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Der Frankfurter Autor Martin Feldmann lädt in seinem Buch zu einer Zeitreise in die Welt des Blues ein.

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Von: Anja Laud

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Der Bluesmusiker Buddy Guy tritt am 1. Mai 1981 im „Sinkkasten“ auf. Zwei kleine Fans hören ihm andächtig zu. Foto: Martin Feldmann
Der Bluesmusiker Buddy Guy tritt am 1. Mai 1981 im „Sinkkasten“ auf. Zwei kleine Fans hören ihm andächtig zu. © Martin Feldmann

Der Frankfurter Autor Martin Feldmann lädt zu einer Zeitreise in die Welt des Blues ein.

Wenn Wade Walton der Blues packt, macht der Friseur in seinem „Barber Shop“ in Clarksdale, Mississippi, eine Pause, setzt seine Mundharmonika an die Lippen und spielt. Ende August 1986 sitzt ein Kunde aus dem fernen Frankfurt auf Waltons Stuhl, um sich von ihm mit scharfem Messer rasieren zu lassen: Martin Feldmann. Der Sachsenhäuser entdeckte schon als Schüler seine Liebe zum Blues. Später reiste er auf dessen Spuren kreuz und quer durch die USA. Über diese Reisen und Begegnungen mit Musikern wie Wade Walton hat er nun ein Buch geschrieben.

„Further on up the Road: Traveling to the Blues“ lautet der Titel des Buches, das Feldmann, der fast 30 Jahre als Redakteur für die Frankfurter Rundschau arbeitete, während der Pandemie in Deutsch und Englisch geschrieben hat. Die etwa 500 raren Bilder und Memorabilien, die darin zu sehen sind, dokumentieren eine Welt, die es so längst nicht mehr gibt. Wade Waltons Friseursalon etwa schloss 1999, der Bluesmusiker starb ein Jahr später. „Seine Bluesville-LP ,Shake’em on Down‘ von 1963 ist ein Sammlerstück“, sagt Martin Feldmann.

Das Buch und Blues in Frankfurt

„Further on up the Road : Traveling to the Blues“, das im Eigenverlag erschienene Buch von Martin Feldmann, ISBN 978-3-00-069843-9, kann per E-Mail unter der folgenden Adresse bestellt werden: blues.book@online.de

Der Preis beträgt 49 Euro (plus 3 Euro für den Versand).

Wer sich online eine Auswahl der Vintage-Bluesfotos von Martin Feldmann anschauen will, kann das auf folgender Webseite tun: http://further-on-up- the-road.de

In Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet gibt es eine Bluesszene. Sie trifft sich unter anderem in der „Frankfurt Art Bar“, Ziegelhüttenweg 221, in der „Fabrik“, Mittlerer Hasenpfad 5, in der Musikkneipe „Mampf“, Sandweg 64, im „Jazzkeller“, Kleine Bockenheimer Straße 18a, und in der „Mosaik Jazz Bar“, Freiligrathstraße 57.

Darüber hinaus bietet die Open-Air-Konzertreihe „Musik im Palmengarten“ im Sommer Jazz und Blues. lad

Im Jugendzimmer seines inzwischen verstorbenen Freundes, dem Frankfurter Tonmeister Joschi Schröder, hörte Feldmann 1972 zum ersten Mal Blues. „Joschi hatte mit seinem Tonbandgerät einige Lieder von ,Fathers and Sons‘, einem Doppelalbum von Muddy Waters aus dem Jahr 1969, aus dem Südwestfunk aufgenommen“, erzählt er. Danach ließ ihn dieses Musikgenre nicht mehr los.

Als junger Mann unternahm der aus Olpe im Sauerland stammende Feldmann in den 1970er und 1980er Jahren fünf Reisen in die USA, an Orte, in denen der Blues lebte: Chicago, Kansas City San Francisco, Los Angeles, Austin, Houston, New Orleans, Memphis und New York. Immer mit dabei: seine Kamera. So gelangen ihm einzigartige Aufnahmen von Musikern und Musikerinnen wie Eddy Clearwater, der sich als Vertreter des Chicago-Blues einen Namen gemacht hat. „Er hatte den Spitznamen ,The Chief“, weil er manchmal bei seinen Auftritten den Federschmuck eines Häuptlings trug. Unter seinen Vorfahren waren Cherokee“, erläutert Martin Feldmann.

Mit manchen Musiker:innen blieb es nicht bei einer Begegnung. Die Promoterin für afroamerikanische Kultur, Tina Mayfield, Frau des Komponisten und Sängers Percy Mayfield, schrieb ihm von Los Angeles Briefe und Karten.

Bilder aus Feldmanns prall gefülltem Archiv erscheinen immer wieder in Fachzeitschriften, etwa im US-Magazin „Living Blues“, und er hat eine Auswahl bereits in sieben Ausstellungen gezeigt, die erste 2014 im Kulturbahnhof Mörfelden. Daneben brachte er von 2012 bis 2019 einen bei Fans begehrten „Blues-Kalender“ heraus.

1986: Martin Feldmann lässt sich von Wade Walton in Clarksdale, Mississippi rasieren Foto: Louis Reitz
1986: Martin Feldmann lässt sich von Wade Walton in Clarksdale, Mississippi, rasieren. © Louis Reitz

Nur Bilder zu veröffentlichen, reichte ihm allerdings irgendwann nicht mehr. „Ich wollte auch die Geschichten zu den Bildern erzählen“, sagt er. Als Lektor für sein Buch gewann er den Frankfurter Musiker und Bluesspezialisten Klaus Kilian, der wie er zum Frankfurter Blues-Stammtisch gehört. Dessen Mitglieder treffen sich regelmäßig in einer Kneipe zum Austausch.

Frankfurt und andere deutsche Städte finden sich ebenfalls im Buch. Feldmann reiste für den Blues auch in Deutschland und den Niederlanden herum. Eines seiner Lieblingsbilder ist beim Auftritt der Chicago-Blues-Ikone Buddy Guy im „Sinkkasten“, dem legendären Frankfurter Jazz- und Blues-Club, entstanden, dessen Geschichte Feldmann als Stadtteilhistoriker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft erforschte. „Als Buddy Guy auftrat, saßen zufällig zwei Jungen am Bühnenrand, einer trug ein Sweatshirt der Eintracht“, sagt er.

Auch eine weitere Leidenschaft hat im Buch ihre Spuren hinterlassen: Feldmanns Liebe zu Reisen in die Südsee. Auch dort stieß er auf den Blues. allerdings auf einen mit hawaiianischer Note.

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