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Denkanstöße für Gymnasien

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Schulbündnisse sollen in der Stadt Frankfurt  für Impulse in der Inklusion sorgen.

Für Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamts, „bewegt sich etwas in der Inklusion“. Denn wenn im nächsten Schuljahr die inklusiven Schulbündnisse in Frankfurt umgesetzt werden, dann werde „ein gemeinsames Verständnis für Inklusion entwickelt“. In mehr als der Hälfte der 15 Staatlichen Schulämter in Hessen haben die inklusiven Schulbündnisse (ISB) schon Einzug gehalten. „Bei allen anderen hat es geklappt“, sagt Spyra. „Warum nicht in Frankfurt? Ich bin da optimistisch.“

Die inklusiven Schulbündnisse sollen dazu beitragen, dass alle behinderten Kinder einen Platz an einer Regelschule bekommen, wenn die Eltern das wünschen. Die Stadt ist in sechs inklusive Schulbündnisse aufgeteilt, jedes hat ein regionales Beratungs- und Förderzentrum (rBFZ), das die Förderlehrer für die Schulen stellt. Haben bisher die Beratungs- und Förderzentren die Förderstunden auf die Schulen aufgeteilt, sollen das künftig die Schulleiter unter sich ausmachen. Sie sitzen im jeweiligen Bündnis an einem Tisch, gemeinsam mit rBFZ und einem Dezernenten des Staatlichen Schulamts. Gäste wie Jugend- und Sozialhilfe, Elternvertretung und außerschulische Partner kann es auch geben. Wie viele Förderstunden es für ein Bündnis gibt, hängt von der Anzahl aller Schüler in der Region ab: Wie viele Schüler die Klassen 1 bis 10 besuchen. Nicht eingerechnet werden dabei die Gymnasiasten.

Gymnasien sitzen mit am Konferenztisch

Aber die Gymnasien sitzen mit am Konferenztisch. „Das inklusive Schulbündnis gibt ihnen Denkanstöße“, sagt Bettina von Haza-Radlitz. Sie kennt das aus Wiesbaden, dort gibt es die Bündnisse bereits und sie leitet dort eine integrierte Gesamtschule. Derzeit ist sie ans Staatliche Schulamt Frankfurt abgeordnet. Gymnasien würden sich durch die Bündnisse überlegen, ob es für sie vorstellbar wäre ein Kind mit Förderbedarf aufzunehmen, sagt Haza-Radlitz. Bisher ist das in Wiesbaden noch nicht vorgekommen, aber „es ist ein langsamer Prozess und er gibt Impulse“.

In Frankfurt arbeiten fast alle Schulen inklusiv – außer die Gymnasien. Dabei findet Michael Stenzel vom Staatlichen Schulamt und Leiter der Panoramaschule, dass Gymnasien ganz einfach Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung unterrichten könnten. „Das sind Schüler, für die es keinen Lehrplan gibt, nur Kann-Vorschriften“, sagt er. „Was gibt es Entspannteres, als sein Bestes zu geben, aber nichts zu müssen?“

Die Stunden für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung werden nicht in die Bündnisse gegeben, sondern direkt an die Schulen, die die Kinder besuchen. Förderstunden für andere Schwerpunkte werden im ISB verteilt. Nach welchen Kriterien – das entscheiden die Bündnisse selbst. Ob etwa jede Schule einen Sockelbetrag erhält.

Für Spyra entsteht so ein „demokratischer Prozess mit einer hohen Transparenz“ bei der Verteilung. „Jeder weiß, was der andere bekommt.“ Sie wisse, dass es aus Sicht der Schulen allerdings immer zu wenige Ressourcen gebe. „Die Ressourcen sind aber de facto erhöht worden“, sagt Spyra. „Und egal, um welche Ressource es geht, jeder hätte immer gerne mehr.“ Sie habe „Vertrauen, dass die Schulleiter nicht nur ihre eigene Schule sehen werden sondern die ganze Region“.

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