen am Stadion campiert und auch den einen oder anderen Stockschlag der Polizei kassiert, die auf ihre Art für Ordnung beim Ticketverkauf sorgte. „Es waren primitive Bedingungen“, sagt Çolak. „Aber wir sind jedes Mal reingekommen.“

Beruflich arbeitete er mit seinem Vater im Handel rund um den Großen Basar in Istanbul, ehe er Mitte der 90er Jahre seine deutsche Frau kennenlernte, mit ihr nach Deutschland zog und mittlerweile in Flörsheim lebt. „Wir lieben unsere Heimat und vermissen sie, aber wir ärgern uns auch über vieles wenn wir da sind“, erklärt Çolak seine Wanderung zwischen den Welten. Als kleiner Junge habe er einmal seinen Vater gefragt, wo denn die Rasenplätze in Istanbul seien. „Die gibt es nur im Stadion hat er mir gesagt.“ Gekickt wurde auf Ascheplätzen oder der Straße.

Beim Frankfurter Fenerbahçe Fanclub ist Çolak seit dessen Gründung im Jahr 2007 engagiert. Seit fünf Jahren ist er deren Vorsitzender. Zwölf dieser Fanclubs gibt es in Deutschland. Die Coronavirus-Pandemie hat die Aktivitäten des Fanclubs eingeschränkt und ihnen sogar ihre geliebten Vereinsraum unter einem Restaurant genommen. „Wir hatten in Bockenheim einen wunderschönen 250 Quadratmeter großen Ort ganz für uns mit vier Leinwänden, Tischen und Stühlen im Bar-Stil“, erzählt Çolak wehmütig. Der Besitzer hat das Gebäude jedoch verkaufen müssen und der Nachfolger hatte anderweitige Pläne mit dem Raum. Seit einigen Monaten hat der Verein ein Provisorium im Gallusviertel, wo eine große Flagge und ein Fernseher angebracht sind. Eine neue Heimat wird händeringend gesucht. „Es ist aber schwierig“, sagt Çolak. Zum einen finanziell, weil der Verein bis auf den monatlichen Mitgliedsbeitrag keine Einnahmen hat, zum anderen gibt es Bedenken, wenn man als Fanklub auftrete und dann eine zu große Lautstärke befürchtet wird.

Der zwölfköpfige Vorstand ist aber umtriebig und lässt sich nicht entmutigen. Für die Liebe zum Vereinswappen und den Farben tut er alles. Selbst zur Wahl von Klubpräsident Ali Koç ist eine Frankfurter Delegation nach Istanbul geflogen, um die Stimme abzugeben. Obwohl es gar keinen Konkurrenten gab. Darüber hinaus hat der Fanclub Dauerkarten, die die Mitglieder abwechselnd nutzen, um nach Istanbul zu fliegen um im Sükrü-Saraçoglu-Stadion die Spiele von Fener zu sehen. „Ich war zuletzt beim Derby gegen Galatasaray da“, sagt Çolak. In Deutschland ist er als Dauerkarteninhaber vom VfB Stuttgart regelmäßig im Stadion. Auch gestern beim Spiel zwischen dem VfB und der Eintracht in Frankfurt. „Früher hatten wir immer unsere Probleme auswärts gegen deutsche Mannschaften“, sagt der Fan-Chef der gelben Kanarienvögel. „Dieses Mal brauchen wir uns nicht zu verstecken.“

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