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Unter Denkmalschutz: Der Foyerbau der Bühnen in Frankfurt mit den Wolken von Zoltán Kemény.
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Unter Denkmalschutz: Der Foyerbau der Bühnen in Frankfurt mit den Wolken von Zoltán Kemény.

Interview

Denkmalschutz für Foyerbau der Bühnen in Frankfurt

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Dezernentin Ina Hartwig begreift den Denkmalschutz für den Foyerbau der Bühnen als Chance für die Kulturmeile.

Die Landesdenkmalbehörde hat den Foyerbau von Oper und Schauspiel in Frankfurt unter Denkmalschutz gestellt. Das stärke den Theaterstandort, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

Frau Hartwig, was bedeutet der Denkmalschutz für den Foyerbau der Städtischen Bühnen?

Die Landesdenkmalbehörde hat den Foyerbau, und nur ihn, unter Schutz gestellt und wird ihn demnächst in das Verzeichnis der Kulturdenkmäler eintragen. Denkmal-Dezernent Mike Josef und ich begrüßen diese Entscheidung ausdrücklich. Nun haben wir endlich die Klarheit, die wir uns schon lange wünschen. Ich begrüße die Entscheidung auch inhaltlich. Das Glasfoyer mit seiner Transparenz und den schönen „Wolken“ von Zoltán Kemény steht exemplarisch für den Aufbruch in eine demokratische Kultur der Nachkriegsära. Der Dialog von Außen und Innen, den die Glasfassade ermöglicht, die ihrerseits wie ein Gesicht auf die Stadt schaut, war in den 60er Jahren ein Statement der ästhetischen Moderne. Es unterstrich, dass die Stadtgesellschaft offen sein wollte für Neues. Im Glasfoyer mit den „Wolken“ manifestiert sich der identifikatorische und damit auch der emotionale Wert unserer Städtischen Bühnen dort, wo sie hingehören: am Willy-Brandt-Platz. Die Unterschutzstellung stärkt den für alle gut erreichbaren Traditionsstandort im Zentrum unserer Stadt.

Der Foyerbau darf also nicht abgerissen werden, sondern muss erhalten bleiben oder in einen Neubau integriert werden?

Das gilt es, im Dialog mit der Landesdenkmalbehörde zu entwickeln. Die Entscheidungsreife ist noch nicht gegeben. Fest steht, dass nur der Foyerbau unter Schutz steht und wir somit eine integrierende Neubaulösung für die Bühnen auf den Weg bringen können.

Ist es noch denkbar, das Glasfoyer als Zitat in einem Neubau weiterleben zu lassen, in gleicher Form, mit neuen Materialien, oder muss es dieselbe Bausubstanz sein?

Das sind genau die Fragen, die gemeinsam mit der Landesdenkmalbehörde in gebotener Gründlichkeit zu erörtern sind. Denn seit der Fertigstellung von 1963 hat das Gebäude, auch das Foyer, eine wechselvolle Planungs- und Baugeschichte erfahren. Ich bin ganz sicher, dass wir eine gute Lösung finden werden, die Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde ist sehr gut. Fest steht: Wir wollen den Platz als Theaterstandort weiterentwickeln. Das, was dieses Gebäude verkörpert, wollen wir noch stärker machen. Wir wollen einen demokratischen, offenen Theaterbau für eine lebendige, wachsende und vielfältige Stadt.

Die Landesdenkmalbehörde hat die Überreste des Seelingbaus, also des alten Schauspielhauses von 1902, nicht unter Denkmalschutz gestellt. Warum nicht?

Durch diese Entscheidung fühle ich mich in meiner Haltung bestätigt. Eine Rekonstruktion des Gebäudes aus der wilhelminischen Epoche ist nicht sinnvoll, inhaltlich nicht und sachlich nicht. Allein in der Kubatur des alten Gebäudes könnten die heutigen technischen Begebenheiten nicht abgebildet werden. Es sind auch nur noch etwa zehn Prozent der Außenarchitektur des alten Seelingbaus vorhanden.

Die Bühnen sind ein Konglomerat mehrerer architektonischer Epochen, auch die postmodernen Anbauten wurden nicht unter Denkmalschutz gestellt.

Ich bin froh, dass nur der Foyerbau unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Rest des Gebäudes ist in der Tat sehr verbaut. Es stecken viele Zeitschichten darin, auch die Ebenen sind ungleich angeordnet. Diese grundlegenden Mängel hätte nicht einmal eine verbesserte Sanierung ausräumen können. Ich halte auch die Seitenansicht und die hintere Ansicht für nicht attraktiv. Was überzeugt, ist das Glasfoyer. Daran hängt der Wert für die Menschen dieser Stadt, dieses haben sie ins Herz geschlossen.

Zur Person

Ina Hartwig (SPD) ist seit 2016 Kulturdezernentin in Frankfurt. Die 57-Jährige arbeitete zuvor als Literaturkritikerin und Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Ich begrüße dieses Engagement grundsätzlich. Es ist Ausweis unserer starken Debattenkultur in Frankfurt. Und es beweist, dass das Bewusstsein für den Wert der Bauten der Nachkriegsmoderne wächst und hier ein Umdenken stattfindet. Sie erinnern sich an das schöne Rundschau-Haus am Eschenheimer Tor; es ist abgerissen worden. Das schmerzt noch heute. Doch betone ich: Meine Empfehlung für eine Neubaulösung der Bühnen beruht auf sehr gründlichen Untersuchungen der Stabsstelle. Die Sanierung würde zu sehr hohen Kosten, erheblichen Risiken, langen Bauzeiten und nicht zuletzt zu einer belastenden Zwischenlösung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das Publikum führen. Die Stadtverordneten haben mit guten Gründen beschlossen, dass sie die Sanierung nicht wollen. Unter Berücksichtigung des Denkmalwerts für das Glasfoyer strebt die Stadt Frankfurt eine Neubaulösung an.

Wie weit ist die Stabsstelle bei der Prüfung der fünf möglichen Standorte für den Neubau?

Die Prüfung ist in Arbeit, wenngleich auch hier die Pandemie zu Verzögerungen führt. Ich halte an meiner Vision einer Kulturmeile fest, die ich weiterhin für die beste Lösung halte. Sie stärkt den Willy-Brandt-Platz mit einem neuen, offenen Theaterbau und einem Opernbau am Rande der Wallanlage auf dem heutigen Sparkassengelände. Wir können die Wallanlage, die ja auch unter Denkmalschutz steht, nach Süden erweitern. Das ist vor dem Hintergrund der ökologischen Herausforderungen der Innenstädte eine Riesenchance. Vom Jüdischen Museum über den Willy-Brandt-Platz mit dem Schauspiel – vorbei am English Theater, dem MMK Tower und der Dependance Weltkulturen Museum – bis hin zur Alten Oper gäbe es eine neue Kulturmeile, abwechselnd von Museen und Theatern geprägt, mit dem neuen Opernhaus in der Mitte. Das Potenzial für die Innenstadt halte ich für enorm, auch hinsichtlich der Mobilität. Es gibt keinen Platz, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser angebunden ist als der Willy-Brandt-Platz.

Wann legt die Stabsstelle ihren Bericht vor?

Wir erwarten ein Ergebnis im neuen Jahr.

Fallen dem Opernbau 100 Jahre alte Bäume zum Opfer?

Die CDU möchte mit den Bühnen komplett an den Osthafen ziehen und die Innenstadt als Standort aufgeben, das wäre ein ganz schlechtes Zeichen für Frankfurt. Wir haben die Chance, mit der Erweiterung der Wallanalage Grün hinzuzugewinnen. Bei der sogenannten Spiegellösung, die von der Umweltdezernentin favorisiert wird, müssten auch Bäume fallen, genau wie bei einem Opernbau auf dem Sparkassenareal. Das würde durch Zuwachs an Grün mehr als kompensiert.

Soll auch der Willy-Brandt-Platz umgestaltet werden?

Der Platz kann und muss schöner werden. Er muss eine höhere Aufenthaltsqualität bekommen. Das ist die Chance, die in der Entscheidung der Landesdenkmalbehörde steckt, den Willy-Brandt-Platz als kulturellen Ort zu stärken.

Ina Hartwig, Kulturdezernentin in Frankfurt.

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