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Demonstration in Frankfurt: „Wir sind alle Ukrainer“

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Von: Timur Tinç

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1500 Menschen demonstrieren an der Frankfurter Hauptwache gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.
1500 Menschen demonstrieren an der Frankfurter Hauptwache gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. © Monika Müller

Vor der Frankfurter Katharinenkirche demonstrieren 1500 Menschen gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Im nachlassenden Schneeregen stimmt Stepan Rudzinskyy am Donnerstagabend die ukrainische Nationalhymne vor der Frankfurter Katharinenkirche an. Dem Vorsitzenden des Ukrainischen Vereins Frankfurt am Main tun es hunderte Landsleute gleich, die sich die gelb-blaue Nationalflagge umgehängt haben. 1500 Menschen sind gestern in die Innenstadt gekommen, um gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu demonstrieren. „Stop Putler“ steht auf Plakaten, die den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Hitler-Bärtchen zeigen. „Wie viele Leben kostet Gas?“, steht auf einem anderen.

Auf dem gelb-blauen Schild von Anastasia Serebriakova steht in schwarzer Schrift: „Stop the war“ – Stoppt den Krieg. Ihre Familie lebt in Mariupol, im Südosten der Ukraine. „Der Flugplatz wurde vernichtet. Noch ist keiner verletzt“, berichtet sie. Sie steht seit dem frühen Morgen mit ihrer Tante in Kontakt, die dort mit ihrem Mann und zwei Töchtern lebt. Die Familie trifft im Keller Vorbereitungen, lagert Lebensmittel und Wasser.

Bei Natali Gamidadze wurden am Donnerstag fürchterliche Erinnerungen an ihre Kindheit geweckt. Die gebürtige Georgierin, trägt die Flagge ihres Heimatlandes um die Schultern und erzählt, dass sie im Jahr 2008 hautnah mitbekommen hat, wie Russland ihre Heimat angegriffen hat. „Wir haben Urlaub an der russischen Grenze gemacht und die Flugzeuge über uns hinwegfliegen gesehen“, berichtet sie. „Da war ich elf Jahre alt.“ Auf dem Rückweg in die Hauptstadt Tiflis musste sie durch Gori fahren. Die Stadt sei von Bomben fast völlig zerstört worden. „Es ist traurig, dass Kinder in der Ukraine das erleben müssen“, sagt Gamidadze. So etwas bleibe sehr lange im Kopf.

Einige sind verärgert, dass Mitglieder der Partei „Die Linke“ mit ihrer Fahne gekommen sind. „Ich reiß die gleich runter“, sagt ein Mann. Es kommt zu Diskussionen, aber alles bleibt friedlich. Immer wieder erklingt der Schlachtruf vom Euromaidan, der Revolution in der Ukraine: „Slawa Ukrajini – Herojam Slawa“, zu Deutsch: „Ruhm der Ukraine – den Helden Ruhm“. Andere rufen: „Wir sind alle Ukrainer.“

Der ukrainische Generalkonsul Kostiuk Vadym ist der Erste, der ans Mikrofon tritt. „Nicht nur unser Land ist unter Beschuss. Unter Beschuss ist die Demokratie. Unter Beschuss ist das Leben“, sagt Vadym. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) betont, dass die Stadt an der Seite der Menschen in der Ukraine stehe. „Wenn Unschuldige leiden dann geht das alle etwas an. Deshalb stehen wir heute alle hier und sind nicht nur betroffen, sondern wütend“, sagt Feldmann.

Uwe Becker (CDU), Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten in Hessen spricht von einem schwarzen Tag für Europa und die Demokratie. „Die Konsequenzen der EU und der NATO müssen hart und spürbar sein“, sagt Becker. „Nur diese Sprache versteht der russische Präsident.“ Nicola Beer (FDP), Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, sagt es ist ein „Angriffskrieg, der völkerrechtswidriger nicht sein kann.“ Sie fordert klare Kante und ein Ausschluss Russlands aus dem Zahlungssystem Swift sowie von Handel und Technologie. „Wir müssen das System Putin trockenlegen“, sagt Beer unter großem Applaus.

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