Wütender Protest gegen Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro auf dem Römerberg.
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Wütender Protest gegen Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro auf dem Römerberg.

Römer

Demonstration gegen Bolsonaro in Frankfurt

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Auf dem Römer protestieren Menschen gegen Bolsonaros „rassistische und neoliberale Politik“ – mit Abstand und Mundschutz.

Durch ein Mikrofon ruft Namir Martins auf dem Römerberg laut: „Bolsonaro“. Und die kleine Menschenmenge, die um sie herumsteht, antwortet mit: „Raus!“ Zu Protesten gegen die Regierung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro hatten Bürgerrechtsgruppen weltweit für Sonntag aufgerufen. In 26 Ländern seien Demonstrierende zusammengekommen, berichtet Martins. Auf dem Römerberg schätzt die Kasseler Aktivistin die Zahl der Teilnehmenden auf rund 60. Im Laufe des Nachmittages kommen einige weitere dazu.

Mit Mund-und-Nasen-Schutz sowie Abstand zueinander stehen sie vor dem Gerechtigkeitsbrunnen. An dessen Zaun hängen neben einer Brasilienflagge Schilder mit Aufschriften wie: „Gegen Rassismus“, „Fora Bolsonaro“ (Bolsonaro raus) und „Amazonia brennt“. Adhara Hormel, die aus dem Ostend gekommen ist, sagt zur Teilnehmendenzahl: „Es könnten viel mehr sein.“ Die 28-Jährige ergänzt: „Das Thema geht uns alle an, denn zum Beispiel die Amazonas-Abholzung betrifft die ganze Welt.“

Ein Mann kommt mit einem Schild geschultert auf den Platz gelaufen. Darauf ist zu lesen: „Bolsonaro Genocida“. Das Transparent einer Gruppe der „Linksjugend“ trägt die Aufschrift: „Nie wieder! Aus der Geschichte lernen – Faschismus stoppen“.

Martins hat sich zu ihrer roten Schiebermütze ein Shirt mit dem Aufdruck: „Brazil resists for human rights and democracy“ (Brasilien leistet Widerstand für Menschenrechte und Demokratie) übergestreift. Die 60-Jährige, die zum Frankfurter Organisationsteam des Protests gehört, zählt die lange Liste von Missständen auf, für die sie die Regierung Bolsonaro verantwortlich macht: „Zerstörung und Kollaps des Gesundheitssystems, Situation der Amazonier, wo auf Sojaplantagen noch immer Pestizide verwendet werden, die in Europa verboten sind, Zerstörung von Bildung und Kultur, drastische Reduzierung von Arbeitsrechten. Der Knackpunkt ist seine neoliberale Politik.“ Immer mehr Brasilianer würden ohne Sozialversicherung arbeiten und später keine Rente erhalten.

„Wichtig ist es, Präsenz zu zeigen und die Leute und die brasilianische Community hier in Deutschland auf die rassistische Regierung aufmerksam zu machen“, sagt Edmar Leao. Der 27-Jährige trägt einen roten Stern auf dem Button seiner Mund-Nasen-Maske. Einige Meter entfernt steht Alexandre Borba. Er sagt: „Es ist der Versuch zu zeigen, dass Brasilien nicht damit einverstanden ist, was passiert, und dass es so nicht weitergeht.“ Der 44-Jährige ist mit Tina Batista aus dem Nordend zu dem Protest gekommen. „Der Präsident ist ein Krimineller“, sagt die 61-Jährige. Sie wolle etwas dagegen tun, „selbst wenn das nichts bringt“.

Bárbara Luci Carvalho da Fonseca, Schauspielerin beim Frankfurter Antagon-Theaterprojekt, sagt in ihrer Ansprache: „Ich leide persönlich mit denen, die durch diese Regierung ihr Leben verloren haben.“ Ihr Theater-Professor, bei dem die 32-Jährige in Brasilien darstellende Kunst studiert habe, sei wie viele weitere an Corona gestorben. Bildung und Kultur würden zensiert und deren Etats zusammengestrichen. „Der Kulturminister wurde abgeschafft“, sagt die Künstlerin. Es sei ein „trauriger Moment für unsere Demokratie“.

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