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Demonstration in Frankfurt:Solidarität am Muttertag

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Von: Alina Hanss

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Unter den Demonstrierenden waren zahlreiche Mütter.
Unter den Demonstrierenden waren zahlreiche Mütter. © Renate Hoyer

Rund 1000 Menschen, darunter viele Mütter, haben am Sonntag gegen den Angriff auf die Ukraine protestiert.

Ob Überraschungsfrühstück, klassischer Blumenstrauß oder doch nur ein Anruf – der Muttertag ist für viele ein gegebener Anlass, um ihren Müttern Danke zu sagen und sie zu feiern. „Muttertag? Mütter in der Ukraine erfahren aktuell täglich großes Leid, und ihre Söhne, Töchter und Männer sterben der Reihe nach. Wer im Krieg lebt, dem ist nicht nach Feiern“, ruft Christina Kurzer in ihr Megaphon, bevor sie sich wieder in den Demonstrationszug einreiht.

Die junge Frau ist Teil des Teams, das die Ukraine-Demonstration in der Frankfurter Innenstadt an diesem Sonntag organisiert hat. Zahlreiche Organisationen, Vereine und Parteien hatten sich dem Bündnis angeschlossen und zur Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz aufgerufen. 74 Tage nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, am Muttertag, erscheinen Mütter samt Kindern und Männern in blau-gelber Kleidung. Viele Frauen tragen Wyschywanka-Hemden, die traditionellen weißen Gewänder mit aufwändigen und bunten Blumen-Stickereien am Kragen.

Christina Kurzer trägt einen Blumenkranz in den Haaren. Die 31-Jährige ist in Saporischschja geboren, einer Großstadt in der südlichen Ukraine. Saporischschja hat ähnlich viele Einwohner:innen wie Frankfurt und ist Mittelpunkt zahlreicher Kultureinrichtungen. Mit 13 Jahren ist Kurzer nach Deutschland gekommen, heute lebt sie in Offenbach.

Vater, Großvater, Cousins und Freund:innen sind noch dort und einer stetigen Gefahr ausgesetzt. „Sie kommen nicht mehr aus der Stadt raus, die Lage ist schlimm“, sagt Kurzer. Seit Beginn des Krieges kümmert sie sich auch um ukrainische Geflüchtete. Bei der Organisation von Demonstrationen engagiert sie sich bereits seit 2014, dem Beginn des Konfliktes auf der Halbinsel Krim.

Mit ihren deutschen und ukrainischen Sprachkenntnissen übersetzt Kurzer Redebeiträge und Gedichte über im Krieg getötete Mütter und Kinder. Viele geflüchtete Ukrainer:innen sind gekommen, mit ihren eigenen Geschichten über Angehörige, die zurückbleiben mussten. Die Stimmung ist bedrückt und der melancholische Klang ukrainischer Lieder, gesungen von teilnehmenden Frauen, erfüllt die Luft.

In der Menge tauchen auch weiß-rot-weiße Fahnen auf. Die Flagge symbolisiert den Widerstand und die Proteste gegen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko.

Slava Golovchik ist mit seiner Frau und Tochter 2008 nach Frankfurt gekommen und heute zusammen mit „Razam“, dem Verein der belarussischen Diaspora in Frankfurt, bei der Demonstration dabei. „Auch in Belarus herrscht Krieg, auch in Belarus leiden die Menschen unter dem Regime Putins. Wir sind hier, um unsere Solidarität mit der Ukraine auszudrücken“, sagt Golovchik. Der Musiker schwenkt die weiß-rot-weiße Flagge und schließt sich den Rufen „Slava Ukraini“ – „Ruhm der Ukraine“ – an, die durch die Häuserfronten Frankfurts hallen.

Der Demonstrationszug schiebt sich Richtung Main. Nur langsam geht es über den Holbeinsteg voran, aber das Bild ist eindrucksvoll. Die ganze Fußgängerbrücke erstrahlt in wehenden blau-gelben Fahnen. Auch ein kleines Motorboot, das auf dem Main hält, hat die Fahne der Ukraine gehisst.

Man winkt sich zu, ein lautes „Danke“ im Chor erreicht die Passagiere auf dem Boot. Von den umstehenden Passant:innen am Schaumainkai gibt es Applaus. Nach Angaben der Polizei kommen an diesem Tag 1000 Menschen zusammen, um ihre Solidarität mit der Ukraine auszudrücken.

Das Bündnis hatte im Voraus bereits dazu aufgerufen, keine direkten Gegenaktionen gegen die pro-russische Demonstration zu veranstalten, die parallel in der Frankfurter Innenstadt stattfindet. Es gehe dabei vor allem darum, „die bereits angespannte Lage nicht noch weiter zu eskalieren und Kriegsbefürwortern keine mediale Aufmerksamkeit zu schenken“, heißt es in der Erklärung der Veranstalter:innen. Vielmehr solle deutlich werden, dass „Frankfurt keine Hetze und Kriegspropaganda“ toleriere.

Nach dem offiziellen Ende der Kundgebung zurück am Willy-Brandt-Platz kommt es dennoch fast zur Konfrontation. Nur einen Straßenzug entfernt läuft die pro-russische Demonstration vorbei. Schnell sperrt die Polizei die Seitenstraße ab, um eine direkte Auseinandersetzung zu verhindern. Die Teilnehmenden der Ukraine-Demonstration begegnen den russlandfreundlichen Demonstrierenden in der Ferne mit lauten Pfiffen und Parolen, „geht nach Hause, ihr Besatzer!“, heißt es auf Ukrainisch. Der kurze Demonstrationszug wird mit dem Ruf nach dem Sieg der Ukraine verabschiedet.

„Wir werden solange demonstrieren, bis der Krieg vorbei ist und die Ukraine befreit ist,“ sagt Christina Kurzer. Die Deutsch-Ukrainerin hofft auf europäische und internationale Unterstützung. Dafür müsse auch der Muttertag genutzt werden.

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