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Coole Band: Peter van Ham mit Kindern aus der Textorschule.
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Coole Band: Peter van Ham mit Kindern aus der Textorschule.

PORTRÄT DER WOCHE

Der Allround-Musiklehrer aus Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Peter van Ham kennt die Welt – deshalb tut er viel, um sie zu bewahren. Jetzt hat er ein berühmtes Lied für die Weltmeere neu arrangiert.

Es gibt viele Wege, die Welt zu retten. Theoretisch. Bisher hat keiner so richtig überzeugend geholfen, aber was Peter van Ham da macht, klingt zumindest ziemlich toll. Und es geht auch ganz schön ans Herz.

Peter van Ham ist Lehrer. Und Musiker. Und Weltreisender. Und Kunstliebhaber. Und ein Bekannter des Dalai Lama. Ja, was denn noch? Er lacht. „Ich bin der professionelle Zwischen-den-Stühlen-Sitzer“, sagt er. Einer der Stuhlzwischenräume, die er ausfüllt, hat gerade ein Lied hervorgebracht: „Message In A Bottle“ – das kennen alle. The Police, 1979. Aber „Message In A Bottle (For The Oceans)“ – das ist neu. Es zählt zur Kampagne für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Dafür hat van Ham schon vor vier Wochen mit Hunderten Kindern auf dem Römerberg ein Lied gesungen: „Siebzehn Ziele (Welt in Not)“.

Aber langsam. Eins nach dem anderen.

1964 in Darmstadt geboren, bald nach Wien, dann nach Wiesbaden umgezogen, interessiert sich van Ham schon früh für Musik. Die ersten Rockkonzerte in der Festhalle erlebt er mit zwölf. Davon können andere Siebtklässler damals nur träumen. „Ich habe mich so sehr mit Musik assoziiert“, sagt er, „die Kleidung, die Freizeit, alles – so sehr, dass ich fast durchs Abi geflogen wäre.“ Die US-Interpreten jener Zeit faszinieren ihn, Daryl Hall & John Oates, The Tubes, Steely Dan. Mit einem Freund wandelt er musikalisch auf den Spuren der Idole. „Wir haben Songs komponiert und dachten, wir werden Stars in Kalifornien.“

Weil der Vater einsieht, dass er seinen Sohn in seinem Drang über den großen Teich nicht aufhalten kann, sagt er: „Dann bezahle ich dir wenigstens eine Ausbildung da drüben.“ Peter beginnt ein Schlagzeugstudium am Musicians Institute in Hollywood mit Workshops bei berühmten Drummern.

Anschließend tourt er tatsächlich mit Bands durch die USA – aber irgendwann zieht er die Notbremse. „Ich hatte Angst zu verblöden.“ Equipment aufbauen, spielen, abbauen, nachts nach Hause fahren, schlafen bis nachmittags, zum nächsten Gig fahren, alles von vorn, jeden Tag dasselbe. Irgendwann fängt er an, in den Pausen zu lesen. Goethe. „Die anderen haben mich gefragt: What do you mean, reading?!“ – Was meinst du mit Lesen? Der junge Musiker kehrt zurück nach Deutschland. „Die Palmen hatten ihren Charme verloren. Mir hat der Winter gefehlt.“

ZUR PERSON

Peter van Ham, 57, ist Musiklehrer an der Textorschule in Sachsenhausen. Mit den Schülerinnen und Schülern hat er den Nachhaltigkeitssong „Siebzehn Ziele (Welt in Not)“ auf dem Römerberg gesungen und eine CD produziert, die am 10. Dezember veröffentlicht wird. Bereits seit Freitag ist auf Youtube die Coverversion „Message In A Bottle (For The Oceans)“ zu sehen und zu hören.
Info: www.seventeenglobalgoals.org

Die plötzliche Leere füllt Peter van Ham mit der Arbeit in einer Kirchengemeinde, in der er blinde und alte Menschen betreut. „Das hat mich total geerdet.“ Danach beginnt er ein Deutsch-, Bio- und Musikstudium und wird Grundschullehrer in Frankfurt – die Entscheidung nennt er noch heute eine der besten seines Lebens. Nicht nur, weil der die Arbeit mit den Kindern liebt, auch weil ihm in den Ferien Zeit für eine weitere Leidenschaft bleibt: Reisen in den Himalaya und in den Osten Indiens. Er entdeckt dort seine große Leidenschaft für die Kunst der Region und sein Talent, daraus Bücher zu machen. Sage und schreibe 15 Publikationen entstanden bis heute auf den Forschungsreisen, drei davon haben Vorworte des Dalai Lama, den er mehrmals traf.

„Aber die Musik war nie weg“, sagt er bei einer Tasse Kaffee in seinem gediegenen Haus am Rand des Frankfurter Stadtwalds mit Blick auf Vögel und Eichhörnchen im Garten. Schon 2011 leitet van Ham ein Projekt mit den Kindern an der Textorschule über die Stadt der Zukunft, bringt das Lied bei der Plattenfirma seines Bruders heraus und gewinnt einen Preis für das Europaprojekt. Weil seine Kollegin Elisabeth Reiche das weiß, animiert sie ihn schließlich zu dem 17-Ziele-Vorhaben. „Das macht gerade mein Leben aus“, sagt van Ham.

Insgesamt 420 Kinder haben in den vergangenen Wochen den Nachhaltigkeitssong in verschiedenen Versionen im Studio eingesungen, schön nacheinander wegen Corona. „Keine Armut und keinen Hunger/Gesundheit und Lernen in guten Schulen“, singen sie, „Gleiche Rechte für alle, weniger Unrecht/Dafür dann in Frieden leben/Gemeinsam müssen wir alles geben.“

Am 10. Dezember soll die CD mit einer Party – natürlich unter Hygieneregeln – veröffentlicht werden. „Der Hammer“, sagt der Musiklehrer zum Engagement der Kinder. Und es geht noch viel weiter: Das Lied zieht seit Monaten um die ganze Welt, über Mundpropaganda beteiligen sich immer mehr Musikerinnen und Musiker, steuern Versionen aus Brasilien bei, aus Indonesien, Burkina Faso, aus Korea. Russisch, arabisch, türkisch wird über Nachhaltigkeit gesungen, auch eine Heavy-Metal-Version aus Wiesbaden soll auf das Sampler-Album drauf. Alles in allem Weltmusik im besten Sinne. „Damit wir so viele Menschen wie möglich erreichen.“ Es geht schließlich darum, die Welt zu retten. Oder besser gesagt: die, die auf ihr leben.

Ein Traum ist in diesem Zusammenhang gerade in Erfüllung gegangen. Niemand, sagt Peter van Ham, habe in den vergangenen Jahren von Sting, dem Weltstar und einstigen Police-Sänger, die Erlaubnis erhalten, eines seiner Lieder zu veröffentlichen. Niemand. Als der Musiklehrer aber feststellte, dass nichts so gut zur Rettung der Weltmeere passt wie „Message In A Bottle“ („Sending out an SOS – das ist doch das Meer, das da ruft!“), versuchte er es trotzdem.

Und er hatte Erfolg. Sting gab seiner Agentin das Okay für den Mann aus Frankfurt. Der hatte eine anrührende sanfte Version aus dem 42 Jahre alten Hit gemacht, mit Gitarre, Hallräumen, Meeresgeräuschen und der Stimme der US-Sängerin Tara Louise. Dazu ein Video mit ganz viel Ozean, mit Wellen und auch mit Plastikbergen am Strand. „A hundred billion bottles, washed up on the shore“, sang Sting.

An dem Lied wird van Ham nichts verdienen. Aber wenn es wie geplant als Teil der Kampagne für die 17 Nachhaltigkeitsziele einen Effekt hat, können damit alle etwas gewinnen, was viel wichtiger ist als Geld.

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