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Der Dachboden des Bunkers hat einen zwei Meter dicken Fußboden.

Denkmal des Jahres

Zu Hause im Bunker

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Ein zum Wohnhaus umgebauter Luftschutzbunker in Fechenheim wird als Denkmal des Jahres gewürdigt. Teuer ist das Wohnen in dem Ex-Bunker nicht.

Das weiß getünchte Gebäude mit den rötlichen Absetzungen sieht nicht aus wie ein Bunker. Das liegt nicht daran, dass es außen extrem verändert wurde. Das zum Wohnhaus umgebaute Gebäude in der Gründenseestraße in Fechenheim wurde vor allem innen verwandelt. Nein, damals beim Bau 1941/42 war der Hintergedanke, das Gebäude aus der Luft wie eine Basilika wirken zu lassen.

Seit Dienstag ziert die Mauer nun eine blaue Ehrentafel. Das Denkmalamt Frankfurt hat die herausragende Sanierungsleistung als „Denkmal des Jahres 2019“ gewürdigt. „Man hat hier eine kluge Revitalisierung geschafft“, sagte Baudezernent Mike Josef (SPD). Trotz großer Herausforderungen für den Bauherrn und alle Beteiligten – in technischer und finanzieller Hinsicht. Da waren zunächst zwei Meter dicke Wände und fehlende Fenster, hinzu kamen die Vorgaben des Denkmalamts. Zu würdigen ist für Josef auch, dass bezahlbares Wohnen angeboten werde: Weniger als elf Euro pro Quadratmeter zahlen die Mieter.

Eigentümer und Bauherr Ekkehard Moeser ist stolz auf sein Projekt. Und freut sich über seine zufriedenen Mieter. Er hatte den Luftschutzbunker 2015 gekauft und zwei Jahre später mit dem Umbau begonnen. Doch nicht alles lief nach Plan. Vor allem mit der Statik habe es Probleme gegeben, blickt er zurück. Denn die oberste Geschossdecke von 1,40 Meter sei so schwer wie ein zehngeschossiges Hochhaus. So war Vorsicht gefragt, wenn es etwa darum ging, tragende Wände zu entfernen. Auch wenig Licht war ein Problem. Zum einen baute man Fenster ein, zum anderen schrägte man die Wände an. Die seitlichen Arkaden versah man ebenfalls mit Fenstern. Hier werden bereits die ersten Fotografien ausgestellt, sie zeigen Frankfurter Bunker. Die Vorhalle soll auch weiter für Künstler kostenlos nutzbar sein. Rund 3,6 Millionen Euro hat Moeser für den Umbau ausgegeben.

Stefan Timpe vom Denkmalamt kennt die Schwierigkeiten der Bunker genauso gut, auch der Brandschutz und die Belüftung seien Themen, mit denen man sich auseinandersetzen müsse. Ihm ist Authentizität wichtig, „es geht nicht darum, etwas schön zu machen“. So achtete das Amt darauf, die bauzeitliche Farbgebung an den Fassaden, in den Schleusenkammern und den Treppenhäusern wiederherzustellen und auch Bodenbeläge – wo möglich – zu restaurieren.

Erhalten blieben auch die charakteristischen Belüftungsöffnungen und Schleusentüren, erklärte Timpe. Ebenso das eindrucksvolle Dachgeschoss mit seinen zehn Rundbögen. Neben baugeschichtlichen und technischen Aspekten seien es die historischen Hintergründe der Errichtung, die das Denkmal zugleich zu einem Mahnmal machten.

Das Haus, das für 690 Schutzsuchende konzipiert wurde, fungierte in den Nachkriegsjahrzehnten als Lager. Seit 2019 leben vor allem jüngere Menschen in den neun Wohneinheiten. Eine Bewohnerin gewährt Einblick in ihre Maisonettewohnung. In der erinnert wenig an den ehemaligen Bunker. Das Wohnzimmer mit der offenen Küche hat Nischen mit Fenstern, dort wo in die dicke Wand gesägt werden musste. „Es ist eine tolle Wohnung, groß und bezahlbar.“ Die Hausgemeinschaft verstehe sich gut, man feiere gemeinsam. Und es sei etwas Besonderes, in einer modernen Wohnung und trotzdem einem Haus mit Geschichte zu wohnen.

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