An der Weseler Werft treffen sich am Samstag Skeptiker gegen Coronabeschränkungen. Die 
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An der Weseler Werft treffen sich am Samstag Skeptiker gegen Coronabeschränkungen. Die Teilnehmer demonstrieren für ihre Grundrechte. 

Demonstrationen

Demos in zwei Städten

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Offenbach protestiert gegen Rassismus, Frankfurt nicht direkt. An der Weseler Werft treffen sich Skeptiker, die die Corona-Maßnahmen ablehnen.

Der Aluhut kommt aus der Mode. Waren es vor wenigen Wochen noch Hunderte, haben sich diesen Samstag nur noch knapp drei Dutzend patriotische Europäer gegen die Immunisierung des Abendlandes an der Weseler Werft eingefunden, um auf die Corona-Maßnahmen zu schimpfen. Organisator Hajo Kühn scheint derweil mental etwas abzudriften. So teilt er dem spärlichen Publikum etwa mit, dass sich seiner Überzeugung nach die Proteste nach dem Tod von George Floyd in den USA nicht gegen Rassismus richteten, sondern eine „Kampagne“ gegen „die Wiederwahl von Präsident Trump“ seien. Die lokalen Anti-Rassismus-Demonstranten ruft er auf, sich lieber in die Weseler Werftfront einzureihen, in der man ebenfalls gegen Rassismus sei, und „für die Rücknahme der 2020-er Gesetze“ zu demonstrieren.

Die Adressaten aber tuen den Teufel und besuchen lieber die Black-Lives-Matter-Demonstration vor dem Rathaus in Offenbach, die zeitgleich deutlich mehr Teilnehmer mobilisieren kann, was auch die eher geringe Anzahl an Gegendemonstranten an der Weseler Werft erklärt – die dennoch die Zahl der Corona-Skeptiker leicht übertrifft. In Offenbach zeigt sich auch Oberbürgermeister Felix Schwenke – organisiert hatten die Demo die Offenbacherin Hibba Kauser und der Frankfurter Samuel Luteke, der dort auch von seinen Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus in der Nachbarstadt berichtet. Die Organisatoren teilen mit, dass dieser ersten Offenbacher Black-Lives-Matter-Demo noch weitere folgen sollen.

Auch Hajo Kühn will weitermachen. Man habe jetzt zwei Rechtsanwälte rekrutiert, mit deren Hilfe man gegen die als ungerecht und mittlerweile auch überflüssige Maskentragepflicht vorgehen wolle, sagt er, dann kündigt er die nächste Rednerin an. Es handelt sich um „Mandy aus der Pfalz“, die etwas über Kinderbetreuung erzählen will, aber die Bühne bleibt mandyfrei. „Mandy hat es wohl nicht geschafft“, bedauert Kühn. Vielleicht ist sie ja auch nach Offenbach abgebogen. Stattdessen redet Franziska von außerhalb der Pfalz über das angekündigte Thema. Sie tut das, weil ihr „bester Freund“ sie darum gebeten habe. Auch der „arrangiert sich sehr intensiv“ in der Corona-Kritik.

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